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Berlusconi will Koalition mit Bersani

Italiens Präsident nimmt Konsultationen für Regierungsbildung wieder auf

Pier Luigi Bersani sucht die Mehrheit nach der Wahl in Italien (picture alliance / dpa / Alessandro Di Meo)
Pier Luigi Bersani sucht die Mehrheit nach der Wahl in Italien (picture alliance / dpa / Alessandro Di Meo)

Nach der gescheiterten Regierungsbildung in Italien hat Staatspräsident Napolitano neue Konsultationen aufgenommen. Ex-Ministerpräsident Berlusconi sagte ihm, er strebe eine Koalition mit dem Mitte-Links-Bündnis des Politikers Bersani an - doch der lehnt das ab.

Er sei auch bereit, Pier Luigi Bersani als Regierungschef zu akzeptieren, sagte Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi nach dem Treffen mit Staatschef Giorgio Napolitano in Rom. Eine weitere Technokraten-Regierung wie die des scheidenden Ministerpräsidenten Mario Monti werde er allerdings nicht unterstützen. Bersanis Demokratische Partei erklärte dagegen erneut, eine Zusammenarbeit mit Berlusconi komme nicht in Frage.

Italiens Präsident Napolitano hat außerdem mit der Protestbewegung "Fünf Sterne" des Komikers Beppe Grillo gesprochen. Doch die hält an ihrer Blockade fest und will sich an keiner Koalition beteiligen, berichtet unser Korrespondent Jan-Christoph Kitzler im Deutschlandfunk.

Patt dauert an

Der linksgerichtete Politiker Bersani hatte gestern erklärt, dass es ihm nicht gelungen sei, eine regierungsfähige Mehrheit zu bilden. Sein Bündnis verfügt nur im Abgeordnetenhaus, nicht aber im Senat über eine ausreichende Mehrheit.

Er sei bei den sechstägigen Sondierungen mit unannehmbaren Bedingungen konfrontiert worden, sagte Bersani mit Blick auf Forderungen aus dem Lager des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi. Bersani war von Napolitano am vergangenen Freitag eingesetzt worden, sich eine breite Regierungsmehrheit zu suchen.

Grillo möchte nicht mit Bersani koalieren

Komiker und Politiker Beppe Grillo (picture alliance / dpa / Riccardo Antimiani)Komiker und Politiker Beppe Grillo (picture alliance / dpa / Riccardo Antimiani)Das Mitte-Links-Bündnis hatte die Wahlen in Italien Ende Februar gewonnen, braucht im Senat aber einen Koalitionspartner. Während Bersanis Bündnis im Abgeordnetenhaus über eine Mehrheit verfügt, haben sich im gleichberechtigten Senat drei etwa gleich starke Blöcke gebildet. Die populistische Bewegung "Fünf Sterne" lehnte es ab, Bersani das Vertrauen auszusprechen. Bersani seinerseits wollte keine große Koalition mit dem Mitte-Rechts-Bündnis Berlusconis eingehen. Wird keine Lösung gefunden, könnte es Neuwahlen geben.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr