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Bundeswehr versenkt drittes Schiff

Ungewöhnliche Maßnahmen im Kampf gegen das Hochwasser

Bei Fischbeck werden zwei Schiffe gesprengt (picture alliance / dpa / Thomas Butzek)
Bei Fischbeck werden zwei Schiffe gesprengt (picture alliance / dpa / Thomas Butzek)

Während sich in weiten Teilen des Landes die Hochwasserlage entspannt, bleibt die Situation in Sachsen-Anhalt kritisch. In Fischbeck (Elbe) wurde ein drittes Schiff versenkt, um einen Deichbruch zu schließen. Bei Breitenhagen gab es dagegen eine erneute Deichsprengung.

Der gebrochene Elbe-Deich bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt ist wieder weitgehend dicht. Experten versenkten am Sonntagabend einen dritten Lastkahn vor der Bruchstelle, wie der Krisenstab in Magdeburg mitteilte. Außerdem wurden an der Stelle weitere Sandsäcke sowie Schiffscontainer und Betonteile in den Fluss geworfen. Es gebe nun nur noch eine kleine Lücke, hieß es. Die ersten beiden Lastkähne waren bereits gestern Abend versenkt worden.

Die Not macht erfinderisch: Weil ein 90 Meter langes Loch im Deich bei Fischbeck (Elbe) in Sachsen-Anhalt auf konventionelle Weise nicht zu schließen war, versenkte die Bundeswehr am Samstag zwei Schiffe vor der Bruchstelle. Zusätzlich warfen Hubschrauber riesige Säcke mit Sand und Steinen ab. Dadurch schrumpfte die Lücke auf 20 Meter. "Wir werten das als echten Erfolg. Das hat noch nie jemand versucht", sagte der Kommandeur des Landeskommandos Sachsen-Anhalt, Oberst Claus Körbi.

Das Gebiet um Barby-Breitenhagen gleicht einer Seenlandschaft (picture alliance / dpa / Bundeswehr)Das Gebiet um Barby-Breitenhagen gleicht einer Seenlandschaft (picture alliance / dpa / Bundeswehr)

Weiterere Deiche gesprengt

Weiter südlich versuchten die Einsatzkräfte das genaue Gegenteil. Am Samstag sprengten Einsatzkräfte eine Lücke in den Saaledeich bei Barby-Breitenhagen. Am Sonntag wurde unterdessen ein weiteres Stück gesprengt. Nach Angaben der örtlichen Rettungskräfte läuft das Hochwasser inzwischen durch die nun 60 Meter breite Lücke wieder schneller in den Fluss zurück.

Pegelstände sinken

Insgesamt entspannt sich die Lage in den Hochwassergebieten langsam. Im brandenburgischen Wittenberge sinkt der Elbe-Pegel deutlich. Auch in weiten Teilen Sachsen-Anhalts, Mecklenburg-Vorpommerns, Schleswig-Holsteins und Niedersachsens geht das Wasser zurück. Der niedersächsische Landkreis Lüchow-Dannenberg hat den Katastrophenalarm aufgehoben. Im Kreis Lüneburg soll er noch im Laufe des Sonntags aufgehoben werden.

Wer zahlt für Schäden?

Derweil geht der politische Streit darüber weiter, wer für die Flutschäden aufkommen soll. Die Versicherungsbranche lehnte eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden wie Hochwasser für Hausbesitzer ab. Das würde Anreize für eigene Schutzmaßnahmen der Hauseigentümer zunichte machen, sagte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Alexander Erdland, der "Rheinischen Post". Er warnte angesichts weiter zunehmender Naturkatastrophen vor einer unbezahlbaren Spirale "aus steigenden Schäden und steigenden Prämien". Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hatte eine Pflichtversicherung ins Gespräch gebracht. Eine flächendeckende Elementarschadenversicherung sei billiger als Soforthilfen der Politik.

Bund und Länder hatten sich am Donnerstag darauf geeinigt, einen Hilfsfonds in Höhe von bis zu acht Milliarden Euro aufzulegen. Das Geld soll je zur Hälfte von Bund und Ländern bereitgestellt werden. Es gibt aber weiter Streit um die Details. Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) schlug vor, die Körperschaftssteuer vorübergehend um zwei Prozentpunkte anzuheben. Die Bundesregierung lehnt Steuererhöhungen ab. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", man komme ohne höhere Steuern aus. Allerdings könnten die Flutkosten die Wahlversprechen der Kanzlerin wie eine höhere Mütterrente gefährden. "Wenn unser finanzieller Spielraum durch die Flut kleiner wird, dann wird er eben kleiner", so Schäuble.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr