Ban Ki Moon befürchtet Auflösung Syriens

UNO sieht zudem kaum noch Ressourcen für Flüchtlinge

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (dpa / picture alliance / Sandro Campardo)
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon (dpa / picture alliance / Sandro Campardo)

Der Bürgerkrieg in Syrien geht ins dritte Jahr. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon warnt nun vor einem Zerfall des Landes. Aus Syrien sind inzwischen nach Angaben der Vereinten Nationen fast eine Million Menschen geflohen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte in Genf, die UNO-Hilfsorganisationen und ihre Partner in den Aufnahmestaaten hätten kaum noch Ressourcen für Neuankömmlinge. Jeden Tag kämen über 5000 Menschen hinzu. Insgesamt nähere sich die Zahl der Flüchtlinge einer Million.

In etwa zwei Wochen treten wir in das dritte Jahr dieser Krise ein", rechnete Ban vor. "Wie lange müssen wir noch mit ansehen, wie Menschen getötet und vertrieben werden?" Der UNO-Generalsekretär rief die Bürgerkriegsparteien dazu auf, an den Verhandlungstisch zu kommen. Die militärische Lösung werde zur Auflösung Syriens führen, so Ban.

Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche erklärten, die meisten Flüchtlinge in Syriens Nachbarländern seien Frauen und Kinder. Für bereits in Deutschland lebende Syrer sei es aber fast unmöglich, Angehörige zu sich zu holen. Hier könnte ein vereinfachter Familiennachzug helfen, schlugen der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung und der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle vor. Beide sind in ihren Kirchen Fachleute für Migrationsfragen.

Schockenhoff: Moskau handelt gegen eigene Interessen

Andreas Schockenhoff (CDU) (schockenhoff.de)Andreas Schockenhoff (CDU) (schockenhoff.de)Der Koordinator für die deutsch-russische Zusammenarbeit, Andreas Schockenhoff, verlangte unterdessen im Syrien-Konflikt mehr Druck auf Russland. Schockenhoff sagte im Deutschlandfunk, man müsse der Regierung in Moskau klarmachen, dass sie mit ihrer Verweigerung von Hilfe für die syrische Opposition gegen ihre eigenen Interessen handele. Je mehr Zeit ins Land gehe, desto größer sei die Gefahr, dass das Land in die Hände von Islamisten falle, betonte der CDU-Politiker. Auf dem Treffen der Syrien-Kontaktgruppe in dieser Woche in Rom hatten die USA den syrischen Rebellen erstmals direkte Unterstützung zugesagt. Die russische Führung kritisierte, dadurch werde neues Blutvergießen provoziert.

Russlands Präsident Wladimir Putin beriet am Freitag am Telefon mit seinem US-Amtskollegen Barack Obama über die Lage in Syrien. Putin betonte, die militärischen Aktivitäten müssten "so schnell wie möglich" eingestellt werden, teilte der Kreml mit. Russland gehört zu den Unterstützern der Regierung von Präsident Baschar al-Assad.

Dutzende Tote in Raka

Bei neuen Kämpfen im Norden Syriens sind nach Aktivistenangaben erneut zahlreiche Menschen getötet worden. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London meldete, Rebellen hätten sich in der Stadt Raka Gefechte mit Regierungstruppen geliefert. Die Armee habe mehrere Viertel der Stadt unter Beschuss genommen. Raka liegt rund einhundert Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr