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"Achtung! Hier Sendestelle Berlin Voxhaus"

Am 29. Oktober 1923 wurde die erste deutsche Hörfunksendung ausgestrahlt

Von Barbara Weber

Das Voxhaus mit dem Schriftzug der Plattenfirma Vox (circa 1923). Hier stand der erste reguläre Rundfunksender Deutschlands. (Deutsches Rundfunkarchiv DRA)
Das Voxhaus mit dem Schriftzug der Plattenfirma Vox (circa 1923). Hier stand der erste reguläre Rundfunksender Deutschlands. (Deutsches Rundfunkarchiv DRA)

Als die erste offizielle deutsche Radiosendung am 29. Oktober 1923 aus dem Vox-Haus in Berlin ausgestrahlt wurde, markierte das den Beginn einer großen Revolution, denn zum ersten Mal konnten in Deutschland Information und Unterhaltung, Musik und Geräusche direkt in die Wohnzimmer übertragen werden.

Schon zum 25. Jubiläum wurden die ersten Sekunden des Sendestarts im Voxhaus präsentiert:

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Fortan bestimmte das Radio das Lebensgefühl und den Alltag von Generationen. Es wurde instrumentalisiert und zur Propagandamaschine umfunktioniert; rührte über Schützengräben hinweg mit dem Lied "Lili Marleen" die kämpfenden Soldaten, um später mit Elvis Presley den Rock'n'Roll einzuläuten. Der Soundtrack der späten 60er- und frühen 70er-Jahre lieferte die Begleitmusik zu mancher Studentendemo.



Westliche Radioprogramme wie der Deutschlandfunk überwanden die innerdeutschen Grenzen und galten als zuverlässige Informationsquelle auch im Osten, denn dort beherrschte die Nomenklatura das Rundfunkprogramm.

Erster Programmtag des Rundfunks in Deutschland vom 29. Oktober<br />1923 in der Rekonstruktion vom fünften Jahrestag 1928Erster Programmtag des Rundfunks in Deutschland vom 29. Oktober 1923 in der Rekonstruktion vom fünften Jahrestag 1928 Foto: Deutsches Rundfunkarchiv DRA


Die rechtfertigte im Staatsfunk den Mauerbau und gab Zielvorgaben zu Fünf-Jahres-Plänen. Aber es entstanden auch packende Reportagen aus der Arbeitswelt. Frauen wurden am Band und im Büro gebraucht und erzählten im Rundfunk, warum ihnen ihre Arbeit wichtig ist. Spätere Aufnahmen von Mauerfall und Deutscher Einheit dokumentieren eindrucksvoll die Ereignisse von 1989/90.

Die deutsche Rundfunkgeschichte ist in weiten Teilen eine öffentlich-rechtliche Geschichte, denn bis Mitte der 1980er-Jahre gab es in Deutschland keinen privaten Hörfunk. Erst der Rundfunkstaatsvertrag von 1987 gestattete die generelle Zulassung privater Rundfunkanbieter.

Die Radio-Archivaufnahmen der letzten 90 Jahre sind mehr als eine Ansammlung von Tönen: Sie dokumentieren Geschichte und zeigen ihre auditive Dimension.

Was verrät der Klang einer Stimme aus den 50er-Jahren?

Welche Rückschlüsse lassen sich auf eine Gesellschaft ziehen, die Reden archiviert, aber kaum Originaltöne aus der Wirtschaftskrise der 1920er?

Wie trägt ein Massenmedium dazu bei, eine Diktatur zu unterstützen und einen Vernichtungsfeldzug zu begleiten?

Erster Aufnahmeraum der FST im 3. Obergeschoß des Voxhauses / Der<br />Raum ist abgedeckt mit Pferdedecken und Seidenpapier zur GeräuschdämmungErster Aufnahmeraum der FST im 3. Obergeschoß des Voxhauses / Der
Raum ist abgedeckt mit Pferdedecken und Seidenpapier zur
Geräuschdämmung Foto: Deutsches Rundfunkarchiv DRA


Radio heute empfinden viele Hörer als Begleitmedium, "Dudelfunk" sagen auch manche, "Häppchenjournalismus" andere. Qualitätsvolle Informationsprogramme, aufwendig gestaltete, experimentierfreudige Feature und packende Live-Reportagen bestimmen nicht mehr die Mehrheit der Programme – vielleicht auch ein Grund, warum das Deutschlandradio mit seinen drei Programmen sich steigender Beliebtheit erfreut.

Radio heute heißt aber auch: Radiomacher sind nicht mehr nur Journalisten, sondern - wie der "Campus-Radio-Tag" im November zeigen wird - auch zum Beispiel Studierende. Heute hat fast jeder über Applikationen die Möglichkeit, sein Radio und sein eigenes Programm zu gestalten.

Ein Beispiel dieser Entwicklung: Als im vergangenen Jahr bei der Verleihung des Deutschen Radiopreises Crowdradio als beste Innovation des Jahres ausgezeichnet wurde, prämierten die Juroren eine kleine Revolution: Crowdradio bedeutet, dass jeder Radiohörer auch zum Radiomacher werden kann mit Hilfe einer App, die er sich auf das Smartphone herunterlädt und von überall seine Eindrücke und Beiträge in das Radioprogramm geben kann.

Schon jetzt steht fest, dass die Übertragungswege immer unwichtiger werden: das gute, alte UKW-Antennenradio wird es sicherlich noch eine Zeit lang geben, aber Radio via Internet spielt schon jetzt eine immer größere Rolle. Doch auch weiter gilt "Content is King".

Alle Beiträge zum Jubiläum finden Sie auf unserer Themenseite:
www.dradio.de/90jahreradio

 

Letzte Änderung: 31.10.2013 12:41 Uhr

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