Startseite > zu klären > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 22.06.2011

Ai Weiwei ist frei

Chinesischer Künstler aus Haft entlassen

Der chinesische Künstler Ai Weiwei ist gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. (picture alliance / dpa)
Der chinesische Künstler Ai Weiwei ist gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. (picture alliance / dpa)

Die chinesische Regierung hat den Künstler und Systemkritiker Ai Weiwei gegen Kaution aus dem Gefängnis entlassen. Als Gründe wurden sein schlechter Gesundheitszustand sowie ein Geständnis Weiweis der ihm zur Last gelegten Steuervergehen genannt.

Ai Weiwei war im April auf dem Pekinger Flughafen festgenommen worden und saß seitdem im Gefängnis. Seine Verhaftung hatte weltweit Empörung und Protest ausgelöst. Menschenrechtsorganisationen warfen der chinesischen Regierung vor, verschärft gegen Aktivisten, Dissidenten und Bürgerrechtler vorzugehen, nachdem im Internet zu sogenannten "Jasmin-Protesten" nach dem Vorbild der Aufstände in der arabischen Welt aufgerufen worden war.

Die Angehörigen Ai Weiweis waren zunächst wochenlang nicht darüber informiert worden, wo der Künstler festgehalten wurde und wie genau die Vorwürfe gegen ihn lauteten. Im Mai hatte Weiweis Ehefrau ihn schließlich besuchen dürfen. Von offizieller Seite hieß es, ihm würden "Wirtschaftsverbrechen" vorgeworfen - nach Meinung der DLF-Kommentatorin Sabine Pamperrie ein Vorwand, um den rechtsstaatlichen Anschein zu wahren. Die Nachrichtenagentur Xinhua meldet jetzt, eine Firma Weiweis, "The Beijing Fake Cultural Development Ltd.", habe eine "riesige Summe" an Steuern hinterzogen und Buchungsunterlagen zerstört.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao in Berlin (AP)Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao bei einem früheren Treffen in Berlin. (AP)

Freilassung rechtzeitig zur Europareise Wen Jiabaos

Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao bricht am Freitag zu einer fünftätigen Europareise auf, die ihn unter anderem nach Berlin führt. Peking-Korrespondentin Ruth Kirchner sagte im Deutschlandfunk, es sehe danach aus, als wollte die chinesische Führung im Vorfeld dieser Reise das heikle Thema Ai Weiwei etwas entschärfen. Klar sei, Wen Xiabao würde in Europa überall auf die Verhaftung des Künstlers angesprochen werden. Mit der Freilassung auf Kaution wolle das Regime der Kritik der mangelnden Rechtsstaatlichkeit entgegenwirken.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr