Bistum Limburg will Neuanfang

Pfarrer: Rückkehr von Tebartz-van Elst "kaum vorstellbar"

Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vor dem Dom in Limburg (picture alliance / dpa / Frank May)
Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vor dem Dom in Limburg (picture alliance / dpa / Frank May)

Der Papst verordnet dem umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst eine Auszeit. Doch eine Zukunft für ihn in der Diözese können sich dort nur wenige vorstellen. Vielmehr wird mit einem Neuanfang ohne ihn gerechnet. Das Vertrauensverhältnis sei "weitgehend zerstört".

Nach Auffassung des Vatikans wird der Bischof seinen Dienst "zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausüben" können und eine Zeit außerhalb der Diözese verbringen - wo und mit welcher Aufgabe wurde nicht mitgeteilt. Die deutschen katholischen Bischöfe zeigten sich erleichtert ob der verordneten Auszeit. In Limburg hätten sich die Katholiken mehr Klarheit erhofft. Sie müssen abwarten, zu welchem Ergebnis die Prüfungskommission kommt, die von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzt wurde, um die Baukosten der Limburger Residenz zu prüfen.

Unruhe durch Atempause

"Es geht uns ja hier seit langem nicht mehr nur um die Frage der Finanzen dieses Bischofshauses", sagte Ludwig Reichert, Caritas-Pfarrer im Bistum Limburg, im Deutschlandfunk. "Die Vertrauensbasis ist nicht mehr da. Das Vertrauen in den Bischof ist weitgehend zerstört." Der Sprecher des Hofheimer Kreises, ein Zusammenschluss mehrerer kritischer Priester, sagte, er könne nicht erkennen, wie dieses Vertrauen wieder hergestellt werden solle. "Die Stimmung, die Situation ist im Moment im Bistum so, dass ein neuer Anfang mit diesem Bischof kaum vorstellbar ist."

Das Domkapitel in Limburg hatte sich gestern einstimmig gegen eine Rückkehr von Tebartz-van Elst ausgesprochen. In dieser Deutlichkeit habe man das noch nicht erlebt, erklärte Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke im Deutschlandfunk. Es sei gut, dass Tebartz-van Elst nun eine Auszeit nehme. "Der Bischof sieht ja auch, dass er gegen die Gläubigen nicht sein Amt ausüben kann."

Der Unternehmensberater und Buchautor Anselm Bilgri sieht sich nach der Entscheidung in seiner Skepsis gegenüber dem Reformwillen von Papst Franziskus bestätigt. Zwar setze sich Franziskus stärker für die Armen ein, die Kirchenstrukturen aber ließe er unangetastet. "Da ist er eigentlich ganz konservativ", sagte Bilgri im Deutschlandradio Kultur.

Eine kaum lösbare Vertrauenskrise

Papst Franziskus auf dem Petersplatz vor der Statue der Madonna von Fatima (AFP / Vincenzo Pinto)Papst Franziskus auf dem Petersplatz vor der Statue der Madonna von Fatima (AFP / Vincenzo Pinto)Auch das Limburger Domkapitel - ein Leitungsgremium - ist skeptisch, ob es für Tebartz-van Elst nach der Auszeit noch eine Zukunft in der Diözese geben kann. «Es ist eine Vertrauenskrise, die schwer zu beheben sein wird», sagte Domdekan Günther Geis. Prälat Helmut Wanka sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass zerstörtes Vertrauen wieder aufgebaut werden könne. Frankfurts Stadtdekan Johannes zu Eltz, einer der schärfsten Kritiker des Bischofs, forderte eine schnelle Klärung der Zukunft des Bischofs.

Der Limburger Bischof steht vor allem wegen seiner Amtsführung und der mindestens 31 Millionen Euro teuren Residenz auf dem Limburger Domberg in der Kritik. Ihm droht ein Strafbefehl wegen einer falschen eidesstattlichen Erklärung um einen Erste-Klasse-Flug nach Indien. Die Staatsanwaltschaft Limburg prüft zudem, ob sie nach Untreue-Anzeigen ein Ermittlungsverfahren gegen den Oberhirten einleiten wird.

Die deutschen Zeitungen bewerten die Entscheidung des Papst als klug und ausgewogen. "Glaubwürdig und sich selbst treu bleibt der Papst eben auch, indem er nicht in der Manier des absolutistischen Herrschers handelt", schreibt die "Frankfurter Rundschau". Die "Stuttgarter Zeitung" argumentiert, "die Formulierung, man habe Tebartz-van Elst eine Auszeit 'gewährt', lässt durchaus vermuten, dass Forderungen nach einem Rücktritt im Raum gestanden hatten, die der Bischof während einer Woche harter Kompromissverhandlungen gerade noch so in eine Auszeit abbiegen konnte".

Letzte Änderung: 31.10.2013 23:12 Uhr