Startseite > zu klären > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 24.03.2012

"Benedikt, Bruder, Du bist schon Mexikaner"

Papst von Hunderttausenden empfangen

Benedikt und Staatschef Calderon thematisieren auch die Drogengewalt in Mexiko (picture alliance / dpa / ETTORE FERRARI)
Benedikt und Staatschef Calderon thematisieren auch die Drogengewalt in Mexiko (picture alliance / dpa / ETTORE FERRARI)

Benedikt XVI. hat in Mexiko seine sechstägige Lateinamerikareise begonnen. Zum Auftakt verurteilte das Kirchenoberhaupt die Gewalt in dem vom Drogenkrieg zerrütteten Land.

Hunderttausende Menschen erlebten die Ankunft des Papstes in dem mittelamerikanischen Staat. Zum Auftakt seiner sechstägigen Lateinamerikareise wies das Oberhaupt der Katholischen Kirche auf das Grundrecht der Religionsfreiheit hin. In einer kurzen Ansprache auf dem internationalen Flughafen in Silaovon forderte er alle Christen auf, ihren Glauben zu erneuern. Zugleich versicherte der Papst, er werde für alle beten, die unter jeglicher Form von Gewalt litten. "Dies ist ein stolzes Land der Gastfreundschaft und in Ihrem Land fühlt sich keiner wie ein Fremder."

Während seiner Anreise verurteilte Benedikt den blutigen Drogenkrieg mit mehr als 47.000 Toten seit 2006 in Mexiko. "Wir müssen alles tun, dieses zerstörerische Böse zu bekämpfen, das sich gegen die Menschheit und die Jugend richtet", betonte er und sicherte seine moralische Unterstützung zu: "Es ist die Aufgabe der Kirche, das Gewissen zu bilden, zur moralischen Verantwortung anzuhalten und das Böse zu entlarven, die Vergötterung des Geldes zu demaskieren, die den Menschen versklavt, und die falschen Versprechen der Drogen, ihre Lügen und der damit verbundene Betrug."

Begrüßt wurde Benedikt von Präsident Felipe Calderon und dessen Frau Margarita Zavala. "Ihr Besuch in Mexiko in dieser Situation ist ein Akt der Solidarität, den wir nie vergessen werden", sagte Calderon. Mexiko befinde sich in einer schwierigen Lage, erklärte er mit Blick auf den Drogenkrieg.

"Benedicto hermano, ya eres Mexicano!"

Die Bevölkerung im zentralmexikanischen Bundesstaat Guanajuato bereitete ihm gestern Nachmittag einen lebhaften Empfang. Kinder überreichten Blumengebinde, Folkloregruppen sangen, viele Menschen säumten den rund 35 Kilometer langen Weg vom Flughafen zur Unterkunft des Papstes in der zentral gelegenen Stadt Leon. Sie riefen "Benedicto hermano, ya eres Mexicano!" ("Benedikt, Bruder, Du bist schon Mexikaner"). Vatikansprecher Federico Lombardi sprach von 600.000 bis 700.000 Menschen, die die Ankunft mitverfolgt hätten. Der Papstbesuch in Leon steht unter massiven Sicherheitsvorkehrungen. 13.000 bewaffnete Einheiten sind für den Schutz des Kirchenoberhaupts aufgeboten.

Mit Rücksicht auf die Gesundheit des bald 85-Jährigen ist der Samstag weitgehend frei von Programmpunkten. Am Nachmittag ist am Sitz des Gouverneurs eine voraussichtlich halbstündige Unterredung mit Staatschef Calderon vorgesehen. Höhepunkt des Pastoralbesuches in Mexiko ist am Sonntag eine feierliche Messe, zu der 600.000 Gläubige erwartet werden.

Verschärftes Vorgehen gegen Dissidenten in Kuba vor Papstbesuch

Kuba sieht der Ankunft des Papstes entgegen (picture alliance / dpa / Denise Koch)Kuba sieht der Ankunft des Papstes entgegen (picture alliance / dpa / Denise Koch)Das Oberhaupt der Katholischen Kirche wird am Montag in Kuba erwartet. Dort geht die Führung im Vorfeld des Papstbesuchs offenbar massiv gegen Dissidenten vor. Wie die Organisation "Human Rights Watch" mitteilte, gibt es zahlreiche Berichte über Festnahmen, Einschüchterungen und Repressionen. Mehr als 80 Mitglieder einer Protestgruppe seien bei einem Gedenkmarsch in Polizeiarrest gebracht worden.

Die Katholiken haben in den letzten Jahren einige Freiräume in Kuba hinzugewonnen. Dass Benedikt jetzt kommt, ist ein weiteres Zeichen der Annäherung, wie die Sendung Weltzeit berichtete.

Benedikt zeigt sich erstmals mit schwarzen Gehstock

Zu den Spekulationen über den Gesundheitszustand des Papstes meinte Vatikansprecher Lombardi, der Papst fühle sich "fantastisch". Seit Montag hatte Benedikt keine Termine mehr wahrgenommen und auch die wöchentliche Generalaudienz am Mittwoch ausfallen lassen. Bei der Abreise in Rom am Freitagmorgen benutzte er für die wenigen Schritte zum Flugzeug einen schwarzen Gehstock. Es war das erste Mal, dass er sich so in der Öffentlichkeit zeigte. Seit längerem verwendet er einen Stock auch bei Spaziergängen in den Vatikanischen Gärten. Bei Gottesdiensten im weiträumigen Petersdom bedient er sich inzwischen einer fahrbaren Plattform.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Im Taxi durch Havanna

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:49 Uhr