Brisante Rentenerhöhung im Wahljahr 2013

Für Westrentner wohl nur ein Drittel des Ostaufschlags

Ungleiches Rentenplus in Ost und West (dpa / Jens Büttner)
Ungleiches Rentenplus in Ost und West (dpa / Jens Büttner)

Die Renten in Ostdeutschland werden wohl dreimal so stark steigen wie im Westen. Die erhebliche Differenz gehe nicht auf politische Entscheidungen zurück, sondern auf technische Faktoren, hieß es. Das Plus von einem Prozent im Westen bedeutet angesichts der Inflation faktisch ein Minus.

Von knapp 82 Millionen Einwohnern in Deutschland beziehen rund 20 Millionen eine Rente. Während sich rund vier Millionen Rentner zwischen Rügen und dem Erzgebirge auf die mit etwa drei Prozent wahrscheinlich höchste Rentenerhöhung seit 1997 freuen dürfen, zeichnen sich bei den 16,4 Millionen Altersgenossen im Westen lange Gesichter ab. Sie dürften sich mit einem Plus von einem Prozent recht mager abgespeist vorkommen. Gemessen an der gegenwärtigen Inflation von 2,0 Prozent bedeutet das Plus im Westen ein Minus. Und die Renten im Osten hinken denen im Westen weiter hinterher.

Die Zahlen basieren auf Vorausberechnungen der Deutschen Rentenversicherung. Solche Voraussagen sind natürlich noch mit Vorsicht zu genießen. Die für die exakte Rentenberechnung 2013 notwendigen Zahlen liegen erst im kommenden Frühjahr vor. Basierend auf der Prognose liefe eine Rente von 800 Euro auf eine Erhöhung um 8 Euro im Monat hinaus, im Osten auf 24 Euro. Bei 1800 Euro Monatsrente sind es 18 Euro bzw. 54 Euro mehr, ohne Abzug von Steuern.

Ursachen nicht im Politischen?

Die Differenz der Ostrente soll sich von derzeit 88,8 Prozent des Westniveaus auf 91 Prozent im kommenden Jahr verkleinern. Dass die Westrentner dann das Nachsehen haben, erklären die Experten der Rentenversicherung mit "technischen Faktoren". Insbesondere gehe es um eine Verrechnung der im Jahr 2010 unterbliebenen Rentenkürzung. Viele Zahlen, die für den Laien kaum nachvollziehbar sind.

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied (AP)Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied und Vorsitzende der Deutschen Rentenversicherung (AP)Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, sagte, die erhebliche Differenz zwischen Ost und West werde sicher für Debatten sorgen. Sie gehe aber nicht auf politische Entscheidungen zurück. Buntenbach, die auch im DGB-Vorstand sitzt, kritisierte zudem die Beschlüsse der schwarz-gelben Regierungskoalition zur Bekämpfung der Altersarmut. Die vereinbarte Voraussetzung von 40 Beitragsjahren für eine Aufstockung von Mini-Renten werde dazu führen, "dass wir die Berechtigten mit Handschlag begrüßen können", sagte Buntenbach. Das SPD-Konzept einer Solidarrente von 850 Euro im Monat sei aber "mindestens ebenso diffus wie die Beschlüsse der Koalition", sagte der Arbeitgebervertreter im Vorstand der Rentenversicherung, Alexander Gunkel. Die SPD hat bereits erkennen lassen, dass das Thema Rente eines der zentralen Wahlkampfthemen im kommenden Jahr sein wird.

Die Renten werden jedes Jahr zum 1. Juli angepasst. In diesem Jahr wurden sie im Westen um 2,18 Prozent und im Osten um 2,26 Prozent erhöht. Seit Anfang 2000 haben die Renten laut Bundesregierung etwa ein Fünftel ihrer Kaufkraft verloren: 17 Prozent im Westen und knapp 22 Prozent im Osten.

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:01 Uhr