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Ärztevertreter werfen Politik Täuschung vor

Thema des 112. Deutscher Ärztetag ist die finanzielle Unterversorgung des Gesundheitssystems

Ärztin mit Stetoskop (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Ärztin mit Stetoskop (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

In Mainz hat der Deutsche Ärztetag begonnen: Im Mittelpunkt der viertägigen Veranstaltung steht die Kostendämpfung im Gesundheitswesen sowie Forderungen der Mediziner an die Politik. Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, wirft der Politik vor, die Bürger über den Stand des Gesundheitssystems zu täuschen.

Vor den rund 250 Delegierten aus den Landesärztekammern hatte der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, zum Auftakt des 112. Ärztetags in Mainz, der Politik vorgeworfen, die Bürger über den Zustand des Gesundheitssystems zu täuschen.

Zudem verteidigte er die von den Ärzten ins Spiel gebrachte Prioritätenliste: Es müsse über eine Vorrangliste von Behandlungsmöglichkeiten nachgedacht werden - und mahnte an, mehr Geld ins Gesundheitssystem zu investieren.Mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln werde der medizinische Fortschritt nicht mehr in den Praxen und Kliniken abgebildet werden können.

Bundesgesundheitsministerin lässt sich verteidigen

In Vertretung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) räumte Gesundheitsstaatssekretär Schröder eine Mittelknappheit ein, betonte aber, alle Bürger könnten am medizinischen Fortschritt teilnehmen. Schmidt war aufgrund einer Teilnahme an einer internationalen Tagung, bei der es um die Bekämpfung der sogenannten Schweinegrippe geht, dieses Jahr erstmals seit Langem nicht nach Mainz gekommen. Laut Hoppe bestehe aber weiterhin der Wille zum Dialog.

Hoppe fordert mehr Geld für gesetzliche Krankenversicherung

Am Morgen hatte Hoppe im Deutschlandfunk wegen der knappen Kassen vorgeschlagen, die Mittel für die gesetzliche Krankenversicherung aufzustocken. Deutschland werde die Probleme im Gesundheitswesen nur lösen können, wenn mehr Geld ins System komme. Dies könne über höhere Beiträge oder über Steuermittel geschehen. Die Ärzte sehen sich und die Patienten als Leidtragende der Rationierung medizinischer Leistungen.

Er verwies darauf, dass in den meisten Industrieländern etwa neun Prozent des Brutto-Inlandsprodukts in die gesetzliche Krankenversicherung flössen. In Deutschland seien es dagegen nur sechs Prozent. Hoppe fügte hinzu, auch auf der Ausgabenseite müsse es Reformen geben, um das System nicht zu überfordern. Er bekräftigte in diesem Zusammenhang seinen Vorschlag einer dreistufigen Prioritätenliste, die eine bevorzugte Behandlung von schwer- oder lebensbedrohlich Erkrankten vorsehe. (Text/MP3-Audio)

Es mag sein, dass die Politik nicht ganz unschuldig daran ist, dass die Reformideen derzeit wilder ins Kraut schießen denn je. Die Große Koalition hat ja mit der Einrichtung des Gesundheitsfonds das Gesundheitswesen stärker durcheinandergewirbelt, als alle Nachkriegsregierungen vor ihr. Sie hat aber das Kunststück zustande gebracht, den Umbruch zu installieren, ohne eine der einzige der für das Gesundheitswesen wichtigen Zukunftsfragen zu beantworten. Kommentar: Die Ärzte vor dem Ärztetag (DLF)

Blick in die Schweiz

Bislang gab es Geld in den Schweizer Krankenkassen, die Patienten waren besser versorgt als hierzulande und so galt das Schweizer Gesundheitssystem den Deutschen lange als Vorbild. Doch das war einmal. Jetzt ist es plötzlich anders herum: Der Schweizer Gesundheitsminister schaut neugierig nach Deutschland und nimmt sich ein Vorbild an der Praxisgebühr. Die Schweizer und ihr Gesundheitssystem

Nicht nur im zivilen, sondern auch im militärischen Bereich drohen Engpässe im Gesundheitswesen: Das Forum Sanitätsoffiziere hat vor einem drastischen Qualitätsverlust in der medizinischen Versorgung bei der Bundeswehr gewarnt. Immer mehr Ärzte würden die Bundeswehr verlassen, sagte der Forumsvorsitzende Wolfgang Petersen im Deutschlandradio Kultur.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:33 Uhr