Bundeswehrsoldat in Afghanistan getötet

Einheit geriet unter Beschuss von Aufständischen

ISAF-Soldat in Afghanistan (dpa / picture alliance / Jean Marc Loos)
ISAF-Soldat in Afghanistan (dpa / picture alliance / Jean Marc Loos)

Erstmals seit fast zwei Jahren ist ein deutscher Soldat in Afghanistan gefallen. Wie das Einsatzführungskommande der Bundeswehr in Potsdam mitteilte, hatten Aufständische das Feuer eröffnet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich bestürzt über den Tod des deutschen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Ihr Sprecher erklärte in Berlin, die Kanzlerin habe die Nachricht mit Trauer und Betroffenheit aufgenommen. Ihre Anteilnahme gelte den Angehörigen.

Bundespräsident Joachim Gauck sagte, seine Gedanken seien bei der Familie und den Kameraden des Toten. Der Angriff zeige, dass der Einsatz in Afghanistan nach wie vor sehr gefährlich sei.

Nach Angaben von Verteidigungsminister Thomas de Maizière war der Getötete Mitglied der Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte an. "Es ist der erste KSK-Soldat, der in Afghanistan gefallen ist", erklärte der Minister und äußerte sich erschüttert über den Tod: "Das ist eine schmerzliche, bittere Nachricht." Die Bundeswehr und ganz Deutschland trauerten um den gefallenen Soldaten. "Ich bin unendlich traurig", meinte de Maizière.

Ein zweiter deutscher Soldat sei verwundet worden, heißt esin der Mitteilung der Bundeswehr weiter. Eine deutsche Einheit hätte afghanische Kollegen bei einer Operation in der Provinz Baghlan begleitet und unterstützt. Als sie unter Beschuss gerieten, sei Luftunterstützung angefordert worden. Bei der anschließenden Untersuchung der Schäden durch den Luftschlag seien die Soldaten erneut beschossen worden. Hierbei sollen dann die tödlichen Schüsse gefallen sein. Vermutlich seien auch mehrere Aufständische bei dem Gefecht getötet worden, heißt es.

Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge bereits Samstag Mittag mitteleuropäischer Zeit. Die Angehörigen seien informiert.

FDP-Bundesparteitag mit Schweigeminute

Die FDP hielt bei ihrem Bundesparteitag in Nürnberg eine Schweigeminute ab. Auf Bitte von Parteichef Philipp Rösler erhoben sich die Delegierten. Der Vizekanzler sagte: "Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen und bei der Familie, bei den Freunden und bei seinen Kameraden."

Am Rande des Parteitreffens erklärte auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle, er wünsche der Familie und den Freunden die Kraft, um diesen furchtbaren Verlust zu bewältigen. Weiter erklärt er: "Das ist ein schwerer Rückschlag für unseren Einsatz." Trotzdem bleibe es beim geplanten Zeitplan, die deutschen Kampftruppen bis Ende 2014 abzuziehen und den afghanischen Sicherheitskräften die Verantwortung zu überlassen. "Wir werden dem Terror und den Terroristen nicht nachgeben", unterstrich Westerwelle.

Grüne drängen auf Ende des Bundeswehr-Einsatzes

Die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin erklärten, der Tod des Soldaten zeige, dass die Sicherheitslage in Nord-Afghanistan weiter instabil sei. Der Kampfeinsatz müsse endlich beendet werden. Der Linken-Verteidigungsexperte Paul Schäfer führte aus, der Verlust zeige, dass die Unterscheidung zwischen Kampfeinsatz und Unterstützungsmission nur auf dem Papier bestehe. Über soziale Medien wie Twitter und Facebook kamen bereits kurz nach Bekanntwerden der Nachricht die ersten Beileidsbekundungen. "Mit meinen Gedanken bin ich bei der Familie unseres verstorbenen Soldaten", twitterte beispielsweise auch der FDP-Politiker Serkan Tören.

Nachwuchs für Afghanistans Sicherheit: Polizisten und Soldaten beenden ihre Ausbildung (picture alliance / dpa / Jalil Rezayee)Bisher kamen im Afghanistan-Einsatz 53 deutsche Soldaten ums Leben. (picture alliance / dpa / Jalil Rezayee)Zuletzt war am 2. Juni 2011 ein Bundeswehrangehöriger bei einem Sprengstoffanschlag ums Leben gekommen. Bislang kamen bei dem Afghanistan-Einsatz 53 deutschen Soldaten ums Leben. 35 davon starben bei Angriffen und Anschlägen. Erst am Donnerstag hatte es einen Sprengstoffanschlag auf die Bundeswehrtruppen in der Provinz Kundus gegeben.

Die radikal-islamischen Taliban hatten vor wenigen Tagen den Beginn ihrer Frühjahrsoffensive verkündet. Ziele sollten vor allem ausländische Militärstützpunkte und Diplomatenviertel sein.

Sieben weitere ISAF-Soldaten getötet

Bei weiteren Zwischenfällen in Afghanistan wurden am Samstag auch sieben andere ISAF-Soldaten getötet. Fünf US-Soldaten starben bei einem Bombenanschlag im Süden, als ihr gepanzertes Fahrzeug nach Polizeiangaben von einem Sprengsatz am Straßenrand getroffen wurde.

In der westlichen Provinz Farah erschoss ein afghanischer Soldat zwei ISAF-Soldaten. Zur Nationalität der beiden Todesopfer machte die ISAF keine Angaben. In Farah sind ebenfalls vor allem US-Soldaten stationiert.

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr