Blutige Zusammenstöße in Ägypten

Innenminister Ibrahim gibt Islamisten die Schuld

Demonstration von Mursi-Gegnern in Kairo (picture alliance / dpa / EPA /Khaled Elfiqi)
Demonstration von Mursi-Gegnern in Kairo (picture alliance / dpa / EPA /Khaled Elfiqi)

Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des gestürzten Präsidenten Mursi haben mindestens 65 Tote gefordert. Die EU-Außenbeauftragte Ashton und Bundesaußenminister Westerwelle sind besorgt.

Über die genaue Zahl der Getöteten gibt es widersprüchliche Angaben. Das ägyptische Gesundheitsministerium geht von 65 Toten aus, während die Muslimbruderschaft von 66 Toten und 61 weiteren Menschen sprach, die nur noch mit Maschinen am Leben gehalten würden. Dazu kämen mehr als 4.000 Verletzte. Die Sicherheitskräfte hätten gezielt auf Anhänger Mursis geschossen, hieß es. An der Beerdigung erster Opfer am Samstagnachmittag nahmen tausende Islamisten teil - und schworen der Übergangsregierung Rache, berichtet unser Korrespondent Frank Ludwig.

Aktivisten: Polizei setzte scharfe Munition ein

Am Samstagvormittag war die Polizei gegen Mursi-Unterstützer vorgegangen, die sich an der Straße zum Flughafen von Kairo versammelt hatten. Die Aktivisten erklärten, dabei habe sie scharfe Munition verwendet. Die amtliche Nachrichtenagentur Mena berichtete dagegen, es sei nur Tränengas zum Einsatz gekommen. Innenminister Mohammed Ibrahim gab der Muslimbruderschaft die Schuld für die Zusammenstöße - er sprach von einer "Provokation". Die Dauerkundgebungen der Islamisten würden bald "auf legalem Weg" beendet werden.

Hunderttausende Gegner des entmachteten Präsidenten hatten sich am Freitag in mehreren großen Städten zu Kundgebungen versammelt. Sie waren einem Aufruf von Armeechef Abdel Fattah al-Sisi gefolgt, der um ein "Mandat zur Bekämpfung des Terrors" gebeten hatte. Auch die Anhänger der Muslimbrüder, die Mursi nahestehen, waren zahlreich auf die Straße gegangen. Al Dschasira stellt die rivalisierenden Proteste auf einer Landkarte dar.

"Ägypten befindet sich auf direktem Weg in Richtung Abgrund", lautet das Fazit des Publizisten und Ägypten-Kenners Michael Lüders. "Es ist ganz offensichtlich, dass die Armeeführung nicht gewillt ist, sich mit der Muslimbruderschaft einigermaßen ins Benehmen zu setzen und sie in den politischen Versöhnungsprozess zu integrieren", sagte Lüders im Deutschlandfunk.

EU-Außenbeauftragte und Bundesaußenminister Westerwelle besorgt

Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton zeigte sich angesichts der Entwicklung in Ägypten besorgt. Er rief beide Seiten zum Gewaltverzicht auf. Ashton forderte das Militär auf, wieder eine zivile Regierung einzusetzen, die alle Lager - auch das der Muslimbrüder - berücksichtigt. Darüber hinaus forderte sie erneut, alle politischen Gefangenen freizulassen, darunter Mursi. Auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ist angesichts der Gewalt in Ägypten entsetzt: "Ich bedaure, dass es die Sicherheitskräfte vergangene Nacht versäumt haben, das Leben so vieler Ägypter zu schützen", erklärte er in einer Mitteilung.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) appellierte an die ägyptischen Behörden, "friedliche Demonstrationen zuzulassen und alles zu tun, um eine weitere Eskalation zu vermeiden". "Nur im Dialog, nicht durch Gewalt kann die Zukunft Ägyptens gestaltet werden", betonte Westerwelle in Berlin.

Bislang haben die Muslimbrüder jeden Dialog mit der neuen Staatsführung abgelehnt, da sie aus einem "Militärputsch" hervorgegangen und daher illegitim sei. Der frühere Staatschef Mursi sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm die Zusammenarbeit mit der radikal-islamischen Palästinenserbewegung Hamas während eines Gefängnisausbruchs 2011 vor.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr