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Zwischen Telesibirsk und der Causa Brender

50 Jahre ZDF mit wechselvoller Geschichte

Von Ludger Fittkau

50 Jahre ZDF - Von den Anfängen bis heute (AP; picture alliance / dpa / Tom Schulze/Istvan Bajzat)
50 Jahre ZDF - Von den Anfängen bis heute (AP; picture alliance / dpa / Tom Schulze/Istvan Bajzat)

Heute vor 50 Jahren nahm das ZDF seinen Sendebetrieb auf: In "Telesibirsk" - einem Bauernhof und ehemaligem Arbeitslagergelände in Eschborn bei Frankfurt am Main. Über einen Zwischenstopp in Wiesbaden kam der Sender dann erst 1967 auf den Mainzer Lerchenberg. Ein Rückblick auf die Geschichte des Senders, der im letzten Jahr der Beliebteste in Deutschland war.

Ohne eine feierliche Eröffnung, vielmehr mitten aus dem Alltag der Arbeit, begrüße ich sie als die Zuschauer des Zweiten Deutschen Fernsehens.

Karl Holzamer, Gründungsintendant des ZDF, in seiner Rede zum Start des Senders heute vor 50 Jahren. Ohne den optimistischen und tatkräftigen Holzamer wäre das ZDF nie auf die Beine gekommen, versicherte Wim Thoelke, vor 50 Jahren Nachrichtensprecher in den ersten heute-Sendungen. Thoelke wurde später zum beliebten Showmaster in der ZDF- Show Der große Preis. Ein Markenzeichen dieser Unterhaltungssendung: Loriots animierte Zeichentrickfiguren Wum und Wendelin sowie der blaue Klaus, der mit einer Untertasse aus der Milchstrasse in die Show geflogen kam. Wie heute das Wetter sorgte in der 70er-Jahren Loriot im ZDF dafür, dass Oster -und Weihnachtsgefühle bisweilen durcheinander kamen:

Wendelin:
"Ich find´s doof."

Der blaue Klaus:
"Wieso, Ostern ist doch schön."

Wendelin:
"Aber nicht an Weihnachten."

Große Fernsehshows blieben ein Aushängeschild des ZDF - etwa Dalli, Dalli - bis 1986 moderiert vom Holocaust-Überlebenden und späteren RIAS-Unterhaltungsleiter Hans Rosenthal. In Vor-Euro-Zeiten ließ Rosentahl Rategewinne in der Quizshow fürs österreichische Publikum immer blitzschnell von DM in Schilling umrechnen:

Rosenthal:
"Wieviel Schilling sind es?"

Assistentin:
"Sind 129.101 Schilling."

Das ZDF verteidigt bis heute große, Quoten bringende Fernsehshows wie Wetten, dass..? aber auch teure Sportangebote wie die Champions League gegen Kritiker, die vom Mainzer Sender längst mehr Sparsamkeit und Mut zu Programminnovationen fordern. Das Gegenargument: Massenunterhaltung sichere auch den Qualitätsprogrammen des Senders ihre Daseinsberechtigung. Thomas Bellut, der heutige ZDF-Intendant:

"Ich stelle mich ja der Kritik, bin aber der Meinung, dass es für einen Sender, der in der Top-Gruppe - ich darf es in aller Bescheidenheit sagen, das ZDF war im letzten Jahr der meistgesehene Sender und vor allem in der Primetime sehr attraktiv - wir schützen damit das heute journal. Das heute journal ist die meistgesehene Nachrichtensendung im Deutschen Fernsehen."

heute-journal-Chef Claus Kleber und sein Team gehen mit ihren Nachrichtenflagschiff bisweilen auf politische Entdeckungsreise. Etwa im Mai 2012 nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, die für die Union verloren ging. Ein genervter CSU-Chef Horst Seehofer schimpfte im Nachgang des eigentlichen Interviews ungefiltert vor laufender Kamera über damaligen Düsseldorfer CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen. Claus Kleber zeigte sich äußerst geistesgegenwärtig:

"Meine Kollegin Marietta Slomka hat eine viel beachtete Rede gehalten, als sie den Preis der Gesellschaft für die Deutsche Sprache gewonnen hat.

Seehofer:
"Ja"

Kleber:
"Und dabei hat sie anekdotisch erzählt, dass eigentlich bei unseren vor aufgezeichneten Schaltgesprächen das, was vorher und hinterher gesagt wird interessanter ist, als das was aufgezeichnet wird. Und da haben alle wissend gelacht."

Seehofer:
"Sie können das alles senden, was ich gesagt habe. Weil ich jetzt wirklich entschlossen bin, das wir da was ändern. Und wir werden es ändern."

Das ZDF sendete tatsächlich alles - ohne politische Folgen. Anders war das im Fall des ehemaligen ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender. Es war der damalige hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der 2009 als stellvertretender Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats dafür sorgte, dass Brenders Vertrag nicht verlängert wurde - gegen den Willen des ZDF.

Der "Fall Brender" sorgte für die vielleicht schwerste politische Krise in der Geschichte des ZDF. Die starke Abhängigkeit des Mainzer Senders von der Politik wurde schonungslos offengelegt. Der breite öffentliche Unmut über dieses medienpolitische Manko führte am Ende zu einer Verfassungsklage des Landes Rheinland-Pfalz zur Überprüfung der ZDF-Kontrollgremien, über die Karlsruhe voraussichtlich in diesem Herbst entscheidet.

Auch über den 50. Geburtstag hinaus wird das ZDF somit weiter für Schlagzeilen sorgen: Im Gerichtssaal beim Kampf um mehr politische Unabhängigkeit. Aber vor allem, so ist zu hoffen, mit gutem Programm.

Dieser Beitrag wurde am 01.04.2013 um13:17 Uhr im Deutschlandfunk gesendet.



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Letzte Änderung: 09.10.2013 23:11 Uhr

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