Annäherungsversuche in der Syrien-Frage

US-Sonderkoordinator für Syrien kommt nach Moskau

Von Gesine Dornblüth

Syrische Demonstranten protestieren gegen Russlands Haltung im Weltsicherheitsrat. (picture alliance / dpa / Local Coordination Committes Lcc)
Syrische Demonstranten protestieren gegen Russlands Haltung im Weltsicherheitsrat. (picture alliance / dpa / Local Coordination Committes Lcc)

Fred Hoff, Sonderkoordinator der US-Regierung für Syrien, reist zu Beratungen nach Moskau. Die USA fordern den Rücktritt des syrischen Regierungschefs Baschar al-Assad. Russland steht bislang weiter hinter dem Regime Assads und lehnt einen ausländischen Militäreinsatz ab.

Gestern Abend im russischen Staatsfernsehen. Ein Bericht über die jüngsten Massaker in Syrien. Das offizielle Damaskus bestehe darauf, dass islamistische Kämpfer neun Bewohner in der Siedlung Al Kubeir umgebracht hätten, sagt der russische Nachrichtensprecher. Und weiter: Die Gegner von Assad hingegen würden von Dutzenden Toten sprechen und Regierungskräfte dafür verantwortlich machen. Was genau in Syrien passiert sei, sei noch unklar, es gäbe nur Amateuraufnahmen, und die seien wenig aufschlussreich.

Es war ein ungewohnt ausgewogener Bericht. Weder beschuldigte der russische Sprecher den Westen wegen angeblich vorschneller Verurteilungen der syrischen Machthaber, noch bezeichnete er, wie sonst schon häufig im russischen Fernsehen geschehen, die syrischen Regimegegner pauschal als Extremisten. Und die ausgewogenen Töne setzten sich fort. Alexander Lukaschewitsch, Sprecher des russischen Außenministeriums, mahnte zu Einigkeit der internationalen Gemeinschaft.

"Wir verurteilen die barbarische Gewalt nahe der Stadt Hama auf schärfste. Die Täter und die Auftraggeber müssen vor Gericht gebracht und aufs härteste bestraft werden. Gewisse Kräfte greifen nicht das erste Mal zu niederträchtigen Provokationen, um die Umsetzung des Annan-Plans zu verhindern. In der heutigen, verfahrenen Situation muss die Antwort auf diese Provokationen eine Konsolidierung der Kräfte der internationalen Gemeinschaft sein."

Manche Beobachter sehen in diesen Worten erste Anzeichen für ein Einlenken Russlands in der Syrienfrage. Heute kommt der Sonderkoordinator der US-Regierung für Syrien, Fred Hoff, zu Beratungen nach Moskau. In letzter Zeit hätten sich die Telefonkontakte zwischen den Diplomaten in Moskau und Washington intensiviert, hieß es im russischen Außenministerium. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte den syrischen Regierungschef Assad gestern erneut zum Rücktritt aufgefordert. Russland hatte sich in letzter Zeit nicht mehr ausdrücklich hinter Assad gestellt. Stattdessen sagte Vize-Außenminister Michail Bogdanow gestern, eine Lösung der Syrienkrise nach dem Muster des Jemen sei möglich. Im Jemen hatte Präsident Saleh im Februar nach Massenprotesten die Macht an eine Übergangsregierung abgegeben. Bedingung sei allerdings, dass die Syrer selbst eine solche Lösung wollten, so Michail Bogdanow.

Der Syrer Omar Schaar lebt seit vielen Jahren in Moskau. Er kam in den 70er-Jahren als Student. Jetzt leitet er ein syrisch-russisches Kulturzentrum. Schaar steht der syrischen Opposition nahe, und er ist in diesen Tagen vorsichtig optimistisch.

"Meiner Meinung nach steht Russland kurz davor, seine Position zu ändern. Russland ist bereit, über Alternativen zu Assad zu reden."

Russische Diplomaten führen schon seit Monaten Gespräche mit der syrischen Opposition. Schaar hofft, dass sie sich auf eine Übergangsregierung einigen können.

"Es waren schon viele Delegationen in Moskau. Es sind Kontakte entstanden. Und sie diskutieren alles, von A bis Z. Es gibt keine Tabus."

Omar Schaar sagt: Das Regime in Syrien stehe kurz vor dem Zusammenbruch. Und die russische Regierung wisse das.

"Die Proteste breiten sich in Syrien immer weiter aus. Bald wird Aleppo zum Zentrum des Widerstands. Selbst die Unternehmer in Damaskus wechseln die Seite und sind jetzt gegen Assad. Das Regime bricht bald zusammen."

Doch damit Assad wirklich gehe, müsse die internationale Gemeinschaft einstimmig Druck ausüben.

"Wenn sich die Weltmächte einigen, besonders die USA und Russland, dann ist das Zeichen genug an Assad, dass er gehen muss. Das ist wie ein Kündigungsschreiben."

Deshalb wird Omar Schaar das Treffen des US-amerikanischen Gesandten mit den russischen Diplomaten heute in Moskau besonders aufmerksam verfolgen.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:53 Uhr