Startseite > zu klären > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 23.09.2013

Ägypten verbietet Muslimbrüder

Vermögen und Häuser der Islamisten sollen beschlagnahmt werden

Anhänger der Muslimbruderschaft demonstrieren in Ägypten. (picture alliance / dpa / AHMED ASAD \ APAIMAGES)
Anhänger der Muslimbruderschaft demonstrieren in Ägypten. (picture alliance / dpa / AHMED ASAD \ APAIMAGES)

Die Muslimbrüder sind zum Hassobjekt in Ägypten geworden. Ab sofort ist die Islamistenbewegung illegal. Ihr Vermögen und ihre Immobilien soll sie an den Staat abgeben. Der Handlungsspielraum der Organisation ist dadurch stark eingeschränkt - eine Reaktion steht noch aus.

Ein Gericht in Kairo hat der islamistischen Muslimbruderschaft in einem Eilverfahren jegliche Tätigkeiten untersagt. Zudem werden sämtliche Gelder und Häuser der Partei vom ägyptischen Staat beschlagnahmt. Damit steht die Islamistenbewegung unter der amtierenden Übergangsregierung schlechter da als unter Ex-Machthaber Hosni Mubarak, der vor zwei Jahren gestürzt worden war. Auch unter ihm war sie zwar verboten gewesen, Mitglieder der Muslimbrüder hatten jedoch bei Parlamentswahlen als "Unabhängige" antreten können.

Der Prozess vor dem Kairoer Gericht basiert auf einer Klage der linken Tagammu-Partei. Diese hatte erklärt, die Muslimbruderschaft gefährde die nationale Sicherheit in Ägypten. Theoretisch könnten die Islamisten Einspruch gegen das Urteil einlegen. Ihre Führungsspitze sitzt jedoch mittlerweile im Gefängnis.

Von der Präsidenten-Partei in die Illegalität

Die Muslimbruderschaft war Ende 2011 aus den ersten freien Parlamentswahlen in Ägypten als stärkste Kraft hervorgegangen. Bis vor drei Monaten hatte sie den umstrittenen Präsidenten Mohammed Mursi und die Mehrheit der Minister gestellt. Mursi war nach nur einem Jahr im Amt vom Militär gestürzt worden. Das hatte zu wochenlangen Protesten seiner Anhänger geführt.

Mohammed Badie, Kopf der Muslimbruderschaft, sitzt hinter Gittern (picture alliance / dpa / Khaled El Fiqi)Mohammed Badie sitzt hinter Gittern. (picture alliance / dpa / Khaled El Fiqi)Mitte August waren zwei Protestlager der Muslimbrüder gegen Mursis Absetzung gewaltsam geräumt worden. Hunderte Menschen wurden dabei getötet. In den darauffolgenden Wochen wurde fast die gesamte Führungsriege der Islamisten festgenommen. Der Chef der Muslimbrüder, Mohammed Badie, sowie seine zwei Stellvertreter wurden wegen Anstiftung zum Mord angeklagt – ähnlich wie Mursi.



Größte und traditionsreichste Islamistenbewegung Arabiens

Die Muslimbruderschaft ist die größte und traditionsreichste Islamistenorganisation der arabischen Welt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1928 durch einen ägyptischen Volksschullehrer war es ihr Ziel, die Gesellschaft nach islamischen Moralvorstellungen zu reformieren. Heute existieren in vielen islamischen Ländern Organisationen, die sich auf die Ideologie der Muslimbruderschaft berufen, darunter die palästinensische Hamas-Bewegung.

In Ägypten waren die Islamisten auch wegen ihres sozialen Engagements aufgestiegen. Nach Mursis Amtsantritt wurde die Bevölkerung jedoch zunehmend unzufrieden mit der Bewegung, da sich die wirtschaftliche Lage verschlechterte. Zudem gab es Vorwürfe, die Islamisten seien nicht weniger undemokratisch und korrupt als Ex-Machthaber Mubarak.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:18 Uhr