5. Kölner Forum für Journalismuskritik "European Journalism Observatory" (EJO) und Menschenrechtsaktivist Raif Badawi mit Günter-Wallraff-Preis 2019 ausgezeichnet

Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien: EJO ist einmalige Allianz gegen Desinformation

Der Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik geht in diesem Jahr an den Blogger und Menschenrechtler Raif Badawi und an das "European Journalism Observatory" (EJO). ...

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde am 14. Juni im Rahmen des 5. Kölner Forums Journalismuskritik im Deutschlandfunk verliehen. Der Medienkongress stand in diesem Jahr unter dem Leitmotiv "Wahrheit oder Ware?"

Raif Badawi ist wegen seiner publizistischen Tätigkeit in Saudi-Arabien zu zehn Jahren Haft, 1.000 Peitschenhieben und einer hohen Geldstrafe verurteilt worden. Die Jury würdigte Badawi als "lebendigen Zeugen für Macht und Ohnmacht des kritischen Worts und der globalen Bedeutung des Projekts der Aufklärung." Ensaf Haidar, die im kanadischen Exil lebende Frau des inhaftierten Bloggers, nahm den Preis in Empfang. In ihrer Rede erinnerte sie an die vielen anderen Menschen, die in Ländern wie Iran, Saudi-Arabien oder Pakistan wegen ihrer Überzeugungen zum Tod verurteilt wurden.

Das "Europäische Journalismus-Observatorium" beobachtet und vergleicht Journalismus-Kulturen in Europa und in den USA. Es hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Qualität im Journalismus zu stärken und zu einem internationalen objektiven Informationsaustausch beizutragen. Beteiligt sind Institutionen, Forscherinnen und Forscher aus 14 Ländern. Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien würdigte die Initiative in ihrer Laudatio als einen "im besten Sinn europäischen Beobachtungsposten, der zusammendenkt, was zusammengehört." Das EJO sei eine einmalige Allianz gegen Desinformation und "Nachrichtenaufklärung vom Besten – konstruktiv, mutig, wehrhaft – auch gegen die vielen politischen Schlichtheitsgiganten, die überall auf dem Kontinent Wahrheitssuche verhindern wollen und zu verhindern suchen und zum Teil auch schon verhindert haben."

Die Preisverleihung ist der traditionelle Abschluss des Kölner Forums für Journalismuskritik. Das Forum mit Expertinnen und Experten aus Medien, Justiz und Gesellschaft sowie Hörerinnen und Hörern wird gemeinsam von der Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion und der Initiative Nachrichtenaufklärung e.V. veranstaltet. Schwerpunktthema in diesem Jahr war Journalismus im Spannungsfeld zwischen Wahrheit und Ware.

Befragt nach der Zukunft der Medien antwortete Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue, dass sich auch das Radio verändern müsse. So würden personalisierte Angebote stark an Bedeutung gewinnen. Hinzu komme ein steigender Bedarf nach seriöser und einordnender Information: "Ich glaube die Zeiten, in denen man sagte, dass Infotainment die Zukunft sei, dass die Dinge unterhaltsam und süffig aufbereitet werden sollen, sind vorbei. Die Zeiten sind so ernst, dass die Menschen von uns fordern, dass wir Hintergrundangebote sehr ernsthaft, sehr seriös und natürlich modern präsentiert ins Schaufenster stellen."

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Ein Mann ist von oben zu sehen, wie er an einem Tisch mit dem Computer und mehreren anderen digitalen Geräten wie Notebook, Smartphone, Smartwatch arbeitet.  (imago/Westend61)

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