Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zu wenige Akademiker in Deutschland

OECD-Studie offenbart Bildungsmängel

Zwei Absolventinnen des dritten Jahrgangs der Internationalen Universität Bremen. (AP)
Zwei Absolventinnen des dritten Jahrgangs der Internationalen Universität Bremen. (AP)

Nach dem schlechten Abschneiden des deutschen Schulsystems im internationalen Vergleich gibt es jetzt auch von den Hochschulen alarmierende Nachrichten. Bei der Ausbildung von Hochqualifizierten hat Deutschland den Anschluss an die anderen OECD-Staaten verloren und riskiert damit seine Zukunft als eine der führenden Industrienationen. Das ergibt sich aus der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick".

Die jährlich erscheinende Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) analysiert die Entwicklung der Bildungssysteme in den 30 größten Industrienationen und konzentrierte sich 2006 auf den Hochschulbereich. Dort erhöhte Deutschland den Anteil der Absolventen zwischen 2000 und 2004 zwar von 19,3 auf 20,6 Prozent. Die meisten OECD-Länder machten aber weit größere Fortschritte: Im Durchschnitt weisen inzwischen 36,8 Prozent eines Altersjahrgangs einen Abschluss im tertiären Bereich des Bildungswesens vor. Lediglich Tschechien, Österreich und die Türkei bilden weniger Akademiker pro Jahrgang aus als Deutschland.

Angesichts der geringen Geburtenraten werde sich das Problem noch verschärfen, sagte Andreas Schleicher, Hauptautor der Studie. Deutschland werde "den steigenden Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften so nicht befriedigen können".

Laut Schleicher gibt es deutliche Schwachpunkte auch beim lebenslangen Lernen. Die Beteiligung an Weiterbildungsmaßnahmen sei in Deutschland unterdurchschnittlich, weil oftmals die Anreize fehlten, sagte der Bildungsexperte im Deutschlandfunk. Das Angebot in Deutschland sei gar nicht schlecht. Doch hätten viele Menschen im Bildungssystem schlechte Erfahrungen gemacht, gerade im Schulbereich, und es sei schwer, diese Menschen, für das Bildungssystem später noch zu gewinnen.

Kritik an Finanzierung

Kritik übt die OECD an der Finanzierung des Bildungssystems. Der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt liege mit 5,3 Prozent deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 5,9 Prozent. Zudem finanziere der deutsche Staat den Hochschulbereich stärker als die Kindergärten. Das sei "bildungsökonomisch nicht erklärbar", da die gesellschaftlichen Erträge im Vorschulbereich besonders hoch seien.

Andreas Strom (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, äußerte sich trotz der Ergebnisse optimistisch: "Mit der gemeinsamen Anstrengung von Bund und Ländern werden wir in wenigen Jahren zu führenden Staaten der OECD aufschließen." Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ute Erdsiek-Rave (SPD), nahm die Studie als Beweis, "dass sich unsere Bildungspolitik in die richtige Richtung entwickelt". Hingegen beklagte die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Marianne Demmer, dass Deutschland auf wichtigen Feldern weiter an Boden verloren habe und eine Trendwende nicht in Sicht sei.



Mehr bei deutschlandradio.de

 

Links bei dradio.de:

Deutschland muss nachsitzen

 

Externe Links:

OECD-Studie "Bildung auf einen Blick"

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:18 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Loveparade-KatastropheNotwendiges Neuland

Eine Gedenkstätte für das Loveparade-Unglück in Duisburg.  (dpa/Monika Skolimowska)

Die Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe von vor sechs Jahren sei in ein unwürdiges Schwarzer-Peter-Spiel ausgeartet, kommentiert Moritz Küpper. Warum nicht den Teufelskreis durchbrechen und eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen? Das wäre Neuland - und ein Zeichen an die Opfer.

Medienreform in PolenWackelt die vierte Gewalt im Staat?

Demonstration gegen Polens umstrittenen Medien- und Justizgesetze in Brüssel am 18. Januar 2016. (picture alliance / dpa  - Laurent Dubrule)

Die amtierende PiS-Regierung in Polen plant für den 1. Juli eine Reform der Medien. Die öffentlichen-rechtlichen Medien sollen in nationale verwandelt werden. Wegen internationaler Kritik hat die Regierung die Reform auf 2017 verschoben.

Darknet und Deep WebWarum Anonymität im Netz wichtig ist

Eine Illustration, bei der ein Mann im Hasso-Plattner-Institut in Potsdam (Brandenburg) eine Hand auf einen Bildschirm mit dem visualisierten, weltumspannenden Internet hält. (dpa / Ralf Hirschberger)

Der Journalist und Autor Alexander Krützfeldt hält es für falsch, nach den jüngsten Gewalttaten nun die Möglichkeiten zu begrenzen, anonym im Internet zu surfen. Solche Software sei wichtig für Dissidenten, NGOs und Reporter, sagte er im DLF.

Unruhe vor Parteitag der DemokratenHat die Parteispitze Clinton bevorzugt?

Arbeiter bereiten den Saal im Wells Fargo Center in Philadelphia für den National Convention der US-Demokraten vor. (picture-alliance/ dpa/ epa/ CJ Gunther)

Ex-Außenministerin Hillary Clinton will ins Weiße Haus. Der Nominierungsparteitag der Demokraten in Philadelphia soll deshalb zu einer machtvollen Demonstration der Einheit werden. Doch ausgerechnet jetzt sorgen pikante und geleakte E-Mails aus dem Kreis der Parteispitze für Unruhe.

Autorin Stefanie SargnagelZwischen Depression und Größenwahn

Die Autorin Stefanie Sargnagel (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)

Ihre literarische Karriere begann auf Facebook, ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte sie dieses Jahr mit einer Einladung zu den Bachmann-Tagen in Klagenfurt. Die Österreicherin Stefanie Sargnagel gilt als Kult-Autorin. Wir reden mit ihr über Depression und Größenwahn.

SchönheitsidealHilfe, mein Kinn ist nicht männlich!

Wenn ihr im Netz nach "Plastischer Chirurgie" sucht, findet ihr neben Nasen und Brüsten immer mehr Diskussionen über das Kinn. Junge Männer fragen sich: Sollte ich über ein Kinnimplantat nachdenken? DRadio Wissen hilft euch.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

US-Demokraten  Nominierungsparteitag in Philadelphia eröffnet | mehr

Kulturnachrichten

Schärfere Kontrollen bei Konzerten  | mehr

Wissensnachrichten

Anti-Ransomware-Programm  Europol gegen Netz-Erpressungen | mehr