8000 Megawatt weniger

Energieagentur: Keine Stromlücke nach Abschaltung der sechs Reaktoren

Von Sönke Gäthke

Eine Luftaufnahme zeigt das Kernkraftwerk (KKW) Biblis des Energieversorgers RWE. (AP)
Eine Luftaufnahme zeigt das Kernkraftwerk (KKW) Biblis des Energieversorgers RWE. (AP)

Sechs Kernkraftwerke sollen mindestens drei Monate lang vom Netz. So hat es die Bundesregierung in ihrem heutigen Moratoriumsbeschluss festgelegt - doch kann man die Reaktoren einfach so abschalten? Die Deutsche Energieagentur meint ja.

Sechs Reaktoren werden für die kommenden drei Monate abgeschaltet, Unterweser, Biblis A und B, Isar I, Brunsbüttel und Neckarwestheim. Dazu soll auch das Kernkraftwerk Krümmel abgeschaltet bleiben. Damit fallen für die deutsche Stromversorgung rund 8000 Megawatt fort. Das sind zwar die ältesten Reaktoren, aus Sicht Stephan Kohlers, dem Leiter der Deutschen Energieagentur. Abgeschaltet werden sollten "angesichts der Erfahrungen aus Japan, die Siedewasserreaktoren, und wir haben ja immerhin sechs Siedewasserreaktoren in Deutschland, die auf jeden Fall sofort still zu legen sind, weil diese Technik birgt ja Risiken, die wirklich ein Ausmaß annehmen können, was selbst in Risikostudien bisher nicht so untersucht und ermittelt worden ist."

Für die deutsche Stromwirtschaft sollte das kein Problem darstellt, ist der Leiter der Energieagentur überzeugt:

"Wir haben genügend Kraftwerkskapazitäten derzeit noch, um diesen Ausstieg auch vollziehen zu können, was aber notwendig ist, und das haben wir von der Deutschen Energieagentur schon in den letzten zwei, drei Jahren immer wieder analysiert: Wir brauchen auch den Neubau von hocheffizienten Erdgas- oder Kohlekraftwerken, um dann die anstehende Abschaltung von Kraftwerken zu kompensieren."

Die dann am Netz verbleibenden Reaktoren könnten dann nach dem alten Ausstiegsplan bis 2021 abgeschaltet werden, ohne das sich in Deutschland eine Stromlücke auftäte.

Würden nach den drei Monaten Moratorium auf die Laufzeitverlängerung verzichtet werden, blieben drei Reaktoren abgeschaltet. Trotzdem könnte unter Umständen auf einen forcierten Aufbau neuer fossiler Kraftwerke verzichtet werden – das legt jedenfalls das Sondergutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen nahe. Christan Hey, Generalsekretär des Sachverständigenrates für Umweltfragen:

"Wir haben das so ungefähr modelliert im Übergang und sind zu dem Ergebnis gekommen, eigentlich sieht es so aus, dass das Weggehen vom Netz, die Stilllegung von Atomkraftwerken, aber auch von anderen konventionellen Kraftwerken sich relativ harmonisch in das sehr dynamische Wachstum der Erneuerbaren Energien zusammenfügen könnte."

Die von der Bundesregierung der Atomenergie zugedachte Rolle der Brücke in die Zeit der erneuerbaren Energieversorgung käme dann allerdings einer anderen Technik zu, so Christian Hey vom Sachverständigenrat für Umweltfragen:

"Die eigentliche Brückentechnologie in die Energiezukunft ist die Energieeffizienz. Wir haben enorme, technische Einsparmöglichkeiten, je weniger Energie wir benötigen, desto leichter wird der Übergang in eine erneuerbare Zukunft und desto Kostengünstiger wird dieser Übergang langfristig."

Links auf dradio.de:

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr