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Abgang mit gütlicher Einigung

Faruk Sen beendet Arbeit bei Essener Zentrum für Türkeistudien

Faruk Sen, Leiter des Zentrums für Türkeistudien in Essen (AP)
Faruk Sen, Leiter des Zentrums für Türkeistudien in Essen (AP)

Faruk Sen gibt seinen Posten als Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien auf. Das Anstellungsverhältnis werde in gegenseitigem Einvernehmen zum 31. Dezember gelöst, teilte der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet (CDU) nach einem Gespräch mit Sen in Düsseldorf mit.

Die Anwälte beider Seiten seien beauftragt, Details zu klären. Zunächst werde der Direktor freigestellt, um die Aufbauarbeit für die geplante deutsch-türkische Universität in Izmir zu unterstützen.

Die jetzt gefundene Lösung ermögliche einen Generationenwechsel und sichere die Zukunft des Zentrums für Türkeistudien (ZfT), erklärte Laschet. Zugleich lobte er die Leistungen Sens. Mit seinem Engagement für türkischstämmige Menschen in Deutschland und für die deutsch-türkischen Beziehungen habe er einen wesentlichen Beitrag zur Integration geleistet. Sen solle seine Erfahrungen nun in die in Izmir geplante deutschsprachige Hochschule einbringen, die zum besseren kulturellen Austausch beider Länder beitragen solle, so Laschet.

Auch Sen zeigte sich zufrieden mit der Lösung. Damit werde seine bisherige Arbeit anerkannt und eine wichtige Perspektive für "ein neues Kapitel in den deutsch-türkischen Beziehungen" eröffnet. Er freue sich sehr auf die neue Aufgabe und werde auch weiterhin als Berater der Landesregierung tätig sein, betonte er.

Hintergrund für die Beendigung des Anstellungsverhältnisses des Direktors des Essener Zentrums für Türkeistudien (ZfT), Faruk Sen, sei weniger dessen umstrittener Vergleich zwischen Türken und Juden gewesen, meint der Publizist Eberhard Seidel in einem Interview in "Fazit am Abend" von Deutschlandradio Kultur. Ausschlaggebend seien eher Konfliktlagen im ZfT gewesen, die nicht offen ausgetragen wurden. (Text/ MP3-Audio)

Suspension nach fragwürdigem Vergleich

Sen war in die Kritik geraten, weil er die Situation der in Europa lebenden Türken mit der Lage der Juden während der NS-Zeit verglichen hatte. In einer türkischen Zeitung hatte er die Türken als "die neuen Juden Europas". Der Vorstand des ZfT hatte den Direktor daraufhin suspendiert. Sen hatte sich mehrfach für seine Äußerungen entschuldigt und gleichzeitig erklärt, gegen eine mögliche Entlassung politisch und juristisch vorzugehen. Unterstützung erhielt Sen nicht nur von der türkischen Gemeinde, sondern auch vom Zentralrat der Juden in Deutschland.

Ein für heute geplanter Termin vor dem Arbeitsgericht war abgesagt worden, um die gütliche Einigung zu erzielen.

Das Zentrum für Türkeistudien wurde 1985 zunächst als Verein gegründet. Gründungsdirektor war der promovierte Betriebswirt Sen, der das Institut seitdem auch leitete. Seit seiner Gründung untersucht das Institut die Lebensverhältnisse hier lebender Türken, ihre Erwartungen und Bedürfnisse, und gibt Einblicke in ihr soziales Umfeld. Es hat gegenüber der Landesregierung beratende Funktion.

Sens Stellvertreter Andreas Goldberg übernimmt die kommissarische Leitung des Zentrums bis das Kuratorium der Stiftung einen Nachfolger gefunden hat. Darüber soll im September beraten werden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:30 Uhr

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