Anschlagsserie in Dnjepropetrowsk schürt Sicherheitsdebatte vor Fußball-EM

Janukowitsch: Herausforderung für das ganze Land

Bombenanschlag auf eine Straßenbahnhaltestelle in Dnjepropetrowsk (dpa / picture alliance / Nikolay Myakshykov)
Bombenanschlag auf eine Straßenbahnhaltestelle in Dnjepropetrowsk (dpa / picture alliance / Nikolay Myakshykov)

Sechs Wochen vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft hat eine Anschlagsserie mit vielen Verletzten die Ukraine erschüttert. Die UEFA sieht die Sicherheit für die EM aber weiter gewährleistet.

Innerhalb weniger Minuten explodierten vier Bomben im Zentrum der Industriestadt Dnjepropetrowsk, der Geburtsstadt der inhaftierten Ex-Premierministerin Julia Timoschenko. Mindestens 27 Menschen, darunter neun Kinder, wurden durch die in Mülleimern versteckten Sprengsätze verletzt. Über die Hintergründe war zunächst nichts bekannt. Die Generalstaatsanwaltschaft stufte die Anschläge als Terrorakt ein.

Nach Regierungsangaben ereignete sich die erste Explosion um 11.50 Uhr an einer Straßenbahn-Haltestelle. Eine halbe Stunde später ging eine Bombe vor einem Kino hoch, dabei wurden auch die neun Kinder verletzt. Es folgten eine Detonation in der Nähe eines Parks und eine weitere Explosion in der Innenstadt. "In der Stadt herrscht Panik", sagte eine Lokaljournalistin. "Die Leute holen ihre Kinder aus den Schulen und eilen mit ihnen nach Hause."

Der ukrainische Regierungschef Viktor Janukowitsch (AP)Viktor Janukowitsch (AP)Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch sagte, die Anschläge seien eine Herausforderung für das ganze Land. Innenminister Witali Sachartschenko übernahm persönlich die Leitung der Ermittlungen. Russland bot seinem Nachbarn Hilfe bei der Aufklärung an.

Die Anschläge von Dnjepropetrowsk öffnen Tür und Tor für Spekulationen über die Täterschaft in alle Richtungen, kommentiert Gesine Dornblüth im Deutschlandradio Kultur. Sicher sei nur eins: Die Anschlagsserie werfe ein Licht auf die desolate Situation in der Ukraine. Es sei höchste Zeit, dass sich die europäische Öffentlichkeit stärker um dieses "gelähmte Land" kümmere.

Auswärtiges Amt spricht Sicherheitshinweis aus

Der Vorfall schürt Sorgen über die Sicherheitslage im Land, das vom 8. Juni an gemeinsam mit Polen Gastgeber der Fußball-Europameisterschaft ist. Der Angriff müsse sehr ernst genommen werden, vor allem wegen der EM, sagte Polens Ministerpräsident Donald Tusk. Die UEFA reagierte in einer ersten Stellungnahme zurückhaltend und kündigte an, die Ergebnisse der Untersuchungen abwarten zu wollen. "Diese Ereignisse beeinträchtigen in keiner Weise das Vertrauen der UEFA in die von den ukrainischen Behörden geplanten Sicherheitsmaßnahmen, die ein heiteres Turnier ohne Zwischenfälle gewährleisten werden", teilte die Europäische Fußball-Union mit.

Das Auswärtige Amt änderte allerdings seine Reisehinweise und sprach einen Sicherheitshinweis für den Raum Dnjepropetrowsk aus. "Reisenden in der Region wird geraten, besondere Vorsicht walten zu lassen und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen", hieß es auf der Internetseite des Ministeriums. Die deutsche Nationalmannschaft trägt ihre Vorrundenspiele in der Ukraine aus. In Dnjpropetrowsk, das etwa 400 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Kiew liegt, finden keine Spiele statt.

Unterdessen macht die Bundesregierung weiter Druck auf Kiew. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte im NDR, sie bemühe sich um eine Ausreisegenehmigung für die inhaftierte Timoschenko. Die 51-Jährige leidet an einem Bandscheibenvorfall und will in Deutschland behandelt werden. Merkel ließ offen, ob sie zur EM reisen werde. Sie habe sich dazu noch keine konkreten Gedanken gemacht, sagte sie. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: "Natürlich fließt auch die weitere Entwicklung in der Ukraine und der Fall Timoschenko in die Entscheidung mit ein."

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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr