Radiomenschen /

 

Brigitte Baetz

Leben in der Medienwelt

Brigitte Baetz Porträtfoto ((c) Deutschlandradio/Bettina Fürst-Fastré)
Brigitte Baetz ((c) Deutschlandradio/Bettina Fürst-Fastré)

Zum Radio wollte ich eigentlich nie. Bei uns zu Hause in der fränkischen Provinz kam die große weite Welt noch per Zusteller ins Haus: die publizistischen Helden meiner Jugend hießen Marion Gräfin Dönhoff oder Theo Sommer.

Ich bewunderte die Autoren der ZEIT für ihre wohl bedachten, aber dennoch meinungsstarken Analysen und mutmaßte, dass der Weltgeist wohl in Hamburg zu Hause sein musste. Radio war dagegen Unterhaltung, ein wirkliches Nebenbei-Medium. Doch zu einer Bewerbung bei der ZEIT kam es nie.

Der Zufall führte mich gegen Ende des Studiums in Köln zum Deutschlandfunk, der gerade begann, sein Image als Frontsender aus dem Kalten Krieg mehr als erfolgreich abzustreifen. Damals ließ sich nicht ahnen, dass die digitale Revolution, die seither die Medienwelt durchgeschüttelt hat und immer noch durchrüttelt, für einen Radiosender ganz neue Möglichkeiten schaffen würde. Was sich früher einfach ›versendete‹ – journalistische Höhenflüge, aber auch Fehler – führt heute via Podcast, Audio-on-Demand oder das reine Online-Manuskript noch Wochen nach der Erstausstrahlung zu Hörerreaktionen. Das bedeutet zwar mehr Arbeit, aber auch eine große Befriedigung. Deutlicher als früher merkt man, dass das, was man da im Radio tut, auch wahrgenommen wird.

Auch die Sendung ›Markt und Medien‹, für die ich hauptsächlich als Autorin und Moderatorin tätig bin, hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Bandbreite der Themen ist heute größer als früher, unsere Welt ist mehr denn je eine Medienwelt geworden. Leider bedeutet das aber nicht, dass es um die Medien selbst besonders gut bestellt wäre. Denn während die Möglichkeiten für Medienmacher, ein großes Publikum zu erreichen, nie so gut waren wie heute, befindet sich vor allem der Printjournalismus in einer Krise. Im Zuge des Umbaus von Zeitungs- zu digitalen Medienhäusern werden Journalistenstellen abgebaut, ausgelagert, wenn nicht gar gleich ganze Redaktionen geschlossen.

Das ist eine fatale Entwicklung angesichts des täglichen Informations-Overkills, an dem PR-Macher und Lobbyisten kräftig beteiligt sind. Mehr denn je braucht es gut ausgebildete Journalisten, die Zeit haben, Hintergründe zu recherchieren, Zusammenhänge in Ruhe einzuordnen, und die im Zweifel auf die Veröffentlichung dubioser Nachrichten, die gar keine sind, verzichten. In dieser Situation trägt der öffentlich-rechtliche Rundfunk heute mehr Verantwortung als je zuvor und war nie wichtiger. Und auch deshalb bin ich heute froh, dass mich mein Berufsweg zum Radio geführt hat.

Brigitte Baetz

Redakteurin bei ›Wissenschaft und Bildung‹ im Deutschlandfunk

Deutschlandradio