Abgase im Boden speichern

EU will unterirdische CO2-Lagerung voranbringen

Eines der größten Steinkohle-Kraftwerke Europas in Gelsenkirchen (AP)
Eines der größten Steinkohle-Kraftwerke Europas in Gelsenkirchen (AP)

Die Methode ist umstritten, sie könnte aber möglicherweise die globale Erwärmung bremsen: Um Kohlendioxid statt in die Atmosphäre in den Untergrund verschwinden zu lassen, sind noch viele Fragen zu klären. Die EU-Kommission macht sich ans Werk.

Bürger, Firmen und andere Betroffene sollen konsultiert werden, um die Einführung einer Speichertechnologie für Kohlendioxid (CO2) voranzubringen. "Wer Bescheid weiß, ist eher geneigt, die Methode zu unterstützen", schreibt die EU-Kommission in einem Bericht. Während Projekte in Spanien nach einer umfangreichen Vermittlungskampagne die öffentliche Skepsis überwunden habe, so die EU-Beamten, bestehe insbesondere in Polen und Deutschland noch Nachholbedarf.

Teure Technik

Bei der sogenannten CCS-Technik (Carbon Capture and Storage) wird aus den Abgasen von Fabriken oder Kraftwerken abgeschieden, verflüssigt, durch Pipelines in den Boden geleitet und dort in kilometertiefen Speichern gelagert. Die Technik ist aufwändig und zur Zeit sehr teuer. Für eine Tonne CO2 sind zwischen 30 und 100 Euro zu veranschlagen, schätzt die Kommission - da ist es derzeit billiger, das Kohlendioxid mit Hilfe der Verschmutzungszertifikate in die Luft zu pusten.

Bedenkengibt es in der Bevölkerung zum Beispiel, weil die Erdbebenwahrscheinlichkeit steigen oder das im Untergrund verpresste CO2 entweichen und das Grundwasser versalzen könnte. In Deutschland stieß die CCS-Erprobung auf starken Widerstand und stockt seit dem vorigen Jahr. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CSU) "begrub" die Technologie im vergangenen Sommer, weil er in keinem Bundesland die nötige politische Akzeptanz erkennen konnte.

Der neue Kommissar Günther Oettinger vor dem EU-Parlament (AP)Günther Oettinger (AP)EU-Energiekommissar Günther Oettinger bekannte sich heute in Brüssel zu der noch wenig erforschten Methode. Man halte den Durchbruch "weiter für überragend notwendig" und setze deswegen die Aktivitäten zu CCS in Europa fort.

Neue Klimaziele vorgeschlagen

Oettinger und seine für das Klimaressort zuständige Kollegin Connie Hedegaard gaben auch einenGesamtüberblick zur Entwicklung erneuerbarer Energien in den 27 EU-Ländern. Bis zum Jahr 2030 sollen die Mitgliedsstaaten 40 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als 1990. Bislang sind Kürzungen von 20 Prozent vereinbart. Außerdem soll der Anteil erneuerbarer Energien auf 30 Prozent steigen. Diese Zahlen sind bisher lediglich Vorschläge. Dem europäischen Prozedere folgend müssen sich noch die nationalen Regierungen mit den Klimazielen beschäftigen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr