Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zeitplan für Energiewende bröckelt

Nach dem Umweltminister äußert jetzt auch Rösler Bedenken

Ist der festgelegte Zeitplan für die Energiewende realistisch? (AP)
Ist der festgelegte Zeitplan für die Energiewende realistisch? (AP)

In der Bundesregierung wachsen Zweifel, ob die Energiewende im angestrebten Zeitfenster verwirklicht werden kann. Jetzt spricht sich auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) für eine längere Umsetzungsfrist aus. Derweil ist der Petersberger Klimadialog in Berlin zu Ende gegangen.

Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima vor gut einem Jahr hat sich die Bundesregierung einiges vorgenommen: Dazu gehört der Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2022 und die Verdoppelung erneuerbarer Energien im Bereich Strom von heute 17 auf 35 Prozent. Kritiker sagen, der erforderliche Ausbau des Stromnetzes - rund 4.000 Kilometer neue Leitungen würden benötigt - sei zu teuer und verunstalte Landschaften.

Philipp Rösler will Zeitplan für Energiewende strecken

Nun glaubt auch die Bundesregierung nicht mehr ganz an den festgesetzten Zeitplan. Der Umbau der Energieversorgung müsse mit Augenmaß geschehen, sagte Rösler (FDP). Der FDP-Vorsitzende drängt auf unverbindlichere Ziele bei der Energiewende. Die Bezahlbarkeit von Strom für Verbraucher und Unternehmen habe für ihn "oberste Priorität". "Wir müssen nachsteuern, wenn Jobs und unsere Wettbewerbsfähigkeit bedroht sein sollten", betonte Rösler weiter. Angesichts zahlreicher Probleme bei der Umsetzung der Energiewende hält der Bundeswirtschaftsminister eine Streckung des Zeitplans für möglich.

Rösler ist nach Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) das zweite Kabinettsmitglied, das am bisher gesteckten Zeitplan für die Energiewende Bedenken äußert. Altmaier hatte am Wochenende erklärt, er zweifele daran, ob der Stromverbrauch wie angestrebt tatsächlich um zehn Prozent bis 2020 gesenkt werden könne. "Wenn wir das noch irgendwie schaffen wollen, dann bedarf das riesiger Anstrengungen", fügte er hinzu.

Peter Altmaier (CDU), Bundesumweltminister (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)Peter Altmaier (CDU), Bundesumweltminister (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Petersberger Klimadialog zu Ende

Am Dienstag hat Bundesumweltminister Altmaier (CDU) beim Petersberger Klimadialog in Berlin mit insgesamt 35 Teilnehmerstaaten weiter über eine stärkere Reduzierung des CO2-Ausstoßes beraten. Verhandelt wurden die Beschlüsse der vergangenen Weltklimakonferenz in Durban. Altmaier sieht eine erhöhte Bereitschaft bei Industrie- und Schwellenländern, die Erderwärmung durch verstärkte nationale Maßnahmen zu bekämpfen. "Wir brauchen mehr Ehrgeiz schon vor 2020", sagte er zum Abschluss der Konferenz. Bis 2015 soll ein bindender Weltklimavertrag erarbeitet werden, der aber erst 2020 in Kraft treten soll. Altmaier betonte, die 35 Teilnehmerstaaten seien sich im Klaren darüber, dass bis 2020 mehr Einsatz notwendig sei, um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen. Das Treffen in Berlin sollte vor allem die Konferenz der Vereinten Nationen Ende November in Katar vorbereiten.

Angela Merkel fordert ein verbindliches Klimaschutzabkommen

Angela Merkel spricht beim Petersberger Klimadialog (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Angela Merkel fordert ein verbindliches Klimaschutz-Abkommen (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dagegen will weiter am Zeitplan festhalten. Sie will ein verbindliches Abkommen. Beim 3. Petersberger Klimadialog in Berlin warnte sie am Montag vor einer Erderwärmung um bis zu vier Grad, wenn sich die Welt nicht rasch auf verbindlichere Klimaschutzzusagen einige. "Die nächste Klimakonferenz in Katar muss dringend dem Klimaschutz neuen Schwung geben", sagte Merkel.

Kyoto-Protokoll läuft bald aus

Bei der UN-Klimakonferenz in Durban beschlossen die Staaten, bis 2015 einen Weltklimavertrag auszuarbeiten. Die Details sind aber noch unklar. Bei der UN Konferenz "Rio+20" im vergangenen Juni gab es viel Kritik, da nur wenig Konkretes beschlossen wurde. Das Kyoto-Protokoll von 1997 ist nach wie vor das einzige verbindliche Instrument zur Reduzierung von Treibhausgasen. Doch das läuft in diesem Jahr aus. Die Staaten sind jetzt aufgefordert für den Übergang bis zum Weltklimavertrag eine Anschlussregelung zu finden. Vergangene Klimakonferenzen der Vereinten Nationen:

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:05 Uhr Campus & Karriere

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:30 Uhr Vollbild

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Zum Tod von Boris Nemzow"Ich möchte, dass Russland frei wird"

Boris Nemzow (Picture Alliance / DPA / Andrei Aleksandrov)

Der russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow hatte keine Angst, das System Putin offen zu kritisieren. Heute Nacht wurde er auf offener Straße in Moskau erschossen. Seine Worte aber bleiben.

Freiwillige für FlüchtlingeWo staatliche Hilfe endet

Flüchtlinge in einer Kirche in Berlin-Kreuzberg (imago/Christian Mang)

Immer mehr Flüchtlinge versuchen weltweit, Krieg, Krisen und Hunger zu entkommen, und ein Ende der Entwicklung ist nicht absehbar. Politik und Behörden sind überfordert. Um so wichtiger wird der Einsatz von freiwilligen Bürgern.

Wagyu-RinderFett im Geschäft

Wagyu-Rinder werden so richtig verwöhnt. Sie schlafen weich, bekommen bestes Futter, regelmäßige Bürstenmassagen, dazu Chillout-Musik. Immer schön ruhig und bloß kein Stress! Schließlich sollen die guten Tiere richtig schön fett werden.

EU-Hilfsprogramm"Griechenland muss aus dem Euro raus"

Der FDP-Politiker Frank Schäffler (imago / Metodi Popow)

Der FDP-Politiker Frank Schäffler erwartet, dass sich die Situation in Griechenland weiter verschärft und ein drittes EU-Hilfspaket im Sommer kommen wird - das dann auch wieder nicht ausreichen wird. Er habe die Hoffnung auf Veränderungen in Griechenland aufgegeben, sagte Schäffler im DLF.

Fussball-WM 2022Aufbegehren gegen Katar ist unbequem

Baustelle des Khalifa Stadions in Katars Hauptstadt Doha (dpa / picture alliance / Sven Hoppe)

Die Kritik an Katar war lange Zeit unverschämt verhalten bis nichtexistent. Doch jetzt, da die europäischen Ligen ihre Spielpläne an ein Turnier im Winter anpassen sollen, gibt es die Chance, den Protest nachzuholen. Ein letzter Weckruf an die Fußball-Welt, meint Victoria Reith.

Yao MingDer große Plan

Yao Ming war der erste Chinese, der Basketballprofi in der NBA wurde. Auch sonst ist er eine absolute Ausnahmeerscheinung. Ein Gerücht hält sich aber hartnäckig. Weil auch beide Eltern des NBA-Stars erfolgreiche Basketballer waren. Wurde Yao Ming von der chinesischen Regierung gezüchtet?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Putin kondoliert Nemzows Mutter:  "Täter werden zur Rechenschaft gezogen" | mehr

Kulturnachrichten

Preußen-Stiftung  bietet Hilfe für zerstörte Kulturschätze im Irak an | mehr

Wissensnachrichten

Weltall  Überraschende Entdeckung: Sternengeburt am Rande der Milchstraße | mehr