Startseite > _Archiv > Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts > Beitrag vom 01.12.2009

Bundeskanzlerin Merkel: Berlin übernimmt Verantwortung für zivile Kundus-Opfer

Regierungschefin verspricht lückenlose Aufklärung

Merkel sieht Deutschland in der Verantwortung für die zivilen Opfer des Angriffs. (AP)
Merkel sieht Deutschland in der Verantwortung für die zivilen Opfer des Angriffs. (AP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel bedauert die zivilen Opfer bei dem umstrittenen Nato-Luftangriff in der Nähe von Kundus. Deutschland übernehme dafür die Verantwortung. Falls die Bundeswehr die ISAF-Regeln nicht eingehalten haben sollte, werde die Bundesregierung daraus Konsequenzen ziehen, erklärte die CDU-Politikerin.

Damit bekannte sich Merkel so deutlich wie nie zuvor zur deutschen Verantwortung für die zivilen Opfer des Angriffs. Noch in ihrer Regierungserklärung vom 8. Septembervermied sie es, die Verantwortung dafür zu übernehmen. "Jeder in Afghanistan unschuldig zu Tode gekommene Mensch ist einer zu viel. Wir trauern um jeden Einzelnen."

Die Bundeskanzlerin sprach sich heute für eine Aufarbeitung des Luftangriffs aus. "Es muss lückenlos alles aufgeklärt werden", sagte Merkel nach einem Treffen mit dem pakistanischen Premierminister Yousuf Raza Gilani in Berlin.

Die Bundesregierung will den Verteidigungsausschuss in einen Untersuchungsausschuss umwandeln, um die Informationspolitik rund um den Luftangriff zu überprüfen. Bereits zuvor hatte sich Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) für die Einberufung eines Untersuchungsausschusses ausgesprochen.

Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung war am Freitag zurückgetreten. Er übernahm damit die Verantwortung für die interne Informationspolitik im Verteidigungsministerium, dem er zum Zeitpunkt des Anschlags als Bundesverteidigungsminister vorstand.

Bei dem Nato-Luftangriff am 4. September gab es nach offiziellen Angaben bis zu 142 Tote und Verletzte, darunter auch zahlreiche Zivilisten.

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:34 Uhr