Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Buhrufe, aber auch Applaus

Unterschiedliche Reaktionen auf Katharina Wagners Regiedebüt in Bayreuth

Die von Katharina Wagner inszenierte Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" in Bayreuth. (AP)
Die von Katharina Wagner inszenierte Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" in Bayreuth. (AP)

Ob Katharina Wagner ihrem Wunsch, die Bayreuther Festspiele zu leiten, mit dieser Inszenierung nähergekommen ist? Aus Sicht des Publikums wohl eher nicht: Bei ihrem Regiedebüt mit den "Meistersingern von Nürnberg" übertönten laute Buhrufe die wenigen wohlwollenden Bekundungen.

Unterschiedlich fällt auch das Fazit der Nachrichtenagenturen aus: Zwar gelängen Katharina Wagner originelle Szenen in ihrem Regiedebüt, doch lasse die Aufführung nur selten eine klare dramaturgische Linie erkennen, schreibt dpa. Stattdessen entfalte sie ein bizarres Panoptikum, wo Ur-Opa Richard in der Unterhose tanze, ein Nackter aus der Kiste steige und am Ende das Regieteam kurzerhand verbrannt werde. Der Deutsche Depeschen-Dienst stellt immerhin fest, dass die Regisseurin teils komische, teils rätselhafte Bilder von großer Kraft gefunden habe.

Zu den Prominenten im Publikum zählten unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissar Günter Verheugen sowie der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso. Erste Reaktionen nach der Vorstellung: MP3-Audio.

Schlingensief, Christoph

Schlingensief: Viele Einzeleinfälle, aber kein Bilderfluss

Katharina Wagner habe die "Meistersinger" in einer Art aktualisiert, die ihm nicht liege, sagte Christoph Schlingensief im Deutschlandfunk: "Es sind Teile darin, die sind meiner Meinung nach nicht wirklich in einem Fluss. Es sind Einzeleinfälle – und noch einer und noch einer."

1. Aufzug der Oper "Parsifal" von Richard Wagner in einer Inszenierung von Christoph Schlingensief (AP / Bayreuther Festspiele, Jochen Quast)Schlingensiefs "Parsifal" von 2005 (AP / Bayreuther Festspiele, Jochen Quast)Schlingensief zeigt bei den diesjährigen Wagner-Festspielen den "Parsifal" in seiner früheren und einer neuen Bearbeitung: "Mich interessiert wie beim 'Parsifal', dass es sich hier um ein Werk handelt eines Mannes, nämlich Richard Wagner, der doch ein verhältnismäßig unstetes Leben hatte, der in Geldnot war, der viel Blödsinn auch verzapft hat, der politisch war, unpolitisch war, antisemitisch, nichtantisemitisch – also ein Riesendurcheinander, das auch in seinen Figuren vorkommt. Das möchte ich gerne in der Zukunft anders behandelt sehen!" (Text / MP3-Audio)

Katharina Wagner kurz vor der Eröffnung der Wagner-Festspiele im Festspielhaus in Bayreuth (AP)Katharina Wagner in Bayreuth (AP)

Kein Meister-, doch ein gelungenes Gesellenstück

Szenisch überzeugend, musikalisch verbesserungswürdig – auf dieses Fazit konnten sich Eleonore Büning von der "FAZ" und Peter Jungblut vom Bayerischen Rundfunk im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur einigen. Sie lobten die Urenkelin Richard Wagners für ihre "beachtliche Regieleistung". Sie habe die Komödie mit witzigen Überraschungseffekten umgesetzt. Es sei kein Skandal, wie ursprünglich angekündigt. Doch die letzten "Meistersinger" ihres Vaters Wolfgang Wagner seien dagegen ein Gipfel der Harmlosigkeit gewesen. (Text, MP3-Audio)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:24 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Eine Welt

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:05 Uhr Breitband

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Endlich Samstag

Aus unseren drei Programmen

Kampf gegen FluchtursachenFür mehr Lebensräume entlang der Migrationsrouten

Afrikaner stehen an der Reling eines Schiffes, mit dem Rücken zur Kamera. (AFP)

Man solle Flüchtlinge nicht nur als Opfer betrachten, sondern als Menschen, die eine Wirtschaftsleistung erbringen können und wollen. Das sagt der Entwicklungshelfer Kilian Kleinschmidt und plädiert für Sonderentwicklungszonen in Afrika.

VW-Bußgeld Was tun mit einer Milliarde Euro?

Autoturm im Hauptgeschäftssitz von Volkswagen in Wolfsburg (AFP / Odd Andersen)

Gefangen im Abgasskandal hat VW ein Bußgeld von einer Milliarde Euro akzeptiert – und prompt an die Landeskasse des gesetzlichen Empfängers Niedersachsen überwiesen. Der unverhoffte Geldsegen bereitet kurz vor der Haushaltsklausur der rot-schwarzen Regierungskoalition viel Kopfzerbrechen.

Nachhaltige MobilitätStädtetag will weg von der "autogerechten Stadt"

In der autofreien Siedlung Vauban queren Fahrradfahrer eine Straßenbahnlinie. (imago/viennaslide)

Jahrzehntelang waren deutsche Städte vor allem aus einer Perspektive gedacht: der des Autofahrers. Mittlerweile setzt sich eine neue Denkweise durch, die Städte sollen menschen- statt autogerecht sein. Das findet auch der Kommunalverband Deutscher Städtetag. Nur: Wer soll das bezahlen?

Geistlicher Missbrauch Keine Widerrede erlaubt

Ein Mann hinter einer nicht ganz transparenten Scheibe - die Hände am Glas (imago/Gerhard Leber)

Ein Ehepaar fühlt sich geistlich missbraucht durch den Pastor seiner freien evangelischen Gemeinde. Denn als das Paar Zweifel an der Missionsstrategie äußert, kommt es zum Ausschluss - und zu massiven Beschimpfungen. Der Dachverband - die Evangelische Allianz - kennt einige solcher Fälle - und ist machtlos.

Europäischer Autorengipfel in BerlinIch fühle mich als Europäer, weil ...

Ein großes Bronzedenkmal der "Europa auf dem Stier mit Erdkugel und Taube" steht im Hafen der kretischen Stadt Agios Nikolaos. (picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Warum fühlen Sie sich als Europäer? Und wie hieße ein Buch, das Sie über Europa schreiben? Das fragen wir die 20 Autorinnen und Autoren, die sich heute auf dem Blauen Sofa in Berlin treffen. Unter ihnen sind Terézia Mora, Guy Helminger und Janne Teller.

D-Mark-Einführung vor 70 Jahren"Die D-Mark war eine weltweit geachtete Währung"

D-Mark-Geldscheine und -Münzen (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)

Auch 16 Jahre nach Einführung des Euro wird die D-Mark geschätzt: Rund 5,9 Milliarden D-Mark Banknoten seien noch immer im Umlauf, sagte Johannes Beermann, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, im Dlf. Von ihrer Einführung vor 70 Jahren bis zur Abschaffung habe die Währung an Wert gewonnen und sei weltweit beliebt gewesen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Asylstreit  Grüne fordern Seehofer auf, endlich "Masterplan" vorzulegen | mehr

Kulturnachrichten

Deutsche Sängerin in West-Türkei festgenommen | mehr

 

| mehr