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Annäherung im Atomstreit

IAEA und Iran setzen Gespräche fort

Die UNO-City in Wien (AP Archiv)
Die UNO-City in Wien (AP Archiv)

Bei dem ersten Treffen zwischen dem iranischen Präsident Hassan Rohani und der Internationalen Atomenergiebehörde gab es zwar keinen Durchbruch, der Dialog soll dennoch bald fortgesetzt werden.

Am Ende waren sich der IAEA-Chefinspekteur Herman Nackaerts und der iranische IAEA-Botschafter Resa Nadschaf einig: "Konstruktiv" sei es gewesen, erklärten beide unisono. Das bedeutet, es besteht Hoffnung, dass es bald Fortschritte im Atomstreit mit dem Iran gibt, berichtet unser Korrespondent Marcus Pindur. Doch der Annäherungsprozess steht noch ganz am Anfang.

Nadschaf deutet an, was beiden Seiten schon vorher klar war: Es war nicht das letzte Gespräch in Wien. Beide Seiten hätten vereinbart, sich am 28. Oktober erneut zu treffen, um "substanzielle Diskussionen" zur Lösung der offenen Fragen zu beginnen, sagt IAEA-Chefinspekteur Nackaerts zum weiteren Fahrplan. Auch Irans Präsident Hassan Rohani sagte in New York, er strebe in den Verhandlungen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland rasch eine greifbare Lösung an.

Irans Präsident gibt sich diplomatisch (picture alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)Hassan Rohani (picture alliance / dpa / Abedin Taherkenareh)Es war das erste Treffen zwischen dem Iran und der IAEA seit der Wahl Rohanis im Juni. Der Kleriker verkündete seitdem immer wieder seine Bereitschaft zur Beilegung des Atomstreits. Auch in den USA: Erst am Donnerstag hatte Rohani in der "Washington Post" erklärt, "dass Tempo notwendig ist, um dieses Problem zu lösen" – und das so schnell wie möglich.

Der SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose forderte im Deutschlandradio Offenheit gegenüber dem neuen Kurs Teherans: "Es gibt Anlass, es auszutesten. Und dazu ist Diplomatie da." Mit dem Iran als "verantwortungsvoll und berechenbar agierendem Partner" könnte es im Nahen Osten in Sachen Stabilität "ganz anders aussehen".

Auch der "5+1-Prozess" läuft

Am Donnerstag hatten sich die Außenminister der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands in New York mit ihrem iranischen Kollegen Mohammed Dschawad Sarif darauf verständigt, Mitte Oktober in Genf wieder über das umstrittene Nuklearprogramm Teherans zu verhandeln. Als Termin für die Verhandlungsrunde nannte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton, die den sogenannten 5+1-Prozess koordiniert, den 15. und 16. Oktober.

Anders als bei den Verhandlungen des Irans mit den Weltmächten sind die IAEA-Gespräche deutlich technischer: Die UN-Behörde fordert mehr Zugang zu Anlagen wie dem Militärstützpunkt Partschin bei Teheran, Experten und Dokumenten im Land. Nur so könne sie sicher ausschließen, dass das Atomprogramm wie vom Iran behauptet friedlichen Zwecken diene. "Wir begrüßen die Entwicklungen, aber was in New York passiert, geht in eine andere Richtung und ist unabhängig davon, was wir tun", sagte Nackaerts in Wien.

Ahmadinedschad forcierte Streit

Das iranische Atomkraftwerk Buschehr (Bild: picture alliance, dpa, Abedin Taherkenareh)

Das iranische Atomkraftwerk Buschehr (Bild: picture alliance, dpa, Abedin Taherkenareh)


Seit Jahren bemüht sich der Westen um eine Beilegung des Atomstreits. Rohanis Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad hatte durch seine aggressiven Äußerungen die Verhandlungen deutlich erschwert.

Mehrere westliche Staaten befürchten, dass der Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms Atomwaffen bauen will, was die Regierung in Teheran stets zurückgewiesen hat. Der Iran erhöhte in den vergangenen Jahren konsequent die Zahl seiner zur Uran-Anreicherung nutzbaren Zentrifugen, erklärte aber, die Technik für zivile Zwecke zu nutzen.


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