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Zweites Todesopfer bei Protesten in der Türkei

Polizei geht weiter hart gegen Demonstranten vor

Demonstranten errichteten in Ankara brennende Blockaden (picture alliance / dpa / abaca / Abdurrahman Antakyal)
Demonstranten errichteten in Ankara brennende Blockaden (picture alliance / dpa / abaca / Abdurrahman Antakyal)

Auch in der vergangenen Nacht kam es erneut zu regierungskritischen Protesten in Istanbul und Ankara. Trotz internationaler Kritik reagierte die Polizei hart: Tausende sollen verletzt worden sein, zwei Menschen wurden offenbar getötet.

Bei Protesten gegen die Regierung ist einem Fernsehbericht zufolge ein 22-Jähriger getötet worden. Ein Unbekannter habe dem Mann bei einer Demonstration in der südlichen Provinz Hatay in den Kopf geschossen, meldete der Sender NTV unter Berufung auf den Gouverneur der Provinz. Später sei der Mann im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

Nach Angaben des Oppositionsabgeordneten Hasan Akgol war das Opfer Mitglied der laizistischen Republikanischen Volkspartei. Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Berichte über Schüsse der Polizei oder von Demonstranten gab es zunächst nicht. Teilnehmer des Protests berichteten jedoch, dem Mann sei von der Polizei in den Kopf geschossen worden.

Ärzteverband: Mehr als 2300 Verletzte

Es ist bereits das zweite offizielle Todesopfer der seit Tagen andauernden Proteste in der Türkei. Zuvor hatte der türkische Ärzteverband TTB bereits den Tod eines jungen Mannes in Istanbul bestätigt. Er war den Angaben zufolge gestern ums Leben gekommen, als ein Autofahrer im Stadtteil Ümraniye seinen Wagen in eine Gruppe von Demonstranten steuerte. Seit Beginn der Proteste sind laut TTB bereits mehr als 2300 Menschen verletzt worden. Die Regierung sprach bislang hingegen von 173 Verletzten.

Demonstranten und Polizei lieferten sich in Istanbul eine Straßenschlacht (picture alliance / dpa / Tolga Bozoglu)Die Polizei setzte erneut Tränengas ein (picture alliance / dpa / Tolga Bozoglu)Bis in die Nacht gingen die Proteste in Istanbul gestern weiter. Die Polizei setzte erneut Tränengas ein. Die Auseinandersetzungen waren aber nicht mehr so schwer wie in der Nacht zuvor, berichtete ARD-Korrespondent Christian Buttkereit im Deutschlandfunk. Allerdings sei zu befürchten, dass der neue Todesfall die Proteste anheizen könnte. Auf dem zentralen Taksim-Platz hielten Regierungsgegner weiter die Stellung. Auch in anderen Städten kam es zu Zusammenstößen, etwa in Ankara.

Ungeachtet der anhaltenden Proteste brach Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gestern zu einer Nordafrika-Reise auf. Zuvor hatte er seine Drohungen gegen die Demonstranten verschärft. Sie würden mit Terroristen unter einer Decke stecken. Die Proteste würden aber bald abflauen. "In ein paar Tagen wird sich die Situation wieder normalisieren", sagte er heute bei seiner Ankunft in Marokkos Hauptstadt Rabat.

Kahrs: Frust über zunehmende Selbstherrlichkeit Erdogans

Ministerpräsident Erdogan müsse auf die Demonstranten im Land zugehen, forderte Johannes Kahrs, Vorsitzender der deutsch-türkischen Parlamentariergruppe im Bundestag. "Hier entlädt sich der Frust der westlich geprägten Mittelschicht", erklärte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk, insbesondere der Frust über die zunehmende Selbstherrlichkeit Erdogans. "Wenn man hier nicht die richtigen Worte findet, wenn man die nicht einbindet, wenn man nicht zeigt, dass es eben kein autokratisches Regime ist, dann kann es allerdings auch in der Türkei sehr kritisch werden."

Die USA zeigten sich besorgt über das Vorgehen der türkischen Regierung. Präsidialamtssprecher Jay Carney forderte die Demonstranten wie auch die Polizei zu einem friedlichen Vorgehen auf. Zudem sprach er sich für eine Untersuchung der Gewalt aus. Auch die EU, die Bundesregierung und Amnesty International kritisierten das Vorgehen der Polizei.

Der türkische Gewerkschaftsbund KESK rief heute zu einem landesweiten Streik auf. Ab Mittag sollten die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes die Arbeit niederlegen, teilte der Dachverband auf seiner Internetseite mit. Die Mitglieder sollten für eine demokratische Türkei eintreten und damit gegen den "Faschismus" der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP demonstrieren. Türkische Medien berichteten, dem Aufruf könnten mehrere hunderttausend Menschen folgen.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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