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Abgelenkt durch einen Anruf

Lokführer in Spanien telefonierte bei Zugunglück

Der Zug entgleist am Mittwoch nahe Santiago de Compostela. (AFP / Oscar Corral)
Der Zug entgleist am Mittwoch nahe Santiago de Compostela. (AFP / Oscar Corral)

Der Lokführer des Unglückszuges von Spanien war offenbar abgelenkt. Die Auswertung des Fahrtenschreibers deutet darauf hin, dass der 52-Jährige mit einem Kollegen telefoniert hat und zu spät bremste.

Francisco José Garzón habe am Mittwochabend mit einem Angestellten der Eisenbahngesellschaft Renfe gesprochen, der ihn zwecks Absprachen zur Fahrt angerufen habe, teilte das Oberlandesgericht von Galicien mit. Ein Bahnmitarbeiter habe ihm die Route des Zuges nach dem Passieren von Santiago erklärt. Dem Inhalt des aufgezeichneten Gesprächs und den Hintergrundgeräuschen zufolge habe der Fahrer eine Karte oder ein ähnliches Papierdokument konsultiert, heißt es in der Erklärung des Gerichtes. Der Lokführer soll demnach kurz vor dem Unglück mit 192 Kilometern pro Stunde gefahren sein. Erlaubt seien dort aber nur 80 Kilometer pro Stunde. "Einige Sekunden vor dem Unfall wurde eine Bremse aktiviert", heißt es weiter. Im Moment der Entgleisung sei der Zug noch 153 Stundenkilometer schnell gewesen.

Verfahren wegen fahrlässiger Tötung

Die Ermittlungen der Unfallursache konzentrierten sich auf die Frage, warum der Hochgeschwindigkeitszug Avia ungebremst in eine enge Kurve zuraste und entgleiste. Schon kurz nach dem Unglück erhärtete sich der Verdacht gegen den Lokführer. Nach einer Vernehmung am Sonntag wurde er unter Auflagen freigelassen und es wurde ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung in 79 Fällen eingeleitet.

Der Zug war am Mittwochabend auf dem Weg von Madrid nach Ferrol im Norden des Landes, als er aus den Schienen sprang. Bei dem Unglück nahe dem berühmten Pilgerort Santiago de Compostela kamen 79 Menschen ums Leben. Mehr als hundert wurden verletzt. Es war das schwerste Zugunglück in Spanien seit dem Zweiten Weltkrieg. Hunderte Menschen gedachten am Montag den Toten und nahmen in einem Trauergottesdienst Abschied von den Todesopfern.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

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