Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Zwei Jahre Haft für Pussy Riot

Moskauer Gericht erklärt kremlkritische Punkband für schuldig

Moskauer Punkband Pussy Riot während ihrer Aktion in der Erlöser-Kathedrale
Moskauer Punkband Pussy Riot während ihrer Aktion in der Erlöser-Kathedrale (picture alliance / dpa)

Zwei Jahre Haft im Straflager für Pussy Riot: Die Punkmusikerinnen sind wegen Rowdytums in Moskau schuldig gesprochen worden. Sie hatten in einer Kirche gegen Staatschef Wladimir Putin protestiert.

Die drei Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot müssen zwei Jahre ins Straflager. Das entschied das Moskauer Chamowniki-Gericht am Nachmittag. "Das Gericht befindet die Angeklagten für schuldig", verkündete Richterin Maria Syrowa. Die drei Musikerinnen hätten sich des "Rowdytums" zu Schulden kommen lassen. Mit ihrer "sorgfältig geplanten" Aktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale hätten sie die öffentliche Ordnung verletzt, urteilte das Gericht in Moskau.

Mit einem Punkgebet in einer der wichtigsten russisch-orthodoxen Kirche hatten die jungen Frauen im Februar gegen Staatschef Wladimir Putin protestiert. "Mutter Gottes, Du Jungfrau, vertreibe Putin!", riefen sie und tanzten mit knallbunten, gehäkelten Sturmmasken auf dem Altar.

Respektlosigkeit gegenüber der Gesellschaft

Die drei Frauen hätten "keine Reue gezeigt" und die "Gefühle der Gläubigen beleidigt", sagte Richterin Syrowa bei der Urteilsverkündung weiter. Mit ihrem kurzen Auftritt hätten sie der Gesellschaft gegenüber Respektlosigkeit gezeigt.

Im Ausland sorgte das Urteil für Empörung. Die Russlandexpertin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Friederike Behr, sprach von einem harten Schlag gegen die Meinungsfreiheit. "Das ist erschütterndes, politisch motiviertes Unrecht."

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte dem "Tagesspiegel": "Das harte Urteil steht in meinen Augen in keinem Verhältnis zur Aktion der Musikgruppe."Er befürchte, dass die Zivilgesellschaft durch dieses Urteil weiter eingeschüchtert werde. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton nannte das Urteil "unverhältnismäßig". Und auch von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kommt Kritik: "Vorwürfe wie Rowdytum und religiöser Hass sollten nicht dafür benutzt werden, um die Meinungsfreiheit einzuschränken", erklärte die OSZE-Beauftragte für Pressefreiheit, Dunja Mijatovic, in Wien. Russland gehört zu den 56 OSZE-Staaten.

Autoren wollen am 12. Dezember Pussy-Riot-Text verlesen

Prominente Unterstützung erhalten die Musikerinnen von bekannten Schriftstellern wie Elfriede Jelinek, Hanif Kureshi und Mario Vargas Llosa. Sie unterstützen einen Aufruf des Internationalen Literaturfestivals Berlin. Autoren aus aller Welt "verneigen sich vor Nadeschda Tolokonnikowa, Jekatarina Samuzewitsch, Maria Alechina, die mit ihrer Kunstaktion in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale der Welt gezeigt haben, dass es ein anderes Russland gibt, das sich weder von dieser Kirche noch von der politisch herrschenden Klasse die Art und Weise ihres Ausdrucks verbieten lässt", teilte ein Festivalsprecher mit. Am 12. Dezember wollen Künstler weltweit Texte von Pussy Riot verlesen.

Der Prozess wurde weltweit kritisiert. Verteidigung und Bürgerrechtler bemängeln, das Verfahren werde von Kreml gesteuert. Sie werfen Richterin Maria Syrowa einseitige Prozessführung und schwerwiegende Rechtsverstöße vor. Die Organisation Amnesty International hat die Künstlerinnen als politische Gefangene anerkannt.


Links zum Thema bei dradio.de:

Russlands Sommer der Repressionen - Wie die Justiz Putin-Gegner mundtot macht
Putin und der Patriarch – eine unheilige Allianz - Prozess gegen Pussy Riot
Russlands repressiver Retter - Wladimir Putin und der Prozess gegen "Pussy Riot"
Höchststrafe für Pussy Riot wäre "ziemlich dumm von Putin" - Musikerin Bernadette La Hengst vor der Urteilsverkündung gegen die Pussy-Riot-Aktivistinnen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:14 Uhr DLF - Zeitzeugen im Gespräch

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

SolidaritätszuschlagSteffens: Staat hält gerne an Steuern fest

Porträt von Udo Steffens

Der Ökonom Udo Steffens hält den Solidaritätszuschlag für eine versteckte Steuererhöhung, seit er nicht mehr nur für die ostdeutschen Länder eingesetzt werden muss. Im Deutschlandfunk sagte der Präsident der Frankfurt School of Finance & Management, der Staat verzichte nur ungerne auf eine einmal eingeführte Steuer.

HungerstreikPolizei löst Flüchtlingscamp in München auf

Ein Flüchtling ruft von einem Baum am Sendlinger Tor in München.

In München protestieren Flüchtlinge gegen die Art ihrer Unterbringung und den Umgang mit ihren Asylanträgen. Sie traten zunächst in den Hungerstreik. Nachdem sie nun auch nicht mehr trinken wollten, räumte die Polizei das Camp.

VerbraucherschutzEU will Google an die Leine nehmen

Mehrere Webseiten der Internet-Suchmaschine Google

Google hat eine zu beherrschende Marktstellung in Europa - das finden viele EU-Parlamentarier und stimmten deswegen heute für eine Resolution, mit der der US-Konzern aufgefordert werden soll, seine Suchmaschine neutral zu betreiben. Kritiker warnen vor übermäßigen Eingriffen in das Internet.

LiteraturKrimi-Autorin P. D. James ist tot

Die britische Schriftstellerin P. D. James bei einer Lesung in München im Jahr 2002.

Sie schrieb klassische Detektivgeschichten mit zeitgemäßen, realistischen Themen. Die britische Schriftstellerin P. D. James, Autorin von millionenfach verkauften Krimis, starb im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus in Oxford.

Umweltbilanz von GetränkekartonsFür Händler vorteilhafte Umweltsünde

Nach der Sortierung werden die gebrauchten Getränkekartons zu großen Ballen gepresst und zwischengelagert. Anschließend erfolgt das Recycling in der Papierfabrik.

Milch oder Saft werden längst zum größten Teil in Getränkekartons verkauft, in einer laut Herstellern besonders umweltfreundlichen Verpackungsart. Umweltschützer allerdings halten die Getränkekartons für eine regelrechte Umweltsünde. Neue Zahlen der Deutschen Umwelthilfe sprechen eine eindeutige Sprache.

WuppertalChinesen auf den Spuren von Engels

Enthüllung des von der Volksrepublik China gestifteten Denkmals des Philosophen und Gesellschaftstheoretikers Friedrich Engels (1820-1895) in Wuppertal am 11. Juni 2014

Friedrich Engels ist der bekannteste Sohn Wuppertals und fast 120 Jahre nach seinem Tod noch immer ein Türöffner der Stadt für Kontakte ins Ausland. Vor allem Chinesen pilgern an die Wupper, sie drehen dort TV-Shows und investieren viel Geld.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Juncker gegen Sanktionen  für EU-Defizitsünder | mehr

Kulturnachrichten

Britische Krimiautorin P.D. James gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Deodorant-Bonbon  Duft von Rosenparfum durch Süßigkeit | mehr