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Zwischen Überwachung und medialer Selbstinszenierung

Ars Electronica thematisiert das Verschwinden der Privatheit

Ars Electronica Futurelab (AT): Pfarrplatz - Lido (Ars Electronica Futurelab)
Ars Electronica Futurelab (AT): Pfarrplatz - Lido (Ars Electronica Futurelab)

Das heute im österreichischen Linz beginnende Medienkunst-Festival "Ars Electronica" steht unter dem Motto "Goodbye Privacy". Die Festivalmacher beschäftigen sich mit dem Phänomen, dass einerseits immer mehr öffentliche Plätze mit Videokameras überwacht werden, dass es auf der anderen Seite dank Webportalen wie YouTube und MySpace oder Weblogs eine zunehmende Lust an der Selbstinszenierung und -präsentation gibt. Zwischen unfreiwilliger Durchleuchtung und freiwilliger Veräußerung von Privatheit scheint so etwas wie eine geschützte Intimsphäre zu verschwinden.

Die Verabschiedung von der Privatsphäre inszeniert die Ars Electronica auch künstlerisch durch Ausbreitung des Festivals in den öffentlichen Raum. So sollen in einem mehrstündigen Überflug das gesamte Stadtgebiet und die Bewohner fotografiert werden - ein "Gruppenfoto der Superlative" soll so entstehen.

In der Linzer Marienstraße, in der zahlreiche Geschäfte leer stehen, hat das Festival einige Räumlichkeiten angemietet. Diese werden nach Vorbildern aus der virtuellen Welt "Second Life" gestaltet. In dem Projekt "Second City" soll so die Verquickung virtueller und realer Schauplätze augenscheinlich werden.

Zum Auftakt der Ars Electronica diskutieren Richter und Juristen zum Thema "Grundrechte in digitalen Welten". Dabei geht es darum, ob die Grundrechte auf Datenschutz und Privatsphäre in der digitalen Welt überhaupt noch durchsetzbar sind und wie diese mit den Grundrechten auf Kommunikations- und Informationsfreiheit kollidieren.

Neben den Symposien und Foren sind zahlreiche Werke und Installationen von Medienkünstlern zu sehen. Traditionell wird bei der größten weltweiten Leistungsschau elektronischer Kunst auch der Prix Ars Electronica in verschiedenen Sparten wie Comuter Animation, Digital Music oder Hybrid Art vergeben.

Den technischen Fortschritt gestalten

Gerade in den Künstlern und ihrer Form der kreativen Computer-Anwendungen sieht der künstlerische Leiter der Ars Electronica, Gerfried Stocker, derzeit eine Avantgarde, die nicht nur Probleme erkenne und anspreche, sondern auch mit interessanten Gegenmodellen aufzuwarten habe.

Wörtlich sagte er in der Sendung "Fazit am Abend" auf Deutschlandradio Kultur: "Es ist sicher dieser Bereich der "creative resistance", wo es um den Widerstand geht und darum, die Ermächtigung des Einzelnen zu propagieren: Wie können wir uns in dieser Rolle emanzipieren? Denn die Lösung kann ja nicht sein, dass wir einen Ausstieg aus der Technologie propagieren, nur weil es uns ein bisschen unheimlich vorkommt, wie sich diese Überwachungstechnologien verdichten. Wir müssen in eine Lage kommen, wo wir die Segnungen und die Freiheiten, die gerade das Internet gebracht hat, dass wir die nicht verlieren und über Bord werfen und durch eine Medienkompetenz, die wir uns aneignen müssen, in die Lage kommen, diesen Problemen zu begegnen." (Zusammenfassung des Interviews, MP3-Audio)

Beim parallel stattfindenden Ars Electronica Animation Festival werden aus den mehr als 1.500 eingereichten Filmen eine Auswahl aus aller Welt gezeigt.

Die Ars Electronica findet bis zum 11. September 2007 statt.

Programmtipp: Das Gespräch mit dem künstlerischen Leiter der Ars Electronica, Gerfried Stocker, hören Sie als Wiederholung in der Sendung "Fazit – Kultur vom Tage" ab 23.05 Uhr auf Deutschlandradio Kultur und ab 0.05 Uhr im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:24 Uhr

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