Startseite > Über uns > Aktuelles > Aktuelle Meldungen > Beitrag vom 25.02.2019

25 Jahre ROC Berlin Ein Chor der Sonderklasse: Der Rundfunkchor Berlin

(© Jonas Holthaus)
Rundfunkchor Berlin (© Jonas Holthaus)

25 Jahre Deutschlandradio und ROC

Als Hauptgesellschafter der Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Berlin (ROC) setzt sich das Deutschlandradio für den Erhalt des hohen künstlerischen Niveaus der Klangkörper ein. Die ROC besteht in ihrer heutigen Zusammensetzung seit 1994 und wird vom Deutschlandradio, der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Berlin und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) getragen. Die ROC veranstaltet jährlich über 200 Konzerte, von denen viele von Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und den Programmen des rbb übertragen werden. Zum 25-jährigen Jubiläum möchten wir Ihnen die Klangkörper in einer vierteiligen Reihe vorstellen. Die Reihe wird betreut von Dr. Matthias Sträßner, Deutschlandradio-Beauftragter für die ROC.


Anton Bruckner – das Wort, das seinen Sinfonien wie ein Etikett anhaftet, heißt: Architektur! Als wenn Töne sich in Steine verwandeln könnten. Aber was am 1. Februar in der Berliner Philharmonie an Bruckner zu hören war, entzieht sich dieser Beschreibung. Nicht Bruckners 6. Symphonie mit ihren fast anekdotischen Spielereien und schon gar nicht Bruckners Messe Nr. 2 e-moll für achtstimmigen gemischten Chor und Bläser wollen sich diesem Etikett fügen. Und dabei ist es in der Messe, die nur von 15 Holz- und Blechbläsern der Berliner Philharmoniker begleitet wird, der Chor, der alle Last trägt. Er allein ist der Solist, der den Interpretationsweg weist. Und der letztlich dem Hörer sagt, dass es hier weniger um Architektur denn um Existenz geht, und dass die musikalische Suche nach Trost und die Affirmation des Glaubens in einer einzigen Hand liegen.

Dafür muss der Chor aber auch alle sängerischen Register ziehen können: von der Gregorianik und von Palestrinas Klangwelt bis zur Vokal-Wucht der Spätromantik, vom zaghaften Pianissimo der Verunsicherung bis zum Fortissimo des gewährten Heils.

Gerade diese Bruckner-Messe hat es deswegen in sich. Sie gilt als schwierig und ‚stimmbrecherisch‘, weil sie den Sopranen extrem exponierte Lagen abverlangt, und weil der Sound der Männerstimmen so archaisch wie schmelzend sein muss. Den Sängerinnen und Sängern des Rundfunkchors Berlin, vom ‚Chef‘ Lijs Leenaars bestens einstudiert, stehen diese stimmlichen Mittel ganz selbstverständlich zur Verfügung. Dirigent des Abends ist Marek Janowski, seinerseits der ROC von 2002 bis 2016 als ‚Chef‘ des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin verbunden. Er führte hier nur wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag ein Orchester und einen Chor der Sonderklasse zusammen.

Es bleibt auch nicht das einzige Projekt, das den Berliner Rundfunkchor in diesem Jahr mit den Berliner Philharmonikern zusammenbringt: Sir Simon Rattle will sich bei seinen Aufführungen von Johann Sebastian Bachs ‚Johannespassion‘ im März auf diesen Chor stützen, ebenso wie im April Zubin Mehta, wenn er eine konzertante Aufführung von Giuseppe Verdis ‚Otello‘ präsentiert. Und wann immer chorsinfonische Projekte auf dem Programm stehen, ist dieser Chor in Berlin die erste Adresse: im April in der Staatsoper, wenn Daniel Barenboim mit der Staatskapelle Berlin Verdis ‚Quattro pezzi sacri‘ dirigiert, oder im Mai, wenn Vladimir Jurowski das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin leitet. Der Bariton Thomas Hampson wird dann Gustav Mahlers ,Rückert-Lieder‘ gestalten, und der Rundfunkchor Brett Deans ‚Vexations and Devotions‘.

Aber zurück zu Bruckners Messe: Wer sich die eingangs angesprochene Messe Nr. 2 e-moll für achtstimmigen gemischten Chor und Bläser von Anton Bruckner nicht entgehen lassen möchte, hat in diesem Jahr noch mehrfach Gelegenheit, den Rundfunkchor im Jubiläumsjahr (25 Jahre Rundfunk Orchester und Chöre GmbH und 25 Jahre Deutschlandradio) mit diesem Werk zu erleben: Am 9. November 2019, wenn sich der Fall der Mauer zum 30. Mal jährt, veranstaltet der Rundfunkchor Berlin unter Leitung von Gijs Leenaars ein Konzert in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche zu Berlin. Auf dem Programm steht wieder Bruckners Messe. Und wer auch diesen Termin nicht wahrnehmen kann: Im Juni produziert Deutschlandfunk mit dem Rundfunkchor Berlin und Mitgliedern des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin unter Leitung von Gijs Leenaars die ‚Mass‘ von Igor Strawinsky und Bruckners Messe für das Label Pentatone.

Happy Birthday Rundfunkchor Berlin!

Matthias Sträßner


Rundfunk Orchester und Chöre GmbH Berlin
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Rundfunkchor Berlin
RIAS Kammerchor Berlin
roc-berlin.de
rundfunkchor-berlin.de

Letzte Änderung: 05.03.2019 11:40 Uhr