Afghanistan - die Mission nach 2014

Bis zu 12.000 NATO-Soldaten könnten stationiert bleiben

Tschechischer Soldat bei der Ausbildung von Polizisten in Afghanistan. (picture alliance / dpa / Jakub Dospiva)
Tschechischer Soldat bei der Ausbildung von Polizisten in Afghanistan. (picture alliance / dpa / Jakub Dospiva)

Auch nach dem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel ist die geplante Ausbildermission in Afghanistan nach 2014 noch nicht in trockenen Tüchern. Zwar gibt es nun erste konkrete Zahlen, aber dabei sorgte der Bundesverteidigungsminister heute für Verwirrung.

Es war ein Sprecher von US-Verteidigungsminister Leon Panetta, der die Zahl nach der Konferenz bekanntgab: "Wir haben darüber diskutiert, dass die neue Mission eine Größe von 8.000 bis 12.000 Soldaten haben könnte." Dabei handle es sich nicht um den Beitrag der USA, sondern um den der ganzen NATO.

Für das Deutschlandradio hat unser Korrespondent für Sicherheitspolitik - Rolf Clement - die Konferenz der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel mitverfolgt. Er berichtet ebenfalls, es sei davon auszugehen, dass die Gesamtmission um die 10.000 Soldaten umfasst. Geplant ist eine Unterteilung in vier Zentren. Laut Clement sollen die USA zwei davon führen – eines im Südwesten und eines im Südosten Afghanistans. Italien könnte die Leitung eines Zentrums im Westen übernehmen, und Deutschland wäre zuständig für den Norden. Das, so Clement, sei intern bereits abgestimmt worden, aber noch nicht offiziell bestätigt.

Panzerhaubitzen kehren heim

Clement liefert auch weitere Details: So beginne die Bundeswehr in diesen Wochen damit, die Panzerhaubitzen aus Afghanistan abzuziehen, die vor drei Jahren dorthin gebracht wurden. Grundsätzlich wollten die Organisatoren des internationalen Truppenabzugs möglichst schnell wissen, woran sie seien. Der Grund: Je früher und je genauer sie wissen, welches Gerät wo noch gebraucht wird, desto eher kann verhindert werden, dass im Zuge der neuen Mission bereits abgezogenes Material wieder dorthin zurückgebracht werden muss.

Nach dem Treffen der Verteidigungsminister trat NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen vor die Presse. Er äußerte sich zuversichtlich: Die afghanischen Sicherheitskräfte hätten derzeit die Führung über ein Gebiet inne, in dem 87 Prozent der Bevölkerung lebten. Die einheimischen Kräfte seien heute besser trainiert, besser ausgebildet und effektiver. Dennoch bleibe die NATO im Land – eben im Zuge der geplanten Ausbildungsmission. Diese werde sich erheblich von der jetzigen ISAF-Mission unterscheiden und erheblich kleiner sein, so Rasmussen.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) (picture alliance / dpa)Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) (picture alliance / dpa)

De Maizière sorgt für Verwirrung

Über die genaue Zahl der NATO-Soldaten gab es allerdings einiges Hin und Her. Denn als erster trat Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière vor die Presse und sagte: "Der amerikanische Verteidigungsminister hat offiziell angekündigt, dass die Vereinigten Staaten von Amerika in einer Größenordnung zwischen 8.000 und 12.000 Soldaten in Afghanistan involviert sein werden." Das wurde von amerikanischer Seite umgehend dementiert: Die genannte Zahl umfasse die gesamte Mission – und nicht nur den Beitrag der Vereinigten Staaten.

Im Übrigen – so der Sprecher von Verteidigungsminister Panetta – habe Präsident Obama noch keinerlei Entscheidung getroffen. Inzwischen korrigierte auch das Bundesverteidigungsministerium: De Maizière habe sich missverständlich ausgedrückt. Die Zahl von 8.000 bis 12.000 beziehe sich tatsächlich auf die Gesamtstärke – und nicht nur auf die USA.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr