Berliner Lehrer und Erzieher starten Warnstreik

Gewerkschaften fordern für Beschäftigte im öffentlichen Dienst 6,5 Prozent mehr Lohn

Warnstreik in einer Kindertagesstätte (Archivbild) (dpa / Oliver Berg)
Warnstreik in einer Kindertagesstätte (Archivbild) (dpa / Oliver Berg)

Angestellte Lehrer und Erzieher in Berlin haben einen ganztägigen Warnstreik begonnen. Ab heute sind Ausstände in weiteren Bundesländern geplant. Damit erhöhen die Gewerkschaften im Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst den Druck auf die Länder.

Die Gewerkschaften fordern für die rund 800.000 Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder eine Lohnerhöhung von 6,5 Prozent, für Auszubildende eine Übernahmegarantie und 100 Euro mehr pro Monat - doch bislang vergeblich. Nun wollen die Arbeitnehmervertreter den Druck erhöhen und eine bundesweite Streikwelle starten: Angestellte Lehrer und Erzieher in Berlin machten den Anfang. Ab Dienstag sind weitere Ausstände in anderen Bundesländern geplant. Zahlreiche Schulen müssen sich auf Unterrichtsausfall einstellen.

Der stellvertretende Vorsitzende der dbb-Bundestarifkommission und Chef des Sächsischen Lehrerverbands, Jens Weichelt, erklärte im Deutschlandradio Kultur, im Lehrerbereich gebe es deutliche Gehaltsgefälle und zwar auf zwei Ebenen: Die Unterschiede könnten im Vergleich der Bundesländer schon mal tausend Euro betragen. Hinzu komme aber auch, dass es selbst innerhalb einer Schulart ein Gefälle gebe. Im Allgemeinen gleiche die Forderung der Gewerkschaften letztlich nur dem Abschluss, der für die Beschäftigten von Bund und Kommunen im Jahr 2012 erzielt worden sei. Es sei nur "recht und billig", jetzt auch die gleichen Einkommensbedingungen für die Länder-Beschäftigten zu schaffen.

In der vergangenen Woche waren die Tarifverhandlungen zwischen Ver.di, der Bildungsgewerkschaft GEW und der Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf der einen Seite sowie den Bundesländern auf der anderen Seite in Potsdam ergebnislos vertagt worden. "Die Arbeitgeber haben keine Bereitschaft erkennen lassen, in der zweiten Runde ein Angebot vorzulegen. Das ist nicht akzeptabel", sagte der Ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske.

Der Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner zeigte ein gewisses Verständnis für den Unmut der angestellten Lehrer und Erzieher. "Die Situation an Schulen und Kitas ist alles andere als zufriedenstellend", so Wegener. Aufgrund von personellen Engpässen könne die von den Eltern geforderte und vom Senat in Aussicht gestellte Qualität oft nicht erreicht werden. Dies sorge bei Eltern und Pädagogen für Unmut.

Bis 2030 braucht Berlin 60 neue Schulen

Das Problem könnte sich nach einem Bericht der "Berliner Morgenpost" in Zukunft zudem noch verschärfen. Nach einer Bevölkerungsprognose von Stadtentwicklungsminister Michael Müller (SPD) werden im Jahr 2030 65.000 Kinder und Jugendliche mehr in Berlin leben als heute. Das Blatt schreibt, diese Prognose bedeute, dass die Stadt in den nächsten Jahren rund 60 neue Schulen benötige. Ein Neubau koste allerdings zwischen 10 und 25 Millionen Euro. Deshalb werde sich der rot-schwarze Senat heute auf einer Klausurtagung auch mit diesem Thema beschäftigen.

Nach GEW-Angaben erhält ein angestellter Lehrer in 40 Berufsjahren insgesamt 150.000 Euro netto weniger als ein Beamter. In Berlin werden Lehrer seit 2004 nicht mehr verbeamtet. Mittlerweile gibt es 8.000 Angestellte in diesem Bereich. Bereits Mitte Januar hatten Pädagogen an mehr als 100 Schulen für ihre Forderungen zeitweise die Arbeit niedergelegt.

Am 7. und 8. März ist in Potsdam die dritte Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaften und Ländern geplant.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr