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Britische Armee: Libysche Luftwaffe ist zerstört

Weiter Kämpfe zwischen Gaddafi-Truppen und Aufständischen

 Zerstörtes Gebäude eines Marinestützpunktes nahe Tripolis (picture alliance / dpa)
Zerstörtes Gebäude eines Marinestützpunktes nahe Tripolis (picture alliance / dpa)

Nach Einschätzung der britischen Streitkräfte ist die libysche Luftwaffe nicht mehr einsatzfähig. Die Angriffe der Alliierten konzentrieren sich unterdessen auf die Region um Adschdabija und Misrata, wo die Gaddafi-Truppen besonders massiv gegen ihre Gegner vorgehen.

Nach Einschätzung der britischen Air Force ist es inzwischen gelungen, die libysche Luftwaffe zu zerstören. Der britischen BBC sagte Greg Bagwell, der Kommandeur der britischen Luftstreitkräfte, die libysche Luftwaffe existiere nicht mehr als kämpfende Einheit. Auch die Flugabwehr des Landes sei so massiv beschädigt, dass die Flugzeuge der Koalition fast nach Belieben ihre Einsätze im Himmel über Libyen fliegen könnten.

Die Alliierten konzentrieren sich nach amerikanischen Angaben bei ihren Militäroperationen nun auf Raketenstellungen und Armeestützpunkte in der Nähe von Adschdabija und Misrata. Dort haben Gaddafis Truppen ihre Angriffe auf die Zivilbevölkerung und die Aufständischen verstärkt. In der strategisch wichtigen Stadt Adschdabija unternahmen die Aufständischen einen weiteren Versuch, Gaddafis Truppen zurückzudrängen. Die Stadt soll mittlerweile weitgehend zerstört sein. Nach Korrespondentenberichten gelingt es den Rebellen aber trotz der Luftschläge nicht, im Kampf gegen die Armee Gaddafis die Oberhand zu gewinnen. In der Nacht zum Donnerstag hieß es, dass Panzer der Regierungstruppen an den Zufahrten der Stadt Stellung bezogen hätten. In der Stadt Misrata sollen Panzer ein Krankenhaus beschossen haben.

Derweil hat der Nationalrat der Rebellen den Reform-Politiker Mahmud Dschabril zum Chef einer möglichen Übergangsregierung ernannt, wie der Fernsehsender Al-Dschasira meldet. Dschabril ist in der Vergangenheit für die Einführung der Demokratie in Libyen eingetreten.

Nato weiter uneins über Einsatzführung

Awacs-Aufklärungsflugzeug (AP)AWACS-Aufklärungsflugzeug (AP)Die USA rechnen in den kommenden Tagen mit einem Kommandowechsel beim Libyen-Einsatz. Außenministerin Hillary Clinton sprach davon, dass der NATO dabei eine bedeutende Rolle zukommen werde. Die 28 Staaten des nordatlantischen Militärbündnises haben sich noch immer nicht geeinigt, ob das Bündnis die Flugverbotszone über Libyen überwachen soll. Sie haben sich aber entschlossen, ein Waffenembargo auf See durchzusetzen. Inzwischen patrouillieren Kriegsschiffe vor der libyschen Küste. Deutschland hat seine Fregatten und Boote im Mittelmeerraum wieder unter sein nationales Kommando gestellt, um nicht in Kriegshandlungen verwickelt zu werden. Als "Gegenleistung" will Deutschland sich an AWACS-Einsätzen in Afghanistan beteiligen.

Kritik an Obama in den USA

US-Präsident Barack Obama, seit Beginn der Kampfhandlungen auf einer Lateinamerika-Reise unterwegs, steht zuhause auch in der Kritik. Filmemacher Michael Moore forderte, Obama solle seinen Friedensnobelpreis abgeben. Viele Abgeordnete finden, der US-Präsident habe seine Vollmachten beim Libyen-Einsatz deutlich überschritten, weil der Kongress nicht in die Entscheidung eingebunden wurde, wie Klaus Remme im Deutschlandfunk berichtet.

Sind Bodentruppen notwendig?

General a.D. Walter Jertz sagte im Deutschlandfunk, dass ein Luftkrieg gegen Libyen möglicherweise nicht ausreiche, um die Situation zu stabilisieren. Jertz, früher NATO-Sprecher während des Kosovo-Krieges, verglich die Situation mit den Luftangriffen im Kosovo 1999 - auch hier seien Bodentruppen zur Stabilisierung des Landes notwendig gewesen. Deren Einsatz sehe aber die UN-Resolution 1973 nicht vor.

Deutsche Politiker fordern humanitäre Hilfe

Politiker von den Grünen und der SPD haben sich für eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Libyen ausgesprochen. Es wäre ein wichtiges humanitäres Signal, wenn Deutschland als Soforthilfe 1000 Menschen aufnähme, sagte der integrationspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Memet Kilic, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dann müsse innerhalb der EU für die Flüchtlinge aus Nordafrika ein vernünftiger Verteilungsschlüssel gefunden werden. Auch der SPD-Innenexperte Sebastian Edathy sprach sich für eine europäische Quotenregelung aus. Er betonte, die Bundesregierung könne nicht den Widerstand gegen diktatorische Regime begrüßen, sich dann aber zieren, wenn Menschen dabei in Not gerieten.


Beiträge zum Thema:

Von den Kampfhandlungen und Bombardierungen in Misrata, Bengasi, Tripolis und Adschdabija in der Nacht zum Mittwoch und am Mittwoch berichtet Torsten Teichmann im Deutschlandfunk.

Interview: Luftwaffen-General a.D. Jertz erwartet Bodentruppen-Einsatz in Libyen

Interview: "Bankrott-Erklärung der westlichen Politik" - Jürgen Todenhöfer über die Bombardements in Libyen

Kommentar: Erste Kollateralschäden - Zum Streit über den Libyen-Einsatz

Der arabische Aufstand - Sammelportal

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

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