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Zentralafrikanische Republik: Internationale Gemeinschaft verurteilt Putsch

Afrikanische Union setzt Mitgliedschaft vorerst aus

Verstärkung: Ankunft französischer Soldaten am Wochenende in der Zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui (picture alliance / dpa / Elise Foucaud)
Verstärkung: Ankunft französischer Soldaten am Wochenende in der Zentralafrikanischen Hauptstadt Bangui (picture alliance / dpa / Elise Foucaud)

Der Putsch in der Zentralafrikanischen Republik ist international auf heftige Kritik gestoßen. Das hat den neuen Machthaber und ehemaligen Rebellenführer Michel Djotodia aber nicht davon abgehalten, die Verfassung des Landes außer Kraft zu setzen und das Parlament aufzulösen.

Bis es eine neue Verfassung gebe, werde er das Land mit Verordnungen regieren, erklärte Djotodia vor Journalisten in der Hauptstadt Bangui. Der ehemalige Diplomat versicherte, innerhalb von drei Jahren sollten freie, transparente und faire Wahlen stattfinden. Für die Übergangszeit sei er Präsident.

Mittlerweile ist auch der Aufenthaltsort seines Vorgängers François Bozizé bekannt - er hat sich ins Nachbarland Kamerun abgesetzt. Dort will man ihn nach Angaben der kamerunischen Regierung aber nicht lange dulden.

UNO verurteilt Umsturz

Der Putsch dürfte die Zentralafrikanische Republik international vorerst isolieren. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte den Coup. In einer Erklärung in New York hieß es, man werde die Zentralafrikanische Republik nun genau beobachten und gegebenenfalls weitere Schritte in Erwägung ziehen. Die Afrikanische Union hat schon Konsequenzen gezogen und die Mitgliedschaft des Landes vorerst ausgesetzt, die Konten von Djotodia und mehreren Personen aus seinem Umfeld eingefroren, sowie Einreiseverbote verhängt. Die Europäische Union kritisierte die gewaltsame Machtübernahme und bezeichnete sie als "nicht akzeptabel".

Frankreich in Sorge

Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, François Bozizé (picture alliance / dpa / epa Hoslet)Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, François Bozizé (picture alliance / dpa / epa Hoslet) Auch in der ehemaligen Kolonialmacht macht man sich Sorgen: "Ich rufe alle Seiten zu größter Zurückhaltung auf", mahnte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius. Die Regierung in Paris hat 300 Soldaten in die Zentralafrikanische Republik geschickt. Sie sollen das dortige Kontingent verstärken und die rund 1.200 Franzosen schützen, die in dem Land leben. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Paris kam es am internationalen Flughafen von Bangui zu einem tragischen Missverständnis. Bei dem Versuch, mehrere Fahrzeuge zu stoppen, erschossen die französischen Soldaten zwei Männer aus Indien. Man habe über den Vorfall mit der indischen Regierung gesprochen. Frankreich habe sein Beileid zum Ausdruck gebracht.

Rebellen töten südafrikanische Soldaten

Die Rebellen hatten am Sonntagvormittag Bangui unter ihre Kontrolle gebracht und den Präsidentenpalast erobert. Dabei wurden unter anderem 13 südafrikanische Soldaten getötet und 27 verletzt. Südafrika hatte im Januar 200 Militärs in die Zentralafrikanische Republik geschickt, um die dortigen Regierungstruppen zu unterstützen.

Die Situation in Bangui ist weiterhin unsicher. In den vergangenen Tagen kam es zu zahlreichen Plünderungen. Kriminelle, aber auch Rebellen und Ordnungskräfte beteiligten sich an den Beutezügen durch Geschäfte und Privathäuser. Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" wurde nach eigenen Angaben Opfer dieser Übergriffe. In einer Erklärung (französischer link) heißt es: "wegen der Gewalt und Unsicherheit in Bangui ist die Arbeit der Ärzte ohne Grenzen schwer gestört worden, so dass Verletzte in kritischem Zustand nicht operiert werden konnten."

Ein gebeuteltes Land

Für die Zentralafrikanische Republik reiht sich dieser Putsch in eine lange Folge von Staatsstreichen, Militärrevolten und Aufständen ein. Gewählt wurde in dem Land, das nur auf dem Papier eine Demokratie ist, seit 1979 nur drei Mal. Der Democracy-Index der britischen Zeitschrift "Economist" stuft Zentralafrika regelmäßig auf den hintersten Plätzen ein.

Schon der Vorgänger des jetzigen Putschisten hatte seinen Vorgänger gewaltsam gestürzt. Schuld an dem politischen Durcheinander haben auch die Nachbarn der Zentralafrikanischen Republik. Die blutigen Kriege im Kongo, im Sudan und Tschad sind immer auch über die Grenzen geschwappt und haben die Gewalt in dem Land neu angeheizt.

Die neuen Machthaber, die sich Séléka nennen, hatten am 10. Dezember 2012 zu den Waffen gegriffen. Die Gruppe gilt als Zusammenschluss ehemaliger Widerstandskämpfer aus Zeiten des Bürgerkriegs in der Zentralafrikanischen Republik. Sie werfen der Regierung vor, mehrere Friedensabkommen aus den Jahren 2007 bis 2011 nicht umgesetzt zu haben.

Keine islamistischen Ziele

Über die Größe der Séléka ist wenig bekannt. Roland Marchal, Experte für Zentralafrikanische Konflikte am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris, schätzt in der in Boston erscheinenden Global Post, dass den Truppen 1000 bis 2000 Kämpfer angehören. Vorwiegend stammen die Rebellen aus dem islamisch geprägten Norden des Landes. Sie verfolgen nach eigenen Angaben keine islamistischen, sondern nationale Ziele.

Die Rebellen nahmen bis Ende Dezember mehrere Städte im dünn besiedelten Norden des Landes ein. Unter internationalem Druck hatten sie ihre Offensive im Januar zunächst 75 Kilometer vor Bangui eingestellt. Am 11. Januar wurde im gabunischen Libreville ein Friedensvertrag unterzeichnet. Später warfen die Rebellen dem Bozizé-Clan jedoch vor, die Vereinbarungen gebrochen zu haben, und setzten ihre Offensive am Freitag fort. Das Abkommen sah unter anderem vor, dass die Aufständischen an der Regierungsmacht beteiligt werden. Michel Djotodia hat nun versprochen, den Friedensvertrag richtig umzusetzen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

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