Aus für Transrapid in Bayern

Vorzeigestrecke an unerwartet hohen Kosten gescheitert

Transrapid: In Bayern ist das Projekt nun endgültig gescheitert. (AP)
Transrapid: In Bayern ist das Projekt nun endgültig gescheitert. (AP)

Das Projekt Transrapid in Bayern ist gescheitert: Die geplante Verbindung zwischen München und dem Flughafen bei Freising wird wegen zu hoher Kosten nicht gebaut. Sowohl der Bund als auch der Freistaat Bayern könnten die Finanzierung nicht mehr sicherstellen, sagte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) nach einem Krisentreffen in Berlin.

Die Industrie schätze die Kosten für das Projekt derzeit auf etwa 3,2 bis 3,4 Milliarden Euro. In der Machbarkeitsstudie von 2002 war noch von 1,85 Milliarden die Rede gewesen. Die Hälfte davon sollte vom Staat getragen werden. Die Industrie will laut Tiefensee die Magnet-Schwebetechnik weiterverfolgen und sieht auch ohne die Vorzeigestrecke in Bayern Chancen für die Gewinnung neuer ausländischer Kunden. (Gerhard Irmler berichtet, MP3-Audio)

Der CSU-Verkehrsexperte Hans-Peter Friedrich sagte im Deutschlandfunk, dies sei ein enttäuschender Tag für München ebenso wie für den Standort Deutschland. Eine wichtige Erfindung sei gescheitert, und nun müsse man zusehen, wie andere sie bauten. Zugleich stellte er die Absage des Projekts angesichts der Kostenexplosion als alternativlos dar. (Text/ MP3-Audio)

Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (links) und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee geben im Bundesverkehrsministerium in Berlin das Ende des Tramsrapid bekannt. (AP)Günther Beckstein (links) und Wolfgang Tiefensee geben das Ende des Tramsrapids bekannt. (AP)Auch Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) bedauerte die Entscheidung. Es sei nicht nachzuvollziehen, wie es innerhalb von sechs Monaten zu der erheblichen Kostensteigerung bei der Planung gekommen sei. Trotz des Scheiterns in Bayern sieht Beckstein noch Chancen für die Transrapid-Technologie. Er hoffe auf arabische Länder, die USA oder China als Partner.

Die Deutsche Bahn zeigte sich unzufrieden mit der Entscheidung. Auch vonseiten der bayerischen SPD gab es Kritik. Das endgültige Scheitern des Milliardenprojekts sei "eine vernichtende Niederlage für die CSU-Staatsregierung", sagte der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. Die Regierung habe jetzt zugeben müssen, dass sie aufs falsche Pferd gesetzt und sich "total vergallopiert" habe (über Reaktionen aus Bayern berichtete Tim Aßmann in der Sendung "Deutschland heute" im Deutschlandfunk MP3-Audio).

Erst nach jahrelangem Tauziehen hatten der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und sein damaliger Wirtschaftsminister Erwin Huber am 25. September 2007 die Einigung über die Finanzierung bekannt gegeben. Da die Entscheidung kurz vor Stoibers Ausscheiden aus dem Amt des Ministerpräsidenten verkündet wurde, sprachen einige Kritiker vom "Edmund-Stoiber-Gedächtnisflitzer".



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:28 Uhr