Aufrichtung eines Kolosses

Bergungsarbeiten an der Costa Concordia angelaufen

Die havarierte Costa Concordia vor der Insel Giglio. (picture alliance / dpa / Enzo Russo)
Die havarierte Costa Concordia vor der Insel Giglio. (picture alliance / dpa / Enzo Russo)

Noch nie haben Menschen versucht, ein so großes Schiff wieder aufzurichten. Das havarierte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio wird Zentimeter um Zentimeter wieder in eine vertikale Position gebracht. Ganz ohne Risiko ist das nicht.

Zu Beginn der Bergungsarbeiten gab es gleich eine Verzögerung. Wegen eines Sturmes in der Nacht mussten die Fachleute drei Stunden länger als geplant den Beginn abwarten. Mit Hilfe von Stahlseilen und Flaschenzügen wird die Costa Concordia hochgezogen. Für Auftrieb sorgen außerdem riesige Behälter, die am Schiffsrumpf angebracht werden.

Um das Schiff dann erst einmal in einer vertikalen Position zu halten, haben die Bergungsfirmen sechs Plattformen auf dem Meeresgrund installiert. Sie sollen einem Gewicht von 38.000 Tonnen standhalten.

Wie lange sich die Bergung der Costa Concordia hinzieht, ist unklar. Zwar wollen die Experten das Schiff bis zum Abend aufgerichtet haben. Es mangelt aber an Erfahrungswerten bei einer Bergung dieser Art. Genaue Schätzungen sind deshalb nur schwer möglich.

Sollte die Aufrichtung des Schiffes gelingen, wird es frühestens nächstes Jahr abgeschleppt und anschließend zerlegt. Davor wollen unter anderem Fachleute die Schäden begutachten.

Schiff könnte auseinander brechen

Die Costa Concordia liegt seit mehr als 20 Monaten in Seitenlage vor der italienischen Toskanaküste. Was das Meereswasser während dieser Zeit eventuell an Schäden an den Strukturen des Schiffes angerichtet hat, weiß niemand so genau. Die Kräfte, die bei der Aufrichtung auftreten sind möglicherweise zu groß und das Schiff könnte auseinander brechen. Für den Fall befürchten Umweltschützer, dass Schadstoffe aus dem Inneren ins Meer gelangen könnten.

Die Costa Concordia war im Januar 2012 auf Grund gelaufen und auf die Seite gekippt. Zu dem Zeitpunkt waren mehr als 4200 Kreuzfahrtgäste an Bord, 32 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.

Der damalige Kapitän Francesco Schettino steht unter anderem wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:17 Uhr