Behörden wollen sich bei Rechtschreibreform abstimmen

Treffen von Vertretern deutschsprachiger Länder in Wien

Schüler üben die neue Rechtschreibung (AP)
Schüler üben die neue Rechtschreibung (AP)

In der Diskussion um die Rechtschreibreform wollen die Bildungsbehörden der deutschsprachigen Länder das weitere Vorgehen nun gemeinsam abstimmen. Ein Treffen von Vertretern Deutschlands, der Schweiz, Österreichs und Liechtensteins sei noch für August vorgesehen, teilten die Schweizer Behörden mit. Die Konferenz werde in Wien stattfinden. Nach dem Abrücken mehrerer deutscher Großverlage von den neuen Schreibregeln bestehe Handlungsbedarf.

Unterdessen erwartet die baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan (CDU) bald klärende Vorschläge eines "Rats für deutsche Rechtschreibung", in dem Vertreter zahlreicher Institutionen über eine Weiterentwicklung der Sprache beraten sollen. "Es kann nicht sein, dass die Politik entscheidet, wie etwas geschrieben wird", sagte Schavan der "Welt am Sonntag".

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (ebenfalls CDU) forderte seine Kollegen in den anderen Bundesländern zur Rücknahme der Regelungen im Herbst auf. Damit würde man dem Wunsch der großen Mehrheit der Deutschen nachkommen, sagte Wulff der "Bild am Sonntag".

Althaus: "Ich bin gegen eine Reform der Reform"

Der Duden (AP)Der Duden (AP)Allerdings gibt es in der Union auch Widerspruch. "Ich bin gegen eine Reform der Reform", sagte Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) der "Berliner Zeitung".

Kritik gibt es auch in der SPD. "Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln - das hilft niemandem", sagte der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck in der ARD. Bislang hätten rund zwölf Millionen Schüler die neue Rechtschreibung ohne größere Probleme gelernt. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) erklärte im Berliner "Tagesspiegel", die Ankündigung der Verlage habe "viel mit Kampagne und Public Relations", aber "wenig mit Inhalt zu tun".

Westerwelle: Rechtschreibreform überflüssig wie ein Kropf"

Dagegen sprach sich FDP-Chef Guido Westerwelle für die Rückkehr zur alten Rechtschreibung aus. "Die neue Rechtschreibung ist so überflüssig wie ein Kropf", sagte er in der "Welt am Sonntag". Er werde dafür kämpfen, dass sie rückgängig gemacht werde. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber solle im Bundesrat einen entsprechenden Antrag einreichen, so Westerwelle weiter.

Kommission: Ankündigung ist "Erpressungsversuch"

Der Geschäftsführer der Rechtschreibkommission, Klaus Heller, nannte den Vorstoß der beiden großen Verlage einen "Erpressungsversuch". Er halte dieses Vorgehen für "unmoralisch", da die Rechtschreibreform ein jahrzehntelanger demokratischer Prozess gewesen sei. Es könne nicht angehen, dass in der Schule anderes gelehrt werde, als das was in den Zeitungen steht.

Aust verteidigt Entscheidung

Stefan Aust, Schriftsteller und Publizist (AP Archiv)Stefan Aust, Chefredakteur des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL (AP Archiv)Der Chefredakteur des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", Stefan Aust, verteidigte die Entscheidung seines Verlags, zu den alten Rechtschreibregeln zurückzukehren. Es gebe inzwischen viele verschiedene Schreibweisen, das führe zu Verwirrung. Die Rechtschreibreform sei bürokratischer Zwang, sagte Aust im Deutschlandfunk.
Interview mit Stefan Aust im Wortlaut


Schweizer gegen Rückkehr zur alten Rechtschreibung

Schweizer Bildungspolitiker lehnen eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung ab. Das würde an den Schulen zu Chaos führen, sagte Ulrich Stöckling, Präsident der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EKD), der "Neuen Zürcher Zeitung". Die EKD bildet das Pendant zur deutschen Kultusministerkonferenz (KMK).

In einem Zeitungsständer stecken in Bremen das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und die Tageszeitungen "Die Welt" und "Bild" aus dem Axel-Springer-Verlag (AP)Auch "Spiegel", "Die Welt" und "Bild" wollen bald zur alten Rechtschreibung zurückkehren. (AP)Stöckling betonte, dass mit viel Geld sämtliche Lehrmittel umgestellt wurden und Lehrer in teuren Kursen die neuen Regeln erlernt hätten, eine erneute Umstellung sei "volkswirtschaftlicher Blödsinn". Bei einer Rückkehr zur alten Rechtschreiung wüssten weder Schüler noch Lehrer welche Regeln nun gelten. Dann drohe eine völlige Verwilderung der Sprache. Stöckling verteidigte die Rechtschreibreform. Evaluationen hätten gezeigt, dass die Schüler mit den neuen Regeln weniger Fehler machen als vorher.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:06 Uhr