Begehrt und kritisch beäugt: Ausländische Fachkräfte für Deutschland

Integrationsgipfel der Bundesregierung in Berlin

Fachkräfte fehlen auch in den Naturwissenschaften (picture alliance / dpa / Jan-Peter Kasper)
Fachkräfte fehlen auch in den Naturwissenschaften (picture alliance / dpa / Jan-Peter Kasper)

Vor dem sechsten Integrationsgipfel im Kanzleramt hat Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vom Koalitionspartner CSU mehr Beweglichkeit gefordert: Die Partei solle ihre Bedenken gegen mehr Zuwanderung zurückstellen. Die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt ist Hauptthema des Gipfels.

Im Kampf gegen den Fachkräftemangel sei eine stärkere Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer aus dem Ausland notwendig, der Bedarf an Fachkräften könne nicht allein im Inland gedeckt werden, sagte Rösler "Spiegel Online". Das müsse auch die CSU wissen: "Qualifizierte Zuwanderung nach Deutschland liegt im ureigenen Interesse auch der deutschen und auch bayerischen Unternehmen".

Rösler forderte erneut die Einführung einer doppelten Staatsbürgerschaft, wie sie vom Koalitionspartner CDU/CSU bislang abgelehnt wird. Zugleich plädierte er für ein Punktesystem für Zuwanderer nach kanadischem Vorbild. Eine Million Menschen seien 2012 neu nach Deutschland gekommen. Der Zuzug müsse aber besser gesteuert werden, viele qualifizierte Fachkräfte machten immer noch einen Bogen um Deutschland. Kanada sei mit seinem Punktesystem ein hervorragendes Vorbild.

Malmström: Ohne Zuwanderer läuft die Wirtschaft nicht

Die EU-Kommissarin für Innenpolitik, Anna Cecilia Malmström, betonte die Bedeutung von Zuwanderern für die europäische Wirtschaft. Im Deutschlandfunk sagte sie, die Demografie zwinge Europa dazu, zusätzliche Fachkräfte anzuwerben. Wie das geschehe, liege aber in der Verantwortung der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten. Alle europäischen Länder hätten zurzeit Probleme mit der Integration von Migranten. Welche Defizite Deutschland habe, dazu wollte die EU-Kommissarin sich nicht äußern. Es sei nicht ihre Aufgabe, einzelnen Regierungen Ratschläge zu erteilen. Brüssel habe im Bereich der Zuwanderung keine Gesetzgebungskompetenz. Dies sei auch richtig so, da Integration am besten auf lokaler Ebene funktioniere.

Arbeitsmarkt im Mittelpunkt des Gipfels

Die Eingliederung von Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt ist das Schwerpunktthema des sechsten Integrationsgipfels heute in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU) haben rund 100 Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen und Migranten ins Bundeskanzleramt geladen.

Merkel hatte das Thema Integration 2006 zur Chefsache erklärt und damals zum ersten Treffen eingeladen. Kritiker beklagen, die Veranstaltung habe lediglich Symbolcharakter und liefere zu wenig konkrete Ergebnisse.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:11 Uhr