Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zu Guttenberg auf Schlingerkurs

Verteidigungsminister rechtfertigt Absetzung des Gorch-Fock-Kommandanten

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schreitet in Berlin eine  Ehrengarde ab. (AP)
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schreitet in Berlin eine Ehrengarde ab. (AP)

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warnte vor Vorverurteilungen in der Gorch-Fock-Affäre - um wenig später den Kommandanten abzusetzen. Der sich selbst als "wenig geduldig" beschreibende Minister fährt einen Schlingerkurs - und das nicht zum ersten Mal.

So hatte zu Guttenberg im Fall des Tanklasterbeschusses von Kundus den Bombardierungsbefehl des deutschen Oberst zunächst als "militärisch angemessen" bezeichnet. Später revidierte er seine Einschätzung zu "militärisch nicht angemessen". Weil er sich nicht ausreichend von ihm informiert fühlte, musste der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, seinen Hut nehmen.

Norbert Schatz, Kommandant des Segelschulschiffes Gorch Fock wurde am 21. 01.2011 von seinem Posten abgelöst. (dapd)Norbert Schatz, Kommandant des Segelschulschiffes Gorch Fock wurde am 21. 01.2011 von seinem Posten abgelöst. (dapd)Im Fall des Segelschulschiffs "Gorch Fock" rechtfertigte zu Guttenberg die kurzfristige Absetzung des Gorch-Fock-Kommandanten, Kapitän zur See Norbert Schatz, als "sachgerecht und notwendig". Ein von seinen Pflichten entbundener Kommandant sei weder "gefeuert" noch "geschasst" oder "rausgeworfen" worden, betonte der CSU-Politiker in Berlin. Wenn sich die Anschuldigungen gegen Schatz als nicht stichhaltig erwiesen, könne dieser seine Karriere fortsetzen. Derzeit gehe es noch darum, die Vorgänge auf dem Segelschulschiff aufzuklären.

Die Opposition hatte die Informationspolitik des Ministers kritisiert. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, sagte in Berlin, der Minister habe das Parlament zu spät und zudem falsch in Kenntnis gesetzt. Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, wunderte sich im "ZDF-Morgenmagazin" über zu Guttenbergs Sinneswandel in der Affäre.

Die Vorfälle kratzen am Image des Verteidigungsministers. Guttenberg sei ein herausragend talentierter Politiker,aber auch ein selbstverliebter Mann der Medieninszenierungen, sagte der Medien- und Politikberater Michael Spreng im Deutschlandfunk. Der Minister müsse die Gewichte neu austarieren. "Er hat die Bundeswehrreform, die Verkleinerung, er will das Ministerium neu organisieren, es soll nach Berlin weitgehend umziehen. Also er hat sehr viel zu tun und er hat dabei offenbar etwas den Überblick verloren, und das muss er jetzt nacharbeiten. Seine Devise für die Zukunft kann nur sein, mehr Ministerium, weniger Medien", so Spreng.

Am Mittwoch soll Guttenberg im Verteidigungsausschuss unter anderem zu den Vorfällen auf dem Segelschulschiff Stellung nehmen. Die Grünen beantragten zudem für diese Woche eine Aktuelle Stunde des Bundestags.

Verteidigungsminister kontert Kritik am Führungsmanagement in der Bundeswehr

SPD zitiert zu Guttenberg vor den Verteidigungsausschuss


Zum Luftschlag von Kundus (2010):

Guttenberg erneuert Vorwürfe gegen Schneiderhan

Guttenberg schlägt zurück - Streit über Luftangriff bei Kundus

Bundeswehr-Generalinspekteur Schneiderhan tritt nach Kundus-Luftschlag zurück

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Spielraum

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:00 Uhr Einstand

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Evakuierung Ost-Aleppos "Die UNO darf sich da nicht so weit einmischen"

Syrien-Expertin und Autorin Kristin Helberg auf dem 20. Literaturfestival des Vereins Erfurter Herbstlese 2016. (imago / Viadata)

Die Evakuierung von Zivilisten aus Ost-Aleppo durch Assads Regime sollte nicht als humanitäre Aktion missverstanden werden, sagte Syrien-Expertin Kristin Helberg im DLF. Es handele sich vielmehr um "eine Form von politischer Säuberung". Die UNO befinde sich dadurch in einer schwierigen Situation, betonte die Politologin.

Therapie oder Spleen?Die Kunst des guten Selbstgesprächs

Mann sitzt auf einer Bank. (imago)

Wer in der Öffentlichkeit laut Selbstgespräche führt, gilt als zumindest ein bisschen verrückt. Dabei können Selbstgespräche durchaus eine therapeutische Funktion erfüllen, meint der Publizist Urs Willmann. Aber es komme dabei auf die "Selbstgesprächskultur" an.

Cadmium in KakaoBitterschokolade besonders von Schwermetall betroffen

Eine Tafel Vollmilchschokolade in Nahaufnahme (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Über die Nahrung oder über die Atemwege kann das Schwermetall Cadmium aufgenommen werden. Es gelangt auch in die Nahrung - über Kakao-Pflanzen, vor allem über die, die auf vulkanischem Gestein gewachsen sind. Besonders Bitterschokolade mit hohem Kakaoanteil ist laut Lebensmittelchemikern betroffen.

100. Geburtstag von Kirk Douglas"Ich habe Karriere gemacht, weil ich Hurensöhne spielte"

Kirk Douglas in dem Film "The Man from Snowy River" (1982). (imago/United Archives)

Den klassischen Helden verkörperte Schauspieler Kirk Douglas selten. Seine herausragendste Rolle war die des Vincent van Gogh. Politisch zeigte er klare Kante im Anti-Kriegsfilm "Wege zum Ruhm". Am heutigen Freitag feiert Kirk Douglas seinen 100. Geburtstag.

Doping-EnthüllungenMcLaren-Report wirft Russland "institutionelle Verschwörung" vor

WADA-Sonderermittler Richard McLaren (picture alliance / dpa / Facundo Arrizabalaga)

Es ist die Bestätigung des ersten Teils - und geht noch weiter: Der zweite Bericht der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zeigt, wie gewaltig das Ausmaß des Staatsdopings in Russland war. Von mehr als 1.000 Athleten ist die Rede. Und das IOC? Warnt vor voreiligen Schlüssen.

Nachruf auf Hildegard Hamm-BrücherDie freischaffende Liberale

Hildegard Hamm-Brücher nimmt am 17.03.2012 an einer Fraktionssitzung von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin teil. Hamm-Brücher war als Wahlfrau für die Bundesversammlung eingeladen. Foto: Kay Nietfeld dpa | Verwendung weltweit (dpa)

Weil sie Helmut Schmidt nicht stürzen wollte, fiel sie in Ungnade. Später kandidierte sie als Bundespräsidentin. 2002 brach sie mit der FDP. Vorgestern ist Hildegard Hamm-Brücher mit 95 Jahren gestorben. Sie gilt als eine der größten liberalen Politikerinnen der Bundesrepublik.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Atom-Ausstieg  AKW-Betreiber wollen Teil der Klagen zurückziehen | mehr

Kulturnachrichten

21st Century Fox will Bezahlsender Sky kaufen  | mehr

Wissensnachrichten

Deutsches Kulturerbe  Ostfriesische Teekultur, Skat und Hebammen gehören dazu | mehr