Startseite > _Archiv > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 24.07.2013

Ägyptens Armeechef ruft die Massen auf die Straße

Al-Sisi will Mandat für Sondermaßnahmen

Der ägyptische Armeechef Abdelfatah al-Sisi (AFP / Khaled Desouki)
Der ägyptische Armeechef Abdelfatah al-Sisi (AFP / Khaled Desouki)

Der ägyptische Armeechef Abdel Fattah al-Sisi hat indirekt Vollmachten für Notstandsmaßnahmen verlangt. Er rief die Bevölkerung auf, ihn zu unterstützen. Im Gegenzug machen auch die Muslimbrüder mobil. Es droht eine neue Zuspitzung der Gewalt.

In einer Rede an der Militärakademie in Kairo rief Ägyptens Armeechef Abdel Fattah al-Sisi die Bevölkerung zu Massendemonstrationen am Freitag auf. Die Ägypter sollen "auf die Straße gehen, um mir das Mandat und die Vollmacht zu geben, Gewalt und Terrorismus zu beenden", so al-Sisi genau drei Wochen nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi.

Die Jugendbewegung Tamarud (Rebellion), die im Vormonat die Massenproteste gegen Mursi organisiert hatte, unterstützte den Aufruf al-Sisis. "Wir sind glücklich, dass die Streitkräfte ihre Rolle bei der Bekämpfung der Gewalt und des Terrorismus spielen, wie sie von der Muslimbruderschaft praktiziert werden", hieß es in ihrer Erklärung.

Muslimbrüder wollen selbst "Millionen" mobilisieren

Essam al-Arian, ein Mitglied der Führung der Bruderschaft, bezeichnete den Aufruf des Armeekommandeurs als "leere Drohung". "Tatsächlich werden am Freitag Millionen auf die Straße gehen", schrieb der islamistische Politiker auf seiner Facebook-Seite. "Und zwar um die Legitimität (der Präsidentschaft von Mursi) zu unterstützen und um den Putsch zurückzuweisen."

Mit der beidseitigen Massenmobilisierung droht nach Ansicht von Beobachtern eine weitere Zuspitzung der Gewalt. Diese ist derzeit ohnehin ständig präsent. Bei einem Bombenanschlag in der Nildelta-Stadt Al-Mansura wurde ein Polizist getötet. Im Norden des Sinai fiel ein Armeesoldat dem Angriff bewaffneter Extremisten zum Opfer. In Kairo wurden in der Nacht zu Mittwoch zwei Demonstranten getötet, als Unbekannte in eine Kundgebung der Anhänger Mursis schossen.

Festnahme von Badie

Mohammed Badia fordert die Bruderschaftsanhänger zum Dauerprotest auf (AFP / Mahmud Hams)Mohammed Badie (AFP / Mahmud Hams)Die ägyptische Staatsanwaltschaft ordnete erneut die Festnahme des Chefs der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, an. Ihm wird nach einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Mena vorgeworfen, zur Gewalt aufgerufen zu haben. Badie war bereits nach dem Sturz von Mursi Anfang des Monats vorübergehend festgehalten worden.



Al-Dschasira in der Kritik

Unterdessen nimmt der Widerstand gegen die tendenziöse Berichterstattung des TV-Senders Al-Dschasira in Ägypten zu: 22 Mitarbeiter kündigten aus Protest. Zuletzt wurden die "Sichtweise der Muslimbruderschaft überbetont" und kritische Stimmen einfach weggeblendet, sagte der Ex-Korrespondent Aktham Suliman im Deutschlandradio Kultur.

Das Militär hatte Mursi am 3. Juli nach Massenprotesten abgesetzt. Seitdem demonstrieren die Anhänger der Muslimbruderschaft gegen den "Militärputsch", wie sie die Absetzung bezeichnen. Dabei kommt es immer wieder zu Gewalt. Mursi wird vom Militär an einem unbekannten Ort ohne Anklage festgehalten.

Nach dem Umsturz hatte das Militär den Übergangspräsidenten Adli Mansur eingesetzt und eine Übergangsregierung bilden lassen. Dennoch gilt al-Sisi, der zusätzlich zum Verteidigungsressort auch den Posten eines ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten übernahm, als der eigentlich starke Mann in Ägypten. Wegen der angespannten Lage in Ägypten wollen die USA vorerst keine F-16-Kampfflugzeuge mehr liefern.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr