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Zypern greift sich Großkunden-Geld

Zwangsabgabe von 30 Prozent für Reiche vorgesehen

Das Rettungspaket 2.0 für Zypern steht (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)
Das Rettungspaket 2.0 für Zypern steht (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Der Bankrott Zyperns ist vorerst abgewendet. Der internationale Hilfskredit kommt, dafür muss das Land seine Banken restrukturieren. Kleinsparer sollen dabei geschont werden, Einlagen über 100.000 Euro dagegen nicht.

Die Euro-Finanzminister haben einem neuen Rettungspaket für Zypern zugestimmt. Am frühen Morgen beschlossen sie, dem Land bis zu zehn Milliarden Euro zu leihen. An dem Kredit wird sich auch der Internationale Währungsfonds (IWF) beteiligen, in einem noch nicht bekannten Umfang.

Zypern sagte im Gegenzug zu, sein überdimensioniertes Bankensystem umzubauen. Die zweitgrößte Bank des Landes, die Laiki-Bank, soll aufgelöst werden. Ausfallbedrohte Wertpapiere sollen in eine separate Verwahranstalt, eine "Bad Bank", ausgelagert werden. Die lebensfähigen Guthaben der Laiki-Kunden wandern an die größte Konkurrenzbank, die Bank of Cyprus.

Zwangsabgabe von 30 Prozent für Vermögende

Kunden in Nikosia stehen Schlange an einem Bankautomaten. (picture alliance / dpa / EPA/Katia Christodoulou)Die Banken auf Zypern sind jetzt fast eine Woche geschlossen (picture alliance / dpa / EPA/Katia Christodoulou)Dort werden Guthaben über 100.000 Euro zunächst eingefroren: Nach zyprischen Regierungsangaben ist auf diese Bankguthaben eine Zwangsabgabe von 30 Prozent vorgesehen. Die Erhebung einer Abgabe wurde in der Nacht in Verhandlungen in Brüssel mit den internationalen Geldgebern vereinbart, um einen Staatsbankrott Zyperns abzuwenden. Russlands Ministerpräsident Medwedew sprach von einem "anhaltenden Diebstahl" und kündigte eine Überprüfung an.

Wenn man in die Vergangenheit schaue, hätten Bankkunden mit einem Guthaben über 100.000 Euro gar nicht so ein schlechtes Geschäft gemacht, erklärt Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanzzentrum München im Deutschlandfunk. "Sie haben eine gute Rendite erzielt und zum Teil ihre Gelder rein gewaschen (...). Jetzt werden sie versuchen ihr Geld rauszuziehen und dies auf anderen Inseln mit ähnliche Konditionen anzulegen. Man müsse europaweit zeigen, dass diese Geschäftsmodelle nicht mehr tragbar seien, "aber da sind wir leider noch nicht weit genug".

Zu Spekulationen, ausländische Kunden hätten in den vergangenen Tagen noch im großen Stil Geld beiseite geschafft, meinte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), dies werde sehr sorgfältig beobachtet. "In den letzten Tagen hat da nicht so viel stattgefunden." Die zyprische Regierung hatte zuvor Maßnahmen beschlossen, um eine Kapitalflucht von der Mittelmeerinsel zu verhindern.

Kleinsparer sollen ungeschoren bleiben

Die Guthaben von Sparern mit unter 100.000 Euro würden dagegen geschützt. "Da gibt es keinen Zweifel dran", unterstrich Dijsselbloem. Bei den gescheiterten Verhandlungen über ein erstes Rettungspaket war eine Zwangsabgabe für Kleinsparer im Gespräch gewesen, was für Verunsicherung gesorgt hatte.

Die Regierung von Zypern verpflichtet sich außerdem zu einer Erhöhung der Unternehmenssteuer, zu Privatisierungen und zur Bekämpfung von Geldwäsche und Korruption. All diese Maßnahmen werden den Finanzsektor des Landes deutlich stutzen. "Wenn das alles so durchkommt, wie jetzt geplant, ist das wohl das Ende des zyprischen Geschäftsmodells", lautet das Fazit unseres Brüsseler Korrespondenten Jörg Münchenberg.

Auch die europäischen Zeitungen befassen sich mit dem Rettungspaket. Die polnische "Gazeta Wyborcza schreibt: "Man sollte kein Mitleid haben mit unehrlichen Geschäftsleuten, bestechlichen Profiteuren und anderen Schlauköpfen innerhalb und außerhalb der EU, die auf Zypern ihr Schwarzgeld geparkt und ihre Briefkastenfirmen eingerichtet haben. Es ist grotesk, dass genau jene, die ihre Staaten über Jahre hintergangen haben, jetzt am lautesten schreien, sie würden vom Staat betrogen." Lesen Sie dazu mehr in der Presseschau

Die Gespräche in Brüssel fanden unter großem Zeitdruck statt. Ohne eine Einigung wäre am Dienstag kein Geld mehr von der EZB an die zyprischen Banken überwiesen worden, was einen Staatsbankrott und ein öffentliches Chaos auf der Mittelmeerinsel nach sich gezogen hätte. Auch der Verbleib Zyperns in der Eurozone wäre fraglich gewesen.

Geldautomaten mit Ladehemmung

 Alexander Graf Lambsdorff (FDP) (picture alliance / dpa)Alexander Graf Lambsdorff (FDP) (picture alliance / dpa)Wann die Banken wieder für den Publikumsverkehr öffnen, soll heute entschieden werden. Bisher war der morgige Dienstag vorgesehen. Am Wochenende gab es in Zypern wieder lange Warteschlangen vor den Geldautomaten - und abermals niedrigere Abhebe-Limits für die Kunden. Bei der Bank of Cyprus betrug das Tagesmaximum nur mehr 120 Euro, bei der Laiki-Bank 100 Euro.

Der Vorsitzende der FDP-Gruppe im Europäischen Parlament, Alexander Graf Lambsdorff, sagte im Deutschlandfunk, der Rettungsplan sei ein tiefer Einschnitt. Allerdings sei der normale Kleinsparer nicht betroffen. Er könne mit der Entscheidung gut leben, wenn russisches Schwarzgeld und griechische Einlagen erfasst würden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

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