Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Austritt light" aus der Kirche ist nicht möglich

Theologe scheitert vor Bundesverwaltungsgericht

Die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche ist nur mit vollen Rechten und Pflichten möglich (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)
Die Mitgliedschaft in der katholischen Kirche ist nur mit vollen Rechten und Pflichten möglich (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)

Wer keine Kirchensteuer mehr zahlt, kann auch kein Mitglied in der katholischen Kirche als Glaubensgemeinschaft bleiben. So hat das oberste deutsche Verwaltungsgericht entschieden und damit den "Kirchensteuer-Rebellen" Hartmut Zapp zurückgewiesen.

Kern des Streits war die Frage, ob ein Katholik beim Amtsgericht beziehungsweise auf dem Standesamt seinen Kirchenaustritt erklären kann – was zur Folge hat, dass er keine Kirchensteuer mehr zahlen muss – und dennoch gläubiger und aktiver Teilnehmer am kirchlichen Leben bleiben kann.

Entscheidung ist Grundsatzurteil

Der Kirchenrechtler Hartmut Zapp (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)Hartmut Zapp (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)Hartmut Zapp, emeritierter Kirchenrechtler aus Freiburg, hatte 2007 seinen Austritt aus der katholischen Kirche als Körperschaft des Öffentlichen Rechts erklärt. Zapp sah sich aber weiter als Teil der Glaubensgemeinschaft. Der Rechtsstreit zog sich über mehrere Instanzen und hatte auch deshalb Aufmerksamkeit erregt, weil das derzeitige System der Kirchensteuer in Deutschland möglicherweise nicht zu halten gewesen wäre, wenn sich Zapp durchgesetzt hätte.

Das Bundesverwaltungsgericht entschied, dass es keine Aufspaltung zwischen der Kirche und der Körperschaft des Öffentlichen Rechts gebe; letztere sei Teil der Bezeichnung der Religionsgemeinschaft und kein Zusatz. Daraus folgerte der Vorsitzende des 6. Senats, dass Zapp "ohne Wenn und Aber" ausgetreten und kein Mitglied der katholischen Kirche mehr sei, berichtet Claudia Altmann im Deutschlandfunk. Einen "Austritt light" gebe es demzufolge nicht.

Kirche: Steuergerechtigkeit gesichert

Die Erzdiözese Freiburg sieht in dem Urteil ein Zeichen für Steuergerechtigkeit und Rechtsklarheit. "Es geht hier um Solidarität. Wer zur katholischen Kirche gehört und durch ein Einkommen dazu in der Lage ist, leistet auch einen finanziellen Beitrag", teilte die Diözese von Erzbischof Robert Zollitsch mit.

Das Bündnis "Wir sind Kirche" erklärte, es handele sich um ein erwartbares Urteil. "Nach wie vor setzt sich die Kirchenvolksbewegung dafür ein, dass das Kirchensteuersystem sowie die Finanzverwaltung innerhalb der römisch-katholischen Kirche in Deutschland einer grundsätzlichen Revision unterzogen wird", schrieb die Initiative in einer Mitteilung.

Die katholische Kirche hatte sich in der vergangenen Woche eindeutig positioniert. In einem Dekret der Bischofskonferenz stellte sie fest: Entweder ist jemand Kirchenmitglied mit allen Rechten und Pflichten – oder gar nichts. Ein Austritt führe nicht mehr automatisch zur Exkommunikation, wohl aber zum Verlust fast aller kirchlichen Rechte. Die katholische Kirche will verstärkt den direkten Dialog mit Austrittswilligen suchen, um sie möglicherweise umzustimmen.

In Europa gibt es zahlreiche Modelle, wie sich die Kirchen finanzieren. Per Steuer geschieht das in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Dänemark und Schweden. In Italien oder Spanien muss jeder Steuerpflichtige eine "Mandatssteuer" zahlen. Man kann aber selbst entscheiden, ob diese der Kirche oder staatlich festgelegten sozialen Zwecken zugutekommen soll. In Großbritannien bekommen Anglikanische und Römisch-Katholische Kirche kein Geld vom Staat, haben aber recht umfangreiche Vermögensbestände. Darüber hinaus sind die britischen Kirchen auf Spenden angewiesen. In Frankreich und den Niederlanden finanzieren sich die Kirchen fast komplett durch Spenden.

Mehr zum Thema Kirchensteuer bei dradio.de:

Post vom Pfarrer – Kommentar: Bischofskonferenz regelt Kirchenaustritt neu
(K)eine katholische Alternative – Die Alt-Katholiken können einen leichten Zuwachs verzeichnen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Entdeckertag

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Kampf gegen FluchtursachenFür mehr Lebensräume entlang der Migrationsrouten

Afrikaner stehen an der Reling eines Schiffes, mit dem Rücken zur Kamera. (AFP)

Man solle Flüchtlinge nicht nur als Opfer betrachten, sondern als Menschen, die eine Wirtschaftsleistung erbringen können und wollen. Das sagt der Entwicklungshelfer Kilian Kleinschmidt und plädiert für Sonderentwicklungszonen in Afrika.

VW-Bußgeld Was tun mit einer Milliarde Euro?

Autoturm im Hauptgeschäftssitz von Volkswagen in Wolfsburg (AFP / Odd Andersen)

Gefangen im Abgasskandal hat VW ein Bußgeld von einer Milliarde Euro akzeptiert – und prompt an die Landeskasse des gesetzlichen Empfängers Niedersachsen überwiesen. Der unverhoffte Geldsegen bereitet kurz vor der Haushaltsklausur der rot-schwarzen Regierungskoalition viel Kopfzerbrechen.

Nachhaltige MobilitätStädtetag will weg von der "autogerechten Stadt"

In der autofreien Siedlung Vauban queren Fahrradfahrer eine Straßenbahnlinie. (imago/viennaslide)

Jahrzehntelang waren deutsche Städte vor allem aus einer Perspektive gedacht: der des Autofahrers. Mittlerweile setzt sich eine neue Denkweise durch, die Städte sollen menschen- statt autogerecht sein. Das findet auch der Kommunalverband Deutscher Städtetag. Nur: Wer soll das bezahlen?

Geistlicher Missbrauch Keine Widerrede erlaubt

Ein Mann hinter einer nicht ganz transparenten Scheibe - die Hände am Glas (imago/Gerhard Leber)

Ein Ehepaar fühlt sich geistlich missbraucht durch den Pastor seiner freien evangelischen Gemeinde. Denn als das Paar Zweifel an der Missionsstrategie äußert, kommt es zum Ausschluss - und zu massiven Beschimpfungen. Der Dachverband - die Evangelische Allianz - kennt einige solcher Fälle - und ist machtlos.

Europäischer Autorengipfel in BerlinIch fühle mich als Europäer, weil ...

Ein großes Bronzedenkmal der "Europa auf dem Stier mit Erdkugel und Taube" steht im Hafen der kretischen Stadt Agios Nikolaos. (picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Warum fühlen Sie sich als Europäer? Und wie hieße ein Buch, das Sie über Europa schreiben? Das fragen wir die 20 Autorinnen und Autoren, die sich heute auf dem Blauen Sofa in Berlin treffen. Unter ihnen sind Terézia Mora, Guy Helminger und Janne Teller.

D-Mark-Einführung vor 70 Jahren"Die D-Mark war eine weltweit geachtete Währung"

D-Mark-Geldscheine und -Münzen (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)

Auch 16 Jahre nach Einführung des Euro wird die D-Mark geschätzt: Rund 5,9 Milliarden D-Mark Banknoten seien noch immer im Umlauf, sagte Johannes Beermann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, im Dlf. Von ihrer Einführung vor 70 Jahren bis zur Abschaffung habe die Währung an Wert gewonnen und sei weltweit beliebt gewesen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Koalitionskrach  Merkel ruft CSU zur Sacharbeit auf | mehr

Kulturnachrichten

Neue Doppelspitze bei der Berlinale | mehr

 

| mehr