Angst vor Bürgerkrieg wächst

USA fordern Ägyptens Militär zur Zurückhaltung auf

Die Unruhen in Ägypten forderten viele Tote. (AFP/Fayez Nureldine)
Die Unruhen in Ägypten forderten viele Tote. (AFP/Fayez Nureldine)

Die Gewalt in Ägypten eskaliert: Die jüngsten Unruhen mit vielen Toten lösten im Ausland die Sorge vor einem Bürgerkrieg aus. US-Außenminister John Kerry rief die Führung in Kairo auf, das Land "vom Abgrund" wegzuziehen.

John Kerry mahnte die ägyptischen Sicherheitskräfte zur Mäßigung. Laut Augenzeugenberichten war die Polizei in Kairo gestern mit scharfer Munition gegen Anhänger der islamistischen Muslimbruderschaft vorgegangen. 72 Menschen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums getötet. 800 wurden verletzt. Die dem gestürzten Präsidenten Mursi nahestehende Muslimbruderschaft sprach von mehr als einhundert Opfern und 4000 Verletzten. Beide Seiten machten sich gegenseitig für das Blutvergießen verantwortlich.

Ultimatum ist abgelaufen

Am Samstagabend war das Ultimatum des Militärs abgelaufen. Die Generäle hatten den Muslimbrüdern am Donnerstag 48 Stunden Zeit gegeben, um sich am politischen Versöhnungsprozess in dem Land zu beteiligen. Ansonsten müssten sie sich auf ein härteres Vorgehen gefasst machen, zitierte die Nachrichtenagentur Mena aus einer der Armee nahestehenden Facebook-Seite. Die Mitteilung trug den Namen "Letzte Chance". Statt einzulenken errichteten die Protestanten aber neue Barrikaden. Die mögliche Zwangsräumung der Protestcamps der Islamisten dürfte kaum ohne erneutes Blutvergießen ablaufen, berichtet Frank Ludwig im Deutschlandfunk.

Ende der Gewalt gefordert

Die schlimmsten Zusammenstöße seit dem vom Militär verübten Staatsstreich am 3. Juli lösten auch international große Besorgnis aus. Der schwedische Außenminister Carl Bildt twitterte: "Ich bin schockiert von der hohen Zahl an Toten. Die Sicherheitskräfte können sich der Verantwortung nicht entziehen." Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die schweren Auseinandersetzungen zwischen Anhänger und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi. Er forderte die ägyptischen Sicherheitskräfte auf, die Menschenrechte zu achten und rief die Übergangsregierung dazu auf, "den Schutz aller Ägypter sicherzustellen". Zudem mahnte er die Demonstranten zur Zurückhaltung und forderte sie auf, die friedliche Natur ihres Protestes beizubehalten. Auch die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und der britische Außenminister William Hague verurteilten die Gewaltanwendung gegen Demonstranten in Ägypten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf den ägyptischen Sicherheitskräften eine kriminelle Missachtung von Menschenleben vor.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr