Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zugriff auf Daten von Millionen Menschen

Neue NSA-Dokumente bekräftigen Vorwürfe gegen US-Geheimdienst

Menschen demonstrieren in Hannover gegen die Abhörmaßnahmen durch den US-Geheimdienst NSA. (picture alliance / dpa / Peter Steffen)
Menschen demonstrieren in Hannover gegen die Abhörmaßnahmen durch den US-Geheimdienst NSA. (picture alliance / dpa / Peter Steffen)

Die britische Tageszeitung "The Guardian" hat neue NSA-Dokumente im Netz veröffentlicht. Demnach sind E-Mails, Facebook-Chats, Suchanfragen und Verbindungsdaten von Millionen Menschen von den Geheimdienstmitarbeitern einsehbar.

Die Unterlagen untermauern den Vorwurf, dass der US-Geheimdienst NSA praktisch unbegrenzten Zugriff auf Internetdaten der Menschen weltweit habe. Die britische Tageszeitung "The Guardian" veröffentlichte die NSA-Präsentation im Netz. Laut dieser haben Mitarbeiter über ein Programm namens "XKeyscore" Zugriff auf gewaltige Datenmengen. Dieses Programm setzt auch das deutsche Bundesamt für Verfassungsschutz testweise ein.

Dem Dokument von 2008 zufolge können Geheimdienstmitarbeiter in den "enormen Datenbanken" der NSA nach Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Schlagworten suchen. Ein Beispiel zeigt eine Suchanfrage nach Unterhaltungen eines Nutzers im Online-Netzwerk Facebook. Für die einzelnen Anfragen bräuchten die Geheimdienstler keine gesonderte Zustimmung eines Richters oder eines anderen NSA-Mitarbeiters. Der US-Geheimdienst könne auf "fast alles, das ein typischer Nutzer im Internet tut" zugreifen, heißt es in dem Artikel. Der Einsatz des Systems habe bis 2008 zur Ergreifung von 300 Terroristen geführt. Auch die Beobachtung der Internetaktivität einzelner Menschen in Echtzeit sei mit "XKeyscore" möglich.

41 Milliarden Datenpunkte in 30 Tagen

Unter anderem könne man die IP-Adresse jedes Besuchers einer bestimmten Website erfassen. "XKeyscore" sammele Unmengen von Daten. Laut "Guardian" werden die Inhalte der Kommunikation für drei bis fünf Tage gespeichert, Verbindungsdaten für 30 Tage. Innerhalb eines solchen 30-Tage-Zeitraums im Jahr 2012 seien 41 Milliarden Datenpunkte zusammengekommen.

Die Präsentation stammt wie vorige Veröffentlichungen aus dem Bestand von Edward Snowden. Diesmal stellte der "Guardian" allerdings den kompletten Schriftsatz ins Netz. Einige Seiten wurden geschwärzt, weil sie Details zu konkreten Geheimdiensteinsätzen enthielten, die man nicht verraten wolle.Snowden hatte im Juni Dokumente über geheime Überwachungsprogramme des US-Geheimdienstes NSA an Medien weitergegeben und auch ein umfangreiches britisches Spähprogramm enthüllt. Der 29-Jährige, der wegen Spionage per Haftbefehl gesucht wird, hatte nach eigenen Angaben als Angestellter eines Subunternehmens gearbeitet. Die Spionage-Möglichkeiten der NSA kommentierte er mit den Worten: "Sie haben keine Ahnung, was alles möglich ist." Snowdens Enthüllungen sorgen seit Wochen für Diskussionen über die Zusammenarbeit deutscher Geheimdienste mit der NSA. Nach der Veröffentlichung der Dokumente hatte er sich über Umwege nach Russland abgesetzt und sitzt weiterhin in der Transitzone des Moskauer Flughafens fest.

USA veröffentlichen drei Dokumente

Auch die USA haben mehrere Dokumente veröffentlicht. Berichte aus den Jahren 2009 und 2011 enthalten Details über die Sammlung von US-Telefondaten durch den Geheimdienst NSA. Aus den Unterlagen ist ersichtlich, unter welchen Voraussetzungen die Daten gespeichert und Ermittlern zugänglich gemacht werden. Die teilweise geschwärzten Dokumente legen dies allerdings nur in groben Zügen dar. Zeitgleich mit der Veröffentlichung im Netz befasste sich auch der Rechtsausschuss des Senats in Washington mit den Papieren. Unter anderem wurden der stellvertretende US-Justizminister James Cole sowie der Vize-Chef der NSA, John Inglis, angehört. Die von der NSA gesammelten Daten enthielten keine Namen, keinen Ort und nicht den Inhalt der Gespräche, versicherte Cole vor dem Ausschuss.

Die Informationspolitik der US-Regierung sorgt in Deutschland weiter für Kritik. "Wir sind mit dem, was bisher an Informationen uns zur Verfügung gestellt worden ist, noch nicht zufrieden", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Er unterstrich, dass er mit der baldigen Aufhebung einer seit Jahrzehnten geltenden Vereinbarung mit den USA zur Überwachung von Telekommunikation in Deutschland rechnet. Sie war 1968 mit der Einführung des Gesetzes zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses (G-10-Gesetz) geschlossen worden.


Mehr zum Thema:

NSA darf Amerikaner weiter belauschen
US-Repräsentantenhaus stimmt gegen Einschränkungen
Snowden: NSA steckte "unter einer Decke mit den Deutschen"
Zusammenarbeit zwischen US-Geheimdienst und BND offenbar enger als bekannt
Kritik an Datensammlung der US-Behörden
Geheimdienst NSA soll Zugriff auf Server von großen Internetkonzernen haben
Spionage mit Tradition
Die Abhöraffäre und das transatlantische Verhältnis

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Feature

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

"March for our lives"Das Gesicht des Protests

Emma Gonzalez, Schülerin der Marjory Stoneman Douglas High School und Überlebende des Amoklaufs von Parkland. Beim "March for our Lives" am 24. März wollen sie nach Washington marschieren und schärfere Waffengesetze fordern.  (AFP / Rhona Wise)

Nicht nur Trauer, auch immer mehr Wut bricht sich Bahn: über die laschen Waffengesetze und Politiker, die sich von der Waffenlobby schmieren lassen. "Schämt Euch!", das ist die Botschaft von Emma Gonzalez, die das Massaker mit 17 Toten in Florida überlebt hat. Jetzt ruft sie zum Marsch auf Washington.

Ex-Generalsinspekteur"Die Bundeswehr wird ganz gezielt von der Politik vernachlässigt"

Harald Kujat, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzender des Nato-Militärausschusses. (imago / Jürgen Heinrich)

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, fordert eine Kurskorrektur bei der Ausstattung der Truppe. Für das Material der Bundeswehr müsse deutlich mehr Geld ausgegeben werden. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen habe völlig falsche Akzente gesetzt, sagte Kujat im Dlf.

SPD-MitgliederentscheidMein Nein zur GroKo

SPD-Anhänger halten am 21.01.2018 ein Schild mit der Aufschrift "#NoGroko" bei einer Demonstration vor dem WCCB beim außerordentlichen SPD-Parteitag in Bonn (Nordrhein-Westfalen). (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Soll die SPD erneut in eine Koalition mit der Union eintreten? Darüber dürfen ab heute die Parteimitglieder entscheiden. Auch Nicol Ljubic darf abstimmen und für ihn ist klar: Eine Neuauflage der GroKo muss verhindert werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Berichte  Rechte Aktivisten manipulierten Netzdiskussionen zur Wahl | mehr

Kulturnachrichten

Schauspieler und Sprecher Christian Rode gestorben | mehr

 

| mehr