Auch IAEA empfiehlt Evakuierung

Teams der Atomenergiebehörde haben im Nordosten von Fukushima extrem hohe Strahlung gemessen

Der beschädigte Reaktor 1 des AKW Fukushima (picture alliance / dpa)
Der beschädigte Reaktor 1 des AKW Fukushima (picture alliance / dpa)

Nicht nur Greenpeace, auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) empfiehlt eine Räumung des Dorfes Iitate und eine Ausweitung der Evakuierungszone. Im Nordosten Fukushimas hatte die Behörde zuvor eigene Messungen vorgenommen.

Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace hatte am Mittwoch die japanischen Behörden kritisiert und ihnen vorgeworfen, das Ausmaß und die Folgen der Verstrahlung zu unterschätzen. Unterdessen überschritt die Konzentration von radioaktivem Jod 131 im Meerwasser vor Fukushima den Normalwert um das 3355-Fache.

Die Halbwertzeit - also die Abbauzeit der enthaltenen Strahlung - von Jod 131 liegt allerdings nur bei acht Tagen. Größere Probleme bereiten Beobachtern die gemessenen Plutoniumwerte in und nahe der Anlage. Die japanische Regierung hält die Werte aber nicht für gesundheitsschädlich. "Es könnten auch Messfehler sein", sagen dagegen Beobachter.Der französische Atomkonzern Areva teilte mit, er werde Spezialisten nach Japan schicken. Das Unternehmen hat die Brennstäbe aus Plutonium-Mischoxid hergestellt, die im Reaktorblock Drei in Fukushima eingesetzt wurden. Zurzeit sind offenbar die Brennstäbe dreier von sechs Reaktoren am AKW Fukushima beschädigt. Zudem ist offenbar auch die Schutzhülle nicht mehr komplett dicht.

Nicht nur Greenpeace, sondern auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA)rät inzwischen zu weiteren Evakuierungen. Wie es auf einer Pressekonferenz in Wien hieß, empfiehlt die IAEA, das Dorf Iitate, 40 Kilometer nordwestlich von Fukushima, zu räumen. Dort hätten Teams der Atombehörde extrem hohe Strahlungswerte gemessen. "Eine erste Beurteilung deutet darauf hin, dass eine der IAEA-Kriterien für die Evakuierung überschritten wurde", sagte IAEA-Experte Denis Flory.

Wochen- und monatelang bleibt in Fukushima die Gefahr einer Kernschmelze gegeben, sagt Michael Sailer, Mitglied der Reaktorsicherheitskommission der Bundesregierung.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr