Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zukunft von Schlecker-Mitarbeitern weiter ungewiss

Länder können sich nicht auf Bürgschaft für Schlecker einigen

Einfach dichtgemacht: 2200 Filialen wurden am Wochenende geschlossen (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)
Einfach dichtgemacht: 2200 Filialen wurden am Wochenende geschlossen (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)

Ob die rund 11.000 von Kündigung bedrohten Mitarbeiter zunächst in Transfergesellschaften unterkommen, ist fraglich - Baden-Württembergs Versuch, dafür alle Länder ins Boot zu holen, ist gescheitert.

Das Amtsgericht Augsburg hat derweil das Insolvenzverfahren über die Drogeriekette Schlecker und deren Tochter IhrPlatz offiziell eröffnet. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz teilte mit, unabhängig davon werde weiter versucht, mit Staatshilfen Transfergesellschaften für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Schlecker-Mitarbeiter einzurichten. Betroffen sind die Angestellten aus den 2200 am Wochenende geschlossenen Filialen.

Die Verhandlungen darüber, die Mitarbeiter in Auffanggesellschaften unterzubringen, gestalten sich allerdings schwierig: Ein Großteil der betroffenen Bundesländer will sich an einer Bürgschaft dafür nicht beteiligen. Auch Bemühungen um eine kleine Lösung mit Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen sind offenbar ohne Erfolg. Bayerns Finanzminister Söder erklärte, sein Land stehe für eine solche Konstellation nicht zur Verfügung. Im Wirtschafts- und Finanzausschuss von Baden-Württemberg, dem Stammland von Schlecker, wird derzeit weiter über eine mögliche Lösung verhandelt.

Die Bürgschaft ist Voraussetzung für einen 71-Millionen-Euro-Kredit der staatlichen Förderbank KfW, mit dem die Auffanggesellschaften finanziert werden sollen. Kommt die Bürgschaft nicht zustande, könnte den 11.200 Mitarbeitern noch heute gekündigt werden.

Transfergesellschaften sollen entlassenen Beschäftigten dabei helfen, mithilfe von Weiterbildungen möglichst schnell einen neuen Job zu finden. Während sie einen Arbeitsvertrag mit der Gesellschaft haben - im Falle von Schlecker sollen es sechs Monate sein - erhalten die Betroffenen von der Arbeitsagentur ein Transferkurzarbeitergeld von mindestens 60 Prozent des vorherigen Nettolohns. Bei der Tochtergesellschaft IhrPlatz gibt es bereits eine Transfergesellschaft. Auch der Insolvenzverwalter von Schlecker, Arndt Geiwitz, hatte sich für Transfergesellschaften stark gemacht.

Tausende Kündigungsschutz-Klagen drohen

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz setzt auf Transfergesellschaften, um Kündigungen aufzuschieben und den Verkauf der auf 3000 Filialen geschrumpften Drogeriekette Schlecker vorwärtszutreiben. Auch Schlecker-Betriebsratschefin Christel Hoffman befürwortet eine Auffanggesellschaft. Sollte sie nicht zustande kommen, könnten nach Ansicht von Experten tausende Kündigungsschutzklagen mögliche Käufer abschrecken.

Geiwitz will nach eigenen Angaben in der ersten April-Woche "mit etwa drei, aber nicht mehr als fünf Investoren Gespräche führen". Bis Pfingsten solle der neue Eigentümer feststehen. "Die Chance dafür liegt deutlich über 50 Prozent", sagte der Insolvenzverwalter. Interessenten müssen bis Ende der Woche unverbindliche Angebote abgeben. Geiwitz zufolge sind vor allem Finanzinvestoren interessiert. Konkurrierende Drogerie-Unternehmen wie dm und Rossmann hatten von Anfang an abgewinkt.

Mehrere Bundesländer hatten das Modell Transfergesellschaft für Schlecker schon im Vorfeld abgelehnt und wollten nicht mitziehen. Niedersachsen zum Beispiel: Das FDP-geführte Wirtschaftsministerium in Hannover nannte als Gründe Unzuverlässigkeit der Daten des Insolvenzverwalters und Zweifel am Fortführungskonzept. Auch Sachsen steht Transfergesellschaften für Schlecker-Mitarbeiter skeptisch gegenüber. Wirtschaftsminister Sven Morlok sagte im Deutschlandfunk, zwar hätten die Betroffenen staatliche Hilfe verdient - man könne sie aber über die Bundesagentur für Arbeit und den sächsischen Handelsverband besser vermitteln und qualifizieren.

Monopolkomission gegen staatliche Hilfen

Der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, sprach sich gegen staatliche Hilfe für eine Schlecker-Auffanggesellschaft aus. Eine Bürgschaft der Länder führe die Marktwirtschaft "ad absurdum", sagte Haucap dem Handelsblatt Online. "In der Tat könnten hier Marktwirtschaftler in allen Parteien mehr Flagge zeigen." Die Monopolkommission berät die Bundesregierung zu Fragen der Wettbewerbspolitik.

Ebenso sind nach Ansicht des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) staatliche Bürgschaften überflüssig. "Es werden überall Fachkräfte gesucht. Die meisten der Schlecker-Mitarbeiter werden wir unterbringen können", sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der Märkischen Allgemeinen Zeitung.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

RegierungsbildungSPD unter Druck

Die SPD-Politiker Sigmar Gabriel und Martin Schulz im Bundestag (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

Der Bundespräsident bittet zum Gespräch. Nach FDP und Grünen ist nun die SPD für Donnerstag ins Schloss Bellevue geladen. Zwar hält Martin Schulz an seiner Absage an eine Große Koalition fest, doch in der SPD wächst die Sorge, dass die Genossen als Totalverweigerer dastehen könnten.

Aktion des Zentrums für politische SchönheitEin Holocaust-Mahnmal vor Höckes Haustür

Das "Denkmal der Schande", ein verkleinerter Nachbau des Berliner Holocaust-Mahnmals, ist am 22.11.2017 in Bornhagen im Eichsfeld (Thüringen) in Sichtweite des Grundstücks von AfD-Politiker Höcke zu sehen. (dpa / Swen Pförtner)

Das Zentrum für politische Schönheit hat Björn Höcke eine stark verkleinerte Version des Berliner Holocaust-Mahnmals aufs Nachbargrundstück gestellt. So hat der AfD-Rechtsaußen nun täglich einen direkten Blick auf das "Denkmal der Schande", wie er es selbst einst nannte. Fragt sich jetzt nur: wessen Schande?

MigrationKlimawandel als Fluchtursache

Menschen bewohnen die Karibikinsel Barbuda seit der Verwüstung durch Hurrikan Irma noch nicht wieder (Deutschlandradio/ Anne-Katrin Mellmann)

Einen Zusammenhang von Fluchtbewegungen und klimatischen Veränderungen beobachten Wissenschaftler schon seit Jahrhunderten. Als Fluchtursache wird der Klimawandel in Zukunft aber wohl eine immer größere Rolle spielen, sagen Experten. Klimaschutz alleine kann die Fluchtbewegungen jedoch nicht aufhalten.

Spielfilm über den IS"Wenn Ideologie tief sitzt, gibt es nichts zu verlieren"

Der Regisseur Züli Aladag mit seinen Hauptdarstellern Tamer Yigit (l) und Edin Hasanovic (r) (picture alliance / dpa / Christoph Schmidt)

Warum schließen sich junge Deutsche, auch ohne Migrationshintergrund, dem IS an, reisen sogar in den Krieg? Was passiert dort mit ihnen? Und was, wenn sie zurück sind? Der Regisseur Züli Aladag hat den dreistündigen Film "Brüder" über diese Fragen gedreht.

Qualitätsschaumweine im TestGuter Sekt muss nicht teuer sein

Ein Sektkorken schießt aus einer Sektflasche heraus. (imago/Westend61)

Es muss nicht immer Schampus sein: Die Stiftung Warentest hat die in Deutschland am häufigsten verkauften Sektmarken untersucht - vom teuren und edlen Tropfen bis hin zum Discounterangebot. Und: Die meisten konnten überzeugen.

Lust am BösenDie Rückkehr der Schauergeschichte

Zombie-Angriff einer Zoomitarbeiterin bei "Halloween im Zoo" in Stuttgart am 31.10.2016 (dpa / picture alliance / Benjamin Beytekin)

Im 19. und im frühen 20. Jahrhundert waren Schauergeschichten angesagt. Irene Binal ist eine bekennende Anhängerin, hat eine neue Schauer-Anthologie gelesen und fragt, wo die Gespenster heute eigentlich abgeblieben sind.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ratko Mladic  Lebenslange Haft für den "Schlächter von Bosnien" | mehr

Kulturnachrichten

"In aller Freundschaft"-Hauptdarsteller ist tot | mehr

 

| mehr