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Große Reden – ein gemeinsames Projekt von ARTE und Deutschlandfunk

Bild Links: Waltraud Schoppe, Bild rechts: Urho Kekkonen (dpa)
Links: Waltraud Schoppe © picture-alliance/dpa; rechts: Urho Kekkonen © ullstein bild/TopFoto (dpa)

Was hallt nach? Was lösten die Worte aus? Gibt es noch Spuren, Orte, die das vormals Gesagte aufleben lassen? Fragen wie diese haben sich ARTE und der Deutschlandfunk im vergangenen Jahr in der ersten Staffel der ‚Großen Reden‘ gestellt. In diesem Sommer wird die erfolgreiche Kooperation fortgesetzt und wieder sind weitere Partner an Bord, wieder ist es ein internationales, europäisches, crossmediales Projekt. Der Deutschlandfunk beteiligt sich in den Bereichen Politik und Kultur, wie schon 2017.

In ‚Essay & Diskurs‘ startet die Reihe ‚Große Reden‘ am 1. Juli mit: ‚Es gilt das gesprochene Wort. Über historische Reden von Frauen.‘ Autor Paul Stänner entdeckt in den antiken Rhetoriklehren nur den Mann als Redner. Cicero und Quintilian entwarfen einen redegewandten Ehrenmann als idealen Redner. Für nicht rhetorikfähig hielt man dagegen Frauen, Sklaven und Kinder. Aber es gibt sie doch, die großen historischen Worte von Frauen, gerichtet an die Gemeinschaft, den Staat, die Herrschaft. Worte, die überzeugen, die zur Tat aufrufen, die unvergessen sind. "Und nun – verurteilen Sie mich", sprach Rosa Luxemburg, angeklagt wegen ‚Volksverhetzung‘, weil sie sich gegen die allgemeine Kriegseuphorie 1914 gewandt hatte. "Genossen, eure Veranstaltungen sind unerträglich", schleuderte Helke Sander anno ’68 dem ganzen männlich bornierten SDS entgegen und Waltraud Schoppe sah sich einem tobenden Bundestag gegenüber, als sie es wagte, von Vergewaltigung in der Ehe zu sprechen. Die berühmtesten Reden von Frauen aus der deutschen Geschichte beweisen, dass die traditionell männlich konnotierte Redekunst längst von Frauen erobert wurde. (Paul Stänners Essay ist ein Auszug aus der ‚Langen Nacht der historischen Reden‘, Deutschlandfunk 2011, Redaktion Monika Künzel.)

Höhepunkte der ‚Großen Reden‘ bilden in diesem Jahr außerdem die Sendungen ‚Europa heute‘ (23. bis 27. Juli ab 9.10 Uhr) und die ‚Gesichter Europas‘ (28. Juli ab 11.05 Uhr), die sich die Schlussakte von Helsinki vornehmen.

Diese stand am Ende der fast zwei Jahre währenden Verhandlungen der ‚Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa‘ (KSZE). An ihnen hatten die USA, Kanada, die Sowjetunion und alle europäischen Staaten, mit Ausnahme Albaniens, teilgenommen. Als gewiefter Vermittler zwischen den verfeindeten Machtblöcken des Kalten Krieges trat damals besonders der finnische Staatspräsident Urho Kekkonen in Erscheinung – und bediente sich dabei auch unkonventioneller Methoden: Schon seit den späten 50er-Jahren hatte er hochrangige sowjetische Vertreter immer wieder zu vertrauensbildenden Gesprächen in seine Privatsauna eingeladen. Westliche Hardliner sahen Kekkonens ‚Sauna-Diplomatie‘ mit Skepsis, der Begriff der ‚Finnlandisierung‘ macht die Runde, die Rede war vom ‚Ausverkauf westlicher Interessen‘ durch den auf Neutralität pochenden konservativen finnischen Präsidenten. ‚Europa heute‘ und die ‚Gesichter Europas‘ begeben sich anlässlich des 40. Jubiläums der KSZE-Schlussakte auf Spurensuche in Finnland, unter anderem mit Jaakko Ilomieni, der damals als wichtiger Vertrauter Kekkonens die Konferenz mit vorbereitete, sowie mit Rene Nyberg, der als finnischer Botschafter in Moskau diente. Und natürlich darf auch ein Besuch im Saunaclub Helsinkis nicht fehlen, der bis heute ein Treffpunkt für Diplomaten aus aller Welt ist.

Sowohl diese als auch die ‚Essay & Diskurs‘-Sendung stehen im Webportal deutschlandfunk.de/grosse-reden zum Nachhören zur Verfügung. Außerdem zahlreiche weitere Audio- und Video-Beiträge mit und über die großen Reden unserer und vergangener Tage.


Ursula Welter
Abteilungsleiterin Hintergrund, Deutschlandfunk

Barbara Schäfer
Abteilungsleiterin Feature/Hörspiel/Hintergrund Kultur, Deutschlandfunk


Aus dem Programmheft, Ausgabe Juli 2018

 

Letzte Änderung: 27.06.2018 11:17 Uhr

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