10 Jahre Deutschlandfunk Nova

Gespräch mit Programmchef Ralf Müller-Schmid

Der junge Sender Deutschlandfunk Nova feiert im Januar 2020 zehnjähriges Jubiläum. (Deutschlandradio)
(Deutschlandradio)

Ein Studio, Rotlicht, ein paar Redakteurinnen und Redakteure – und nur ein grober Fahrplan, wo es hingeht: So haben einige Ideen, so haben einige Sendungen angefangen bei Deutschlandfunk Nova. Seitdem ist viel passiert. Zehn Jahre, ein neuer Name, einige Auszeichnungen und zur großen Freude aller Beteiligten immer mehr Aufmerksamkeit: On Air, Online, auf Social Media. Zeit, um mal wieder ins Studio zu laden und über zehn Jahre Deutschlandfunk Nova zu reden.

Ralf Müller-Schmid: Was war los in den zehn Jahren Deutschlandfunk Nova? Was war für euch das Beste? Worauf seid ihr stolz?

Nilofar Elhami: Ich glaube die Namensänderung. Ich finde, mit der Namensänderung ist eine neue Identität entstanden, und ich weiß, dass es da viele kleinere Schritte gab. Aber in meiner Erinnerung ist vor allem diese – am Anfang etwas umstrittene – Namensänderung in Erinnerung geblieben. Und mir kommt es so vor, dass wir danach ein ganz anderes Produkt waren ...

Ralf Müller-Schmid: Thorsten Mathieu, (Musikredakteur Anm. d. R.), für dich, der nicht von Anfang an dabei ist – spielt der Name DRadio Wissen noch eine Rolle?

Thorsten Mathieu: Egal, wo ich hinkomme, in unserer Zielgruppe, ist das fast wie ein Virus: Fast jede und jeder spricht von Deutschlandfunk Nova und DRadio Wissen hat niemand im Kopf. Bei den 20- bis Anfang 30-Jährigen, die ich auf dem Reeperbahnfestival getroffen habe, ist mir das extrem aufgefallen.

Ralf Müller-Schmid: Was für ein Bild hat diese Zielgruppe von uns?

Thorsten Mathieu: Wir spielen spannende Musik und bieten sehr interessante Themen, die man sonst nicht im Radio hört. Themen, die für junge Menschen greifbar sind. Das höre ich immer wieder.

Der Deutschlandfunk Nova-Programmchef Ralf Müller-Schmid mit seinem Team (Deutschlandradio / Hajo Drees)Der Deutschlandfunk Nova-Programmchef und sein Team (v.l.): Thorsten Mathieu, Markus Frania, Franziska Hendreschke, Ralf Müller-Schmid, Anja Stöcker, Christian Schütte und Nilofar Elhami (Deutschlandradio / Hajo Drees)

Ralf Müller-Schmid: Christian und Markus, ihr seid von Anfang an dabei. Was meint ihr, was war der wichtigste Sprung in unserer Entwicklung?

Markus Frania: Wenn ich auch die zehn Jahre zurückblicke, muss ich sagen, der größte Erfolg ist für mich, dass es uns noch gibt. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist: Wenn man ein neues Radioprogramm, einen neuen Sender oder irgend ein anderes neues Medienprodukt aufgesetzt hat und es das dann zehn Jahre später noch gibt – das ist eine große Leistung. Uns gibt es noch. Und ich würde auch sagen, wir sind sogar in pretty good shape.

"Heute macht jeder Podcasts. Wir haben das schon vor dem Hype gemacht."

Christian Schütte: Ein Moment, an dem stolz war, zu sehen: Wir haben eine lange Entwicklung genommen, war der Gewinn des Deutschen Radiopreis im vergangenen Jahr. Nicht unbedingt, weil es der Radiopreis war, sondern, weil es ein Moment war, in dem wir und nach Außen hin als junges Programm und gleichzeitig als Infoprogramm positioniert haben. Wir haben in einer der Schwergewichtskategorien gewonnen und cool und mit sehr viel Stil diesen Preis entgegengenommen. Wenn ich daran zurückdenke, wie wir 2010 aufgetreten sind und dann vergleiche, wie wir 2019 beim Radiopreis aufgetreten sind – dazwischen liegen Welten. Und darauf war ich sehr stolz.

Ralf Müller-Schmid: Wir sind also aus der Nische herausgekommen und haben trotzdem noch ein besonderes Angebot gemacht, gemessen an dem, was es sonst an Angeboten für ein junges Publikum auf dem Radiomarkt und auch als Podcast gibt. Die Bandbreite unserer Informationen und die Verlässlichkeit des journalistischen Angebots stehen da ziemlich für sich. Wo geht es von hier aus hin?

Franziska Hendreschke: Es gibt ein paar Themen, die ich für sehr relevant halte. Da geht es um das Schlagwort konstruktiver Journalismus. Also darum, Lösungsansätze zu bieten. Ich glaube, das ist etwas, was wir können: auch im digitalen Bereich – und damit meine ich natürlich auch Social Media – Verantwortung zu übernehmen. Gerade jungen Menschen helfen, sich eine Meinung zu bilden und Lösungen für Probleme zu finden, die ansonsten in der Berichterstattung Schwarz-Weiß dargestellt werden. Da können wir einen Unterschied machen.

Anja Stöcker: Wir hatten ja nie einfach nur eine (Radio-)Welle, sondern nur – wie, damals oft zu hören war – das Internet. Mir hat das Internet immer gereicht und da liegt auch noch jede Menge Arbeit vor uns. Ich glaube, dass das eine Nova-Besonderheit ist: Dass wir das immer gewuppt bekommen haben und uns vor allen Dingen die Ideen nicht ausgehen.

Der Deutschlandfunk Nova-Programmchef Ralf Müller-Schmid mit seinem Team (Deutschlandradio / Hajo Drees)Der Deutschlandfunk Nova-Programmchef Ralf Müller-Schmid und sein Team in einem ihrer Studios in Köln (Deutschlandradio / Hajo Drees)

Ralf Müller-Schmid: Hat das Internet wirklich immer gereicht?

Markus Frania: Man kann sagen, das dreht sich gerade. Anfangs wurde das immer als Mangel aufgefasst: Wir sind kein UKW-Programm. Alle haben uns bemitleidet: Ohgottohgott, das tut uns leid für euch. Diese Zeiten sind vorbei. Heute macht jeder Podcasts, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Wir haben das schon vor dem Hype gemacht und den großen Vorteil, dass wir das können: Audios, die ein bisschen anders sind. Das spielt uns in die Karten, was man auch an den Abrufzahlen sehen kann. Deswegen ist das gerade eine tolle Zeit für uns. Wir müssen uns aber auch bewusst machen – auch das ist nur eine Phase. Auch der Podcast-Hype wird wieder abflauen.

Ralf Müller-Schmid: Christian, deine Vision für die Zeit nach dem Podcast-Hype –  um eine einfache Frage zu stellen?

Christian Schütte: Die Frage, was nach dem Podcast kommt, wird immer wieder gestellt und keiner kann sie seriös beantworten. Was wir wissen, egal, was nach dem Podcast kommt: Es wird nicht linear sein. Auf jeden Fall müssen wir flexibel bleiben. Und genau das ist es, an dem wir auch im kommenden Jahr arbeiten werden. Wir haben schon bei vielen Formaten wie zum Beispiel beim "Weltempfänger" die Produktionslogik umgedreht: Wir haben uns zuerst um ein Produkt, das auf verschiedenen Plattformen verbreitet werden kann, gekümmert und erst im Anschluss daraus eine Sendung gemacht. Das ist ein Weg, den werden wir auch im nächsten Jahr konsequent weitergehen.

Nilofar Elhami: Darf ich mal kurz ergänzen? Wenn ich irgendwie in die Zukunft schauen soll, dann würde ich Deutschlandfunk Nova als einen Platz definieren, an dem wir gut und selbstverständlich mitbekommen, wenn es eine neue Entwicklung gibt – und das dürfte sich auch nach zehn Jahren nicht wesentlich ändern. Wir sind sehr gut darin, in Bewegung zu bleiben und Veränderungen wahrzunehmen und uns anzupassen. Man könnte das auch als Schwäche auslegen. Aber bei uns war das immer die größte Stärke, und wir haben es immer geschafft. Wir sind dadurch gewachsen und immer besser geworden.

Letzte Änderung: 29.01.2020 15:57 Uhr