Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Anarchismus im Heidiland

3000 Teilnehmer zu Anarchisten-Treffen in der Schweiz erwartet

Das große A im Kreis, Zeichen der Anarchisten - aufgenommen in Berlin (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)
Das große A im Kreis, Zeichen der Anarchisten - aufgenommen in Berlin (picture alliance / dpa / Wolfram Steinberg)

Vor 140 Jahren gründete sich im eidgenössischen Uhrmacherstädtchen Saint-Imier die Antiautoritäre Internationale. Von heute an treffen sich dort Anarchisten aus der ganzen Welt zu einem internationalen Kongress - die Finanzkrise beschert der Bewegung neuen Zustrom.

Die Veranstalter erwarten für das fünftägige "Welttreffen des Anarchismus" bis zu 3000 Besucher "von fast jedem Flecken der Erde". Fünf Tage lang wollen Anhänger verschiedener libertär-anarchistischer Bewegungen in Saint-Imier über "diverse Wege des Widerstands gegen gesellschaftliche Übel debattieren" - Umweltverschmutzung, Militarismus, Sexismus und Fremdenfeindlichkeit stehen auf dem Programm, aber auch der Arabische Frühling und seine Folgen, Rechtsextremismus und die Schuldenkrise in Europa.

Die Occupy-Bewegung der westlichen Welt gilt als jüngste Blüte des Anarchismus. Offenbar hat das Interesse an anarchistischem Gedankengut in letzter Zeit wieder zugenommen - nicht nur, weil "die marxistische Illusion angesichts der kommunistischen Diktatutren dahingeschmolzen" sei, wie es Cheforganisator Michel Némitz formuliert - auch der Kapitalismus lebe nur "von Krise zu Krise". Das Treffen biete die Möglichkeit, "eine Bilanz aus der Geschichte der anarchistischen Bewegung zu ziehen - aus ihren Ideen, ihren Verwirklichungen, ihren Hoffnungen, ihren Niederlagen".

Ablehnung von Herrschaft und Hierarchie

Die Anhänger des Anarchismus lehnen Hierarchie und Herrschaft von Menschen über Menschen in jeder Form ab. Als Gegenentwurf fordern sie eine Gesellschaft, zu der sich die Menschen freiwillig zusammenschließen - als selbstbestimmte Individuen und Kollektive. Anarchisten lehnen den Staat als Organisationsform und auch den Kommunismus ab, weil er ihrer Ansicht nach autoritär strukturiert ist.

In der Schweiz blickt die Ideenlehre und Philosophie auf eine lange Tradition zurück. In einem Gasthof unweit des Uhrmacherstädtchens Saint-Imier fand 1872 ein Treffen statt, aus dem die erste Antiautoritäre Internationale hervorging - als Antwort auf die von Karl Marx initiierte Internationale. Prominentester Teilnehmer war damals der russische Revolutionär, Anarchist und Philosoph Michael Bakunin, der 1876 in Bern begraben wurde.

Zu den derzeit bekanntesten Anarchisten gehört der US-Anthropologe und Professor in London, David Graeber. Sein Buch zur Finanzkrise "Schulden: Die ersten 5000 Jahre", indem er das Ende des Schuldenkapitalismus proklamiert, fand auch in neoliberalen Kreisen Anerkennung.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:30 Uhr Vollbild

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Kampf gegen FluchtursachenFür mehr Lebensräume entlang der Migrationsrouten

Afrikaner stehen an der Reling eines Schiffes, mit dem Rücken zur Kamera. (AFP)

Man solle Flüchtlinge nicht nur als Opfer betrachten, sondern als Menschen, die eine Wirtschaftsleistung erbringen können und wollen. Das sagt der Entwicklungshelfer Kilian Kleinschmidt und plädiert für Sonderentwicklungszonen in Afrika.

VW-Bußgeld Was tun mit einer Milliarde Euro?

Autoturm im Hauptgeschäftssitz von Volkswagen in Wolfsburg (AFP / Odd Andersen)

Gefangen im Abgasskandal hat VW ein Bußgeld von einer Milliarde Euro akzeptiert – und prompt an die Landeskasse des gesetzlichen Empfängers Niedersachsen überwiesen. Der unverhoffte Geldsegen bereitet kurz vor der Haushaltsklausur der rot-schwarzen Regierungskoalition viel Kopfzerbrechen.

Nachhaltige MobilitätStädtetag will weg von der "autogerechten Stadt"

In der autofreien Siedlung Vauban queren Fahrradfahrer eine Straßenbahnlinie. (imago/viennaslide)

Jahrzehntelang waren deutsche Städte vor allem aus einer Perspektive gedacht: der des Autofahrers. Mittlerweile setzt sich eine neue Denkweise durch, die Städte sollen menschen- statt autogerecht sein. Das findet auch der Kommunalverband Deutscher Städtetag. Nur: Wer soll das bezahlen?

Geistlicher Missbrauch Keine Widerrede erlaubt

Ein Mann hinter einer nicht ganz transparenten Scheibe - die Hände am Glas (imago/Gerhard Leber)

Ein Ehepaar fühlt sich geistlich missbraucht durch den Pastor seiner freien evangelischen Gemeinde. Denn als das Paar Zweifel an der Missionsstrategie äußert, kommt es zum Ausschluss - und zu massiven Beschimpfungen. Der Dachverband - die Evangelische Allianz - kennt einige solcher Fälle - und ist machtlos.

Europäischer Autorengipfel in BerlinIch fühle mich als Europäer, weil ...

Ein großes Bronzedenkmal der "Europa auf dem Stier mit Erdkugel und Taube" steht im Hafen der kretischen Stadt Agios Nikolaos. (picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Warum fühlen Sie sich als Europäer? Und wie hieße ein Buch, das Sie über Europa schreiben? Das fragen wir die 20 Autorinnen und Autoren, die sich heute auf dem Blauen Sofa in Berlin treffen. Unter ihnen sind Terézia Mora, Guy Helminger und Janne Teller.

D-Mark-Einführung vor 70 Jahren"Die D-Mark war eine weltweit geachtete Währung"

D-Mark-Geldscheine und -Münzen (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)

Auch 16 Jahre nach Einführung des Euro wird die D-Mark geschätzt: Rund 5,9 Milliarden D-Mark Banknoten seien noch immer im Umlauf, sagte Johannes Beermann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, im Dlf. Von ihrer Einführung vor 70 Jahren bis zur Abschaffung habe die Währung an Wert gewonnen und sei weltweit beliebt gewesen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

NRW-SPD  Hartmann löst Groschek als Vorsitzenden ab | mehr

Kulturnachrichten

Regierungsstrategie zu Künstlicher Intelligenz | mehr

 

| mehr