50 Jahre deutsch-französische Versöhnung

Vor dem Festakt in Reims

Von Ursula Welter

Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle in Paris (dpa / picture alliance / Horst Schäfer)
Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle in Paris (dpa / picture alliance / Horst Schäfer)

Zum 50-jährigen Bestehen des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages treffen sich François Hollande und Angela Merkel am Sonntag in Reims. Konrad Adenauer und Charles de Gaulle hatten die deutsch-französische Kooperation angestoßen und in Reims 1962 mit einem Festakt gewürdigt.

Reims am 8. Juli 1962 – das war der Prolog zum deutsch-französischen Freundschaftsvertrag.

Reims, die Stadt, die besonders gezeichnet war von den beiden Weltkriegen, sagt Bürgermeisterin Adeline Hazan, die Stadt, die im ersten Weltkrieg zu 80 Prozent zerstört war, in dem die Nazis 1945 die Kapitulation unterzeichneten, und die dann zur Stadt der Versöhnung wurde, der deutsch-französischen Versöhnung .

"Herr Bundeskanzler, Sie sind in Frankreich SEHR herzlich willkommen."

Vom zweiten bis achten Juli reist Adenauer durch Frankreich. Charles de Gaulle hatte mit seinem Geschick für Regie und Symbolik die Etappen ausgewählt:

Paris, die Hauptstadt, Rouen in der Normandie, das Umland von Bordeaux, die Heimat Montesquieus, deutsch-französischen Militärparade in Mourmelon, in der Ccampagne. De Gaulle stößt damit viele seiner Vertrauten vor den Kopf.

Der Höhepunkt der Reise, das ist die Messe in der französischen Krönungskathedrale, dem gotischen Gotteshaus, dessen Dachstuhl die Deutschen 1914 in Brand geschossen hatten.

Adenauer und de Gaulle fahren gemeinsam im Wagen vor, nehmen Seite an Seite Platz im Chor der Kathedrale, unter den Priestern solche, die nach Dachau deportiert oder in deutscher Kriegsgefangenschaft waren.

Er habe Reims gewählt, schreibt de Gaulle in seinen Memoiren, weil die Stadt zugleich Symbol der französischen Geschichte aber auch der deutschen Einmärsche sei. Für die Bevölkerung damals, sagt heute die Bürgermeisterin von Reims, Adeline Hazan, keine Selbstverständlichkeit:

"Es gab Auseinandersetzungen damals, ein Teil der Generation, die den zweiten Weltkrieg erlebt hatte, fand, die Initiative de Gaulles sei eine gute Sache, man müsse jetzt nach vorne schauen ,aber es gab den anderen Teil der Bevölkerung in Reims, die diese Geste für verfrüht hielt. Es gab eine echte Polemik darum."

Es ist an Francois Hollande und Angela Merkel, den Pakt von 1962 zu erneuern.

Adenauer: "Unsere Freundschaft und Solidarität mit Frankreich ist und bleibt ein Grundpfeiler der deutschen Politik."

De Gaulle: "So wird das Fundament geschaffen, auf dem Europas Einheit, ein noch nie verwirklichter Wunschtraum nun in das Reich des Möglichen rückt."

In der Kathedrale diesmal keine Messe, aber eine Ansprache des Bischofs – in beiden Sprachen. Dann wird der Blick gelenkt auf die berühmten Fenster von Marc Chagall und die des deutschen Künstlers Imi Knoebel. Auf dem Vorplatz, wo eine Steinplatte an den 8. Juli 1962 erinnert, Ansprachen der Bundeskanzlerin und des Staatspräsidenten.

Ein Tag der Erinnerung, aber vor allem ein Tag, um nach vorne zu schauen, auf dieses Europa, sagt die Bürgermeisterin von Reims. Dass sich François Hollande und Angela Merkel wenige Tage nach dem schwierigen Gipfel von Brüssel in Reims träfen, sei eine Laune des Kalenders.

Wie Adenauer und de Gaulle werden die beiden nasch dem Festakt gut essen. Das Menü eines "zwei Sternekochs wird den Tag krönen und – wie es sich in der Champagne gehört – sollen die ganz großen Lagen der Region eingeschenkt werden , "Geschichte verpflichtet !"

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr